
Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer der Ingenieurtechnik und Maschinenbau GmbH (IMG), der auch am Aufbau des InnoRegio-Netzwerkes "Maritime Allianz Ostseeregion" beteiligt war.

Das Unternehmen von Reinhart Kny, die Ingenieurtechnik und Maschinenbau GmbH (IMG), hat ihren Sitz im Rostocker Stadtteil Schmarl, in dem sich kleine und mittelständische Betriebe von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung angesiedelt haben. Der Schiffbau-Unternehmer von Ingenieurtechnik und Maschinenbau (IMG) ist zurzeit nur einmal die Woche in Rostock, um sich um den Betrieb zu kümmern. Die übrige Zeit arbeitet er in Wismar mit dem Insolvenzverwalter der Wadan-Werft zusammen, die seit August, neu firmiert zu Nordic Yards, dem 29-jährigen Russen Jussufow gehört. Die noch vor dem russischen Kauf abgeschlossen Aufträge müssen ordentlich abgeschlossen werden und dafür ist Reinhart Kny der richtige Mann.
Seine Wurzeln hat Reinhart Kny im mecklenburgischen Wismar und dort ist er auch heute noch zu Hause. Eigentlich hat sich sein Leben bisher immer zwischen Rostock und Wismar abgespielt. In Wismar ist er aufgewachsen und in Rostock hat er die Ausbildung zum Diplom-Ingenieur und das Zusatzstudium Ingenieur-Ökonom absolviert. Seine erste Arbeit fand er dann aber nicht gleich dort, wo er sich wohlfühlt, sondern war drei Jahre im brandenburgischen Schwedt. Doch dann zog ihn seine Familie wieder nach Wismar und er begann seine berufliche Laufbahn als Planungstechnologe bei der Mathias-Thesen-Werft in Wismar.
30 Jahre hat es ihn dort gehalten. Reinhart Kny hat dort die Wende erlebt, 1992 die Übernahme durch den Bremer Vulkan Verbund, dann 1996 die Pleite, da war er schon erfahrener Geschäftsführer der Wismarer Werft. "Mit viel Mut sind die Menschen nach der Wende in diese Umbruchstimmung gegangen, denn 1990 war die Aufbruchstimmung nicht wie heute an eine Wirtschaftskrise angehängt. Das war damals der Vorteil", erzählt Kny. Heute sieht es anders aus, sagt er, da müssen gestandene Strukturen ums Überleben kämpfen.
"Die Werften hier in Deutschland braucht keiner auf der Welt, die brauchen nur wir selber, denn auf einen Beschäftigten in der Werft kommen vier in der Zulieferindustrie, hier liegt das Knowhow. Der maritime Bereich lebt vor allem in der Zulieferindustrie in Mecklenburg-Vorpommern, in der Forschung und Entwicklung, an den Universitäten, und das ist es, was uns immer wieder antreibt!", beschreibt Kny den Zustand der maritimen Wirtschaft, dessen Herz sowohl für die Werften als auch für die Zulieferindustrie schlägt.
Mit dem Eigentümerwechsel der Werft ist Kny 2002 in die Zulieferindustrie zu IMG gegangen. Hier hat er die Geschäftsführung übernommen und nach kurzer Zeit 85 Prozent der Anteile. "Wenn ich unternehmerisch arbeite, dann wollte ich nicht mehr abhängig sein, wie die Jahre davor und mir jede Entscheidung bestätigen lassen müssen."
IMG ist Systemlieferant der Schiffbau-, Maschinenbau- und Stahlbauindustrie und ist heute mit drei anderen Unternehmen in Europa und einem in China führend auf dem Weltmarkt. Mit 110 Mitarbeitern macht die Firma zwischen 25 und 34 Millionen Euro Umsatz im Jahr. 90 Prozent der Aufträge spielen sich im Ausland ab. Drei bis vier Monate im Jahr ist Kny dort unterwegs. In seiner Rostocker Firma hat er Vertriebsmitarbeiter für die jeweiligen Gebiete. In den Ländern Südkorea, Amerika, Russland, China, Vietnam, Australien, England und Europa läuft der Kontakt dann über Einheimische.

In St. Petersburg hat er sogar ein eigenes Büro eingerichtet, denn Russland ist, so Kny, der Markt der Zukunft. Die Entfernungen sind kurz, die russische Mentalität liegt ihm. Dies kommt für ihn immer wieder im Zusammengehörigkeitsgefühl bei den Problemen zum Ausdruck. "Wir, die aus dem Osten kommen, haben viel Verständnis für die Probleme, die dort herrschen, weil wir sie hinter uns haben. Was wir zwischen 1990 und 1995 hatten, diese Aufbauphase, die haben die noch vor sich. Nur bei uns ging es schneller, da der Bund viel in die Werften investiert hat." Kny fühlt sich als Systemlieferant für diese Werften: Seine Firma plant Unternehmen, rationalisiert sie auf dem Papier und versucht, ihre Hardware auf bestimmten Gebieten mitzuliefern.
