Im Blickpunkt

Im Lausitzer Braunkohlerevier gibt es neue Energie für Biotechnologie

Noch ist nicht zu übersehen, was Vergangenheit und Gegenwart der Lausitz prägte und prägt – die Braunkohle. Bei der Fahrt ins südbrandenburgische Senftenberg bestimmen große Flächen stillgelegten Tagebaus das Bild. Das wirkt durch aufgeforstete Birkenwälder mit ihren ersten grünen Trieben fast romantisch. Doch nur wenige Sekunden später erkennt man am Horizont die wie aus einer fernen Zeit stammenden Ungetüme der Braunkohlebagger, mit denen das „Gold der Lausitz“ abgeräumt wird.  Aus diesem Gold entsteht Energie für die Bundeshauptstadt und es sichert tausende Arbeitsplätze in Kraftwerken wie Schwarze Pumpe oder Boxberg. Noch ...

Doch der Strukturwandel ist in vollem Gange. Belegt wurde dies durch ein Innovationsforum im März dieses Jahres in Senftenberg, das so gar nichts mit Braunkohle, dafür aber umso mehr mit neuer Energie zu tun hatte.

„Das Netzwerk BioResponse ist zum einen ein Glücksfall für alle Beteiligten. Zum anderen ein Ergebnis von Kompetenz und Leidenschaft.“ Engagiert sachlich stellt dies Dirk Roggenbuck von der GA Generic Assays GmbH fest. Er gehört zu denjenigen, die etwa seit der Jahrtausendwende Mut, Wissen und Geld zusammen nahmen, um im südlichen Brandenburg – abseits des Berliner Speckgürtels – ein vollkommen neues Netz der Biotechnologie zu spinnen, das seinen Mittelpunkt in der Fachhochschule Lausitz in Senftenberg hat. „Während ich bei anderen Universitäten und Hochschulen meist einen bürokratischen Hürdenlauf aufgestellt bekam, der mir wohl zeigen sollte, wie schwierig sich eine Zusammenarbeit der Wissenschaft mit einem kleinen mittelständischen Unternehmen gestalten muss, traf ich in Senftenberg auf eine Überraschung – ehrlich interessierte Wissenschaftler und Studenten sowie ein pragmatisch handelndes Rektorat!“, lobt Dirk Roggenbuck die Fachhochschule Lausitz.

Nur folgerichtig, dass jetzt ein Biotechnologie-Innovationsforum mit dem Themenschwerpunkt „Multiparameteranalytik“ direkt an der Senftenberger Hochschule veranstaltet wurde. 100 Unternehmer, Wissenschaftler, Politiker, Verwaltungsfachleute und vor allem auch Studenten nahmen sich drei Tage Zeit für dieses Thema, das sich sehr neu und modern anhört. Das aber bei genauerem Betrachten eine Geschichte mit Vergangenheit ist, denn seit mehr als hundert Jahren sind medizinische Labore ein Grundpfeiler des deutschen Gesundheitssystems. Hier erhält der Arzt wichtige Informationen zum Zustand seines Patienten, mit denen er die passende Therapie entwickeln kann.

 Werner Lehmann von der Attomol GmbH Lipten gehört zum Urgestein des BioResponse-Netzwerks im südlichen Brandenburg, das als Wachstumskern vom BMBF unterstützt wurde. Er ist überzeugt vom Erfolg der Multiparameteranalytik.  Die Fachvorträge im Forum und die Infostände im Foyer boten reichlich Anlass für intensive Pausengespräche.

Während in den 1970er und 1980er Jahren noch viele verschiedene Einzeluntersuchungen nacheinander im Labor durchgeführt wurden, ist seit der Jahrtausendwende ein Quantensprung möglich geworden. Grund dafür sind die bahnbrechenden Forschungsergebnisse der Biotechnologie und deren erste Anwendungen im medizinischen Alltag. Sie ermöglichen schon heute das parallele Untersuchen von Körpergewebe oder Körperflüssigkeiten in einer Probe und in wesentlich geringeren Mengen als bisher üblich. Dadurch können mögliche Krankheitssymptome beispielsweise für Rheuma oder Krebs sehr viel schneller im Labor diagnostiziert werden.

Möglich wird dies durch den Einsatz ständig verbesserter Screening-Verfahren, welche eine effizientere Laborarbeit ermöglichen. Dr. Werner Lehmann von der Attomol GmbH in Lipten beschreibt die Situation in der medizinischen Diagnostik so: „Ob Laborärzte in den Krankenhäusern oder Ärzte mit eigenen Laboren  – sie alle sind mit einem enormen Preis-/Leistungsdruck konfrontiert. Daraus resultiert ein zunehmender Innovationsdruck.“

Diese Situation nutzt das brandenburgische BioResponse-Netzwerk und verstärkt die notwendigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Multiparameteranalytik, unterstrich Lehmann. Gerade mittelständische Unternehmen seien so flexibel, wie es die künftigen Nutzer verlangen. Zusammen mit den Wissenschaftlern der Region könne in der Lausitz eine Technologieplattform entstehen, die für eine regionale Wertschöpfung sorgt und wichtiges Know-how bindet.


Mehr zum Innovationsforum Multiparameteranalytik finden Sie hier.


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