Im Blickpunkt

Innovationsforum CO2-freies Kraftwerk am 26. und 27.4.2007 in Cottbus

Das Gold der Lausitz ist die Kohle. Energiegewinnung ist der Erfolgsfaktor der Region: Effizienter und umweltschonender.

Cottbus ohne Energie – unvorstellbar.
Dass man in der 1. Bundesliga bleibt – unbestritten.
Dass die jährlich in den Kraftwerken verfeuerten 59 Millionen Tonnen Braunkohle rund 65 Millionen Tonnen Kohlendioxid produzieren – eine Tatsache.
Dass die fossilen Brennstoffe Kohle, Erdgas und Erdöl auch in den kommenden Jahrzehnten die Energiegewinnung dominieren werden – davon ist Prof. Hans-Joachim Krautz überzeugt. Er ist der Inhaber des Lehrstuhls für Kraftwerkstechnik an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. Ein Eiferer in dieser Sache aus Berufsgründen scheint er beim ersten Gespräch nicht zu sein. Vielmehr dominieren Sachlichkeit und Abwägung seinen Habitus: „Die Verfügbarkeit der vorhandenen Kohleressourcen im eigenen Land und die niedrigen Energiegewinnungskosten sprechen für die Dominanz der Kohle auch in der vor uns liegenden Zeit. Energie aus Windkraft ist zurzeit ein Drittel teurer, Solarenergie etwa zehnmal so teuer. Diese beiden Energieträger können in für uns absehbarer Zeit die Kohle nicht ersetzen.“

Auf dem Boden dieser Tatsachen stehen Kraftwerkstechniker Krautz und sein Forscherteam aber vor einer grandiosen Herausforderung: Mit welcher Methode wird es gelingen, den enormen und umweltschädlichen Ausstoß von Kohlendioxid massiv zu reduzieren? Und dabei den Wirkungsgrad der mit der heimischen Kohle betriebenen Kraftwerke weiter zu steigern? Wenn der neue Block im Kraftwerk Boxberg 2010 in Betrieb gehen wird, arbeitet diese Anlage mit einem Wirkungsgrad von 43,6 % – 10 % mehr als in den späten 1990-er Jahren üblich und möglich.

Außerdem muss dazu ein neues Verfahren zum Trocknen der sehr feuchten Braunkohle entwickelt werden. Moderne Materialien auf Nickelbasis werden Eingang in die nächste Turbinengeneration mit dreidimensionalen Schaufelrädern finden. Und das Herausfiltern des Kohlendioxids aus dem, den mächtigen Schornsteinen entsteigenden, Rauchgas, muss ganz sicher noch über mehrere Jahre erforscht und geübt werden.

Forschen können die Wissenschaftler aus Cottbus bereits seit 2006. In Jänschwalde steht eine 500 KW starke Versuchsanlage, die 50 Einfamilienhäuser mit Energie versorgen könnte und in der das von Krautz und seiner Mannschaft entwickelte „Oxyfuel-Verfahren“ seinem ersten Praxistest unterzogen wird. Mit dieser weltweit bislang einzigartigen Technologie wird die Kohle anstatt im lufttypischen Gasgemisch aus Stickstoff und Sauerstoff in einer Atmosphäre aus Rauchgas und reinem Sauerstoff verbrannt. Durch Reinigen und Auskondensieren des Rauchgases kann das entstandene Kohlendioxid in einer Konzentration von 98 % abgeschieden werden.

Dieses abgeschiedene Kohlendioxid könnte künftig zum Beispiel durch Pipelines abtransportiert und in unterirdischen Speichern gelagert werden. Das Verfahren wird seit Februar 2007 in einem Testspeicher in Ketzin bei Potsdam für den zukünftigen Einsatz in ganz Deutschland erprobt.

Hans-Joachim Krautz hat starke Verbündete um sich geschart und sie alle zu einem zweitägigen Innovationsforum nach Cottbus eingeladen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) konnte er von seinem Konzept überzeugen. Das Forum wird im Rahmen der Programmfamilie UNTERNEHMEN REGION des BMBF gefördert, die speziell Innovationsbündnisse in den neuen Bundesländern unterstützt. Manfred Hempe vom Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wies in Cottbus auf die „kraftvolle Vision“ des Innovationsforums hin: „Von dieser Veranstaltung muss der Impuls für eine neue Kraftwerksgeneration „Made in Lausitz“ ausgehen!“ Mehr als 150 Unternehmer, Wissenschaftler, Politiker und Verwaltungsfachleute diskutierten an beiden Tagen über den besten Weg hin zu diesem Ziel.

Für Reinhardt Hassa war das Innovationsforum fast ein Heimspiel. Der Vorstandssprecher der Vattenfall Europe Generation Verwaltungs AG und der Vattenfall Europe Mining AG pflegt bereits seit einigen Jahren engen Kontakt zur Brandenburgischen Technischen Universität und ihren forschenden Kraftwerkstechnikern: „2 Milliarden Tonnen Braunkohle stehen in der Lausitz zur Energiegewinnung zur Verfügung. Wir werden sehr sorgsam mit diesem Schatz umgehen und setzen dabei auf das von Prof. Krautz und seinem Team in Cottbus entwickelte Oxyfuel-Verfahren.“

Vattenfall hatte im Mai 2006 in Schwarze Pumpe den Spatenstich für die weltweit erste Pilotanlage gesetzt. Im Sommer 2008 soll die 30 Megawatt starke Anlage in Betrieb gehen. Ab 2010 startet Vattenfall ebenfalls in Schwarze Pumpe eine Pilotanlage für einen Großtrockner mit einer Leistung von 280 Tonnen Kohle pro Stunde.

Vattenfall-Sprecher Hassa unterstrich die für sein Unternehmen wichtigsten Punkte: „Wir werden den Betrieb unserer Oxyfuel-Pilotanlage in Schwarze Pumpe kontinuierlich wissenschaftlich begleiten und bewerten. Auf dem Weg zum kohlendioxidfreien Kraftwerk suchen wir die Zusammenarbeit mit kleinen und mittelständischen Unternehmen aus der Region, deren Kompetenz wir brauchen und nutzen wollen. Möglich erscheint der Einsatz des Oxyfuel-Verfahrens im normalen Kraftwerksbetrieb ab 2020.“

Informationen zum Innovationsforum unter www.btu-innovationsforum.de


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