In den vergangenen Jahren konnte Kny seine Mitarbeiter konstant halten. Was macht seinen Erfolg aus, wollte ich wissen? "Die Stärke meines Unternehmens liegt in der guten Qualifizierung der Mitarbeiter. Wir bilden unsere Leute selber aus, sie kommen von den Hochschulen, wir "reservieren" uns da frühzeitig unser Personal. Junge Leute mit guten Ideen sichern dir dein Produkt! Sie gehen andere Wege, sie werden anders ausgebildet. Ich als Geschäftsführer muss immer die richtige Frau oder den richtigen Mann an den richtigen Platz setzen. Wir zahlen hier genau das Gleiche für einen Ingenieur wie in einer Werft, sonst könnte ich mich in Rostock nicht durchsetzen. Wenn wir unsere Produkte gut verkaufen, müssen die Leute auch gut verdienen."
In den letzten sechs Jahren hat Kny volle Auftragsbücher gehabt, doch die Finanzkrise geht auch an seiner Firma nicht spurlos vorbei. 2010 wird er einen Einbruch kriegen, da einige Aufträge noch nicht bestätigt worden sind. "Alle warten auf den Aufschwung, wir sind keine Ausnahme. Wir werden in der Lage sein, das zu überbrücken, bisher hatten wir keine Kurzarbeit, aber ab Januar werden wir für ein halbes Jahr in die Kurzarbeit gehen müssen."
Diese "Flaute" will er nutzen, um die schon seit Jahren betriebene Forschung nach neuen Produkten zu intensivieren. "Wir bauen gerade zwei neue Hallen, eine für die Forschung im Bereich Lasertechnik, und eine für die Konservierung von Anlagen. Ohne Forschung kommt ein Mittelständler gar nicht aus. Ich muss meine Produkte selber entwickeln und konstruieren und dann müssen wir Forschungsmittel einsetzen. Wir haben mit dem Fraunhofer-Institut hier in Rostock vier Projekte zur Halbautomatisierung auf den Weg gebracht. Das ist uns auch gelungen, weil wir in Deutschland gute Rahmenbedingungen für die Forschung haben. Diese Forschungsmittel des Landes und des Bundes versprechen, dass sie zu Produkten werden. Die Rahmenbedingungen sind ausreichend, so dass wir damit gut zurechtkommen."
Sechs Jahre lang, von 1999 bis 2005 war Kny beteiligt am Aufbau des Netzwerkes "Maritime Allianz Ostseeregion" kurz MAO. Dieses damalige InnoRegio-Projekt wurde im Rahmen der BMBF Innovationsinitiative Neue Länder "Unternehmen Region" gefördert. Kny ist Vorsitzender des daraus entstandenen Vereins. "Damals mit InnoRegio haben wir angefangen, Netze aufzubauen. InnoRegio hat gezeigt, dass man Systeme der Zusammenarbeit für kleine und mittelständische Unternehmen entwickeln kann, das war eine gute Erfahrung." Heute ist MAO ein Verbund von Firmen mit Kernkompetenzen der maritimen Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Zusammenarbeit mit Menschen und die Herausforderung, wichtige Entscheidungen treffen zu müssen, das ist es, was den Chef Reinhart Kny immer wieder motiviert. Große Projekte, wie z. B. ein Auftrag vor einiger Zeit in Italien mit einem Volumen von 22 Millionen Euro, der über drei Jahre ging, wo er dann bei der Bank Bürgschaften hinterlegen und nachweisen musste, dass technisch alles sicher ist, "das sind Herausforderungen, die mir Spaß machen und mich in einer gewisse Spannung halten, das reizt mich."
Auch Enttäuschungen gehören für Kny zum Leben eines Unternehmers, doch lieber trifft er zehn Entscheidungen und eine mal falsch als gar keine. "Wer keine Entscheidungen trifft, kann auch keinen Erfolg haben. Entscheidungen treffen bedeutet eben, dass man kein Zögerling ist."
Egal, ob der 64-jährige von Erfolgen oder schwierigen Zeiten spricht, von seinen guten Mitarbeitern oder von dem Aus der Werften, Kny ist von einer gleichbleibenden Ruhe. Es sieht so aus, als würde ihn der Optimismus nie verlassen. "Die Kraft dafür gibt mir meine Familie, meine Frau, bei der ich Ruhe habe, meine beiden Töchter