Im Blickpunkt

Oberflächennahe Geothermie: alternative Energie mit Potenzial

Im frisch restaurierten Schloss Ettersburg in der Nähe von Weimar fand am 23. und 24. Januar 2008 das Innovationsforum "Erhöhung der Nutzungspotenziale oberflächennaher Geothermie" statt. 170 Teilnehmer, u.a. von Ingenieurbüros, Bohrfirmen, Heizungsbauern, Universitäten und aus der Verwaltung, diskutierten Theorie und Praxis der oberflächennahen Geothermie.

Initiiert und organisiert wurde die Veranstaltung vom Forschungsinstitut für Tief- und Rohrleitungsbau (FITR). Der Institutsleiter, Dr. Wolfgang Berger, begrüßte zunächst die Anwesenden und stellte das Institut kurz vor. Das FITR, 1991 als unabhängiges wirtschaftsnahes Forschungsinstitut gegründet, ist unter anderem auf den Gebieten Infrastruktur, Leitungsbionik, Deichertüchtigung und Aus- und Weiterbildung tätig.

 Dr. Wolfgang Berger, Leiter des FITR, bei
Begrüßung der Gäste.

 Die Leiterin des Fachbereichs Energie und Umwelt, Ute Büchner, präsentierte die Forschungs- und Entwicklungsarbeit des FITR im Bereich der oberflächennahen Geothermie.


Ute Büchner, Leiterin des Fachbereichs Energie und Umwelt berichtete, wie man vor drei Jahren überlegte, ob sich Innovationen, die im Tief- und Rohrleitungsbau schon verwirklicht waren, nicht auch auf die oberflächennahe Geothermie übertragen ließen.
Dann ließe sich ein bedeutsamer Markt erschließen und der Anteil regenerativer Energien am Energiemix der Haushalte deutlich erhöhen. Denn die oberflächennahe Geothermie kann, anders als beispielsweise die Windkraft, individuell genutzt werden: Jeder Häuslebauer hat - vorausgesetzt, die Bodenverhältnisse sind geothermisch günstig -, die Möglichkeit, mit einer eigenen geothermischen Anlage die Erdwärme unter seinem Grundstück für das Beheizen seines Hauses zu nutzen. Die im Vergleich zur Installierung einer Gasheizung höheren Investitionskosten amortisieren sich aufgrund der deutlich geringeren Verbrauchskosten schon nach wenigen Jahren.
Aus ersten Forschungs- und Entwicklungsprojekten entstand dann die Idee für das Innovationsforum.

Im September 2007 gab es eine Auftaktveranstaltung, auf der fünf Arbeitskreise ins Leben gerufen wurden: Geologie und Geophysik, Einbau- und Gewinnungsverfahren, Wärmepumpen, Kombination von Wärmepumpen mit anderen Energieformen, Qualitätsmanagement. Außerdem gründeten in diesem Rahmen 20 Unternehmen den Verein "Erdwärme Thüringen e.V.", um gemeinsam den Bekanntheitsgrad der oberflächennahen Geothermie zu fördern, Innovationspotenziale aufzuzeigen und Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu initiieren. In der Folge trafen sich die Arbeitskreise regelmäßig und gaben auf Schloss Ettersburg Einblick in den Stand ihrer Diskussionen.

Barbara Reddig vom Projektträger DLR betonte, dass BMBF und DLR nicht an einer bloßen Netzwerkbildung oder einer losen Projektzusammenarbeit interessiert seien, sondern an festen Bündnissen, die sich im Idealfall zu international anerkannten Clustern entwickeln. Sie zeigte sich überzeugt, dass das Geothermie-Innovationsforum diese Erwartung erfülle - deshalb habe das BMBF sich zu einer Förderung entschieden.

Auch Prof. Dr. Christian Juckenack, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit, hält die Unterstützung der Geothermie in Thüringen für eine gute Investition. Er hob in seinem Grußwort hervor, dass Thüringen im Bereich erneuerbare Energien die Nummer 1 in Deutschland sei. Bundesweit würden 6% des primären Energieverbrauchs durch regenerative Energien gedeckt, in Thüringen seien es 12%. Die Nutzung der erneuerbaren Energien müsse weiter intensiviert werden; gerade für die oberflächennahe Geothermie habe Thüringen gute Voraussetzungen, z.B. geothermisch nutzbare Höhlen und stillgelegte Bergbaustollen.

 Rund 170 Gäste kamen zum Innovationsforum auf Schloss
Ettersburg bei Weimar.
 Alle Beteiligten (v.l.n.r. Ute Büchner, Dr. Wolfgang Berger, Barbara Reddig vom Projektträger DLR und Prof. Dr. Christian Juckenack, Staatssekretär im Thüringer Wirtschaftsministerium) waren zufrieden mit der Veranstaltung und zeigten sich optimistisch im Hinblick auf die Potenziale der oberflächennahen Geothermie.


Im Vergleich zu anderen regenerativen Energien hat die oberflächennahe Geothermie den Vorteil, dass sie Energie kontinuierlich und wetterunabhängig zur Verfügung stellt und ihre Anlagen das Landschaftsbild nicht stören. Staatssekretär Juckenack zeigte sich überzeugt, dass das Innovationsforum ein Stück Aufklärungsarbeit in Sachen Geothermie leistet und dazu beiträgt, dass die Potenziale der oberflächennahen Geothermie in Thüringen in Zukunft effektiver genutzt werden können. "Vater Staat und Mutter Erde gehen hier eine fruchtbare Verbindung ein", scherzte Prof. Dr. Juckenack.

Mehr Informationen zum Innovationsforum "Erhöhung der Nutzungspotenziale oberflächennaher Geothermie" finden Sie hier.


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