
Das Weimarer InnoProfil "Intelligentes Lernen" präsentierte im Rahmen seines 1. Workshops Instrumente für ein modernes Wissensmanagement.
Man lernt nie aus! Selten passte diese Feststellung besser in die Diskussion um Wissen und Bildung als in den letzten Jahren. Denn "lebenslanges Lernen ist für die Weiterentwicklung einer dienstleistungsorientierten Gesellschaft unerlässlich geworden". Dr. Matthias Hagen weiß, wovon er spricht. Schließlich leitet er die Nachwuchsforschungsgruppe des InnoProfile-Projekts Intelligentes Lernen, bei dem e-Learning und Wissensmanagement im Mittelpunkt stehen - ein Forschungsfeld mit Zukunft.

3D-Raum mit Spheron.
Entsprechend groß war das Interesse am 1. Workshop des InnoProfils Anfang Juli. Zahlreiche Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft fanden sich an der Bauhaus-Universität ein, um mehr über die Arbeitsschwerpunkte der Nachwuchsgruppe zu erfahren. Vor allem in den drei Modulen Suche/Aufbereitung, Interaktion und Wissensvermittlung konnten die einzelnen Teammitglieder erste Ergebnisse präsentieren.
Wer die Suchmaschine Google nutzt, um das World Wide Web nach dem Stichwort "Lernen" zu durchforsten, erhält rund 42 Millionen Treffer. Beim Begriff "Wissen" sind es sogar 76 Millionen - alles in allem etwas viel für eine effiziente Recherche. "Die Herausforderung ist es, Algorithmen zu entwickeln, mit denen sich Informationen zielgerichtet suchen und aufbereiten lassen", erläutert e Maik Anderka. Das Team arbeitet daher an einer Software, die unsortierte Datenmengen, etwa aus dem Internet, nach Stichwörtern oder strukturellen Merkmalen filtert, nach Inhalten oder Genres kategorisiert und so für den Nutzer optimal aufbereitet. Der Lernaufwand könnte damit deutlich verringert werden.
Einige andere Tools sind bereits gebrauchsfertig: etwa das Firefox-Plug-In WEGA, das bei einer Suchmaschinenanfrage gleich das Genre der jeweiligen Website anzeigt oder der Webservice Netspeak (netspeak.webis.de), mit Hilfe dessen sich z.B. passende Präpositionen für Satzstrukturen aufspüren lassen.
Teammitglied Alexander Kulik (rechts)erklärt die Funktion des 3D-Lernraums.
Einen weiteren Forschungsschwerpunkt der Gruppe stellte Alexander Kulik vor: Lernen in der virtuellen Realität. Damit mehrere Nutzer gleichzeitig am selben interaktiven 3D-Szenario arbeiten können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden. "Wichtig ist vor allem eine stimmige Projektion", erklärte Kulik. "Bei mehreren Nutzern nimmt jeder eine andere Position im Raum ein - dennoch sollen alle die 3D-Simulation perspektivisch korrekt sehen." So können etwa mehrere Studenten gemeinsam eine Maschine oder ein Bauteil am digitalen Modell untersuchen und bearbeiten.
Auch die physische Beschaffenheit der eingesetzten Interaktionswerkzeuge hat wesentlichen Einfluss auf die gemeinsame Arbeit. Für ihren 3D-Lernraum hat die Nachwuchsgruppe daher den Spheron konzipiert - einen fußballgroßen 3D Trackball der präsent auf einem Sockel vor der Leinwand steht. . Nachvollziehbar für die jeweils Anderen kann jeder Beteiligte an das Gerät herantreten und die virtuelle Szene mit beiden Händen "greifen", um sie zu drehen und zu verschieben.
Neben dem dreidimensionalen Raum arbeitet die Gruppe auch zweidimensional. Im Fokus steht hier die Visualisierung von sehr großen Datensätzen: z.B. hochaufgelöste Zellschnitte (100.000x100.000 Pixel), geologische Volumendatensätze und Dokumentenkollektionen (Millionen von Dokumenten). Die Zielvorstellungen sind dabei ähnlich: alle Anwender sollen dasselbe sehen und es gemeinsam nutzen können. Zu diesem Zweck wurde ein hochauflösendes QuadHD-Display mit einer berührungsempfindlichen Oberfläche ausgestattet. Nicht immer will man jedoch nah am Bildschirm stehen und arbeiten, sondern zum besseren Überblick auch mal davon zurücktreten. Zur Interaktion aus solcher Entfernung setzte Patrick Riehmann auf eine pragmatische Lösung: "Wir haben einen handelsüblichen iPod-Touch modifiziert. Das Gerät bietet Funktionen und Schnittstellen, die wir zur Fernbedienung unserer Anwendungen nutzen können."
Dass die Forschung im InnoProfile-Projekt auch den eigenen Studenten zugutekommt, erläuterte Thomas Bröker beim Thema Wissensvermittlung. Speziell für den Fachbereich Bauphysik hat das Team e-Learning-Bausteine entwickelt. So lassen sich etwa Temperaturverläufe im Mauerwerk oder die Schalldämmung verschiedener Trennwände auf dem PC simulieren - die Studenten lernen dabei, wie stark sich unterschiedliche Parameter auf das Ergebnis auswirken. Am Ende könnte so ein Simulationsspiel entstehen, in dem alle relevanten bauphysikalischen Teilbereiche in einem authentischen Lernszenario integriert sind.
Man lernt nie aus! Denkt man allerdings an die vielfältigen Möglichkeiten, wie Wissen künftig vermittelt werden kann, ist man geneigt, diese Feststellung anders zu formulieren, denn: Man will auch nie aufhören zu lernen!
Weitere Informationen zum InnoProfil Intelligentes Lernen finden Sie hier.
(URL: http://www.unternehmen-region.de/de/2296.php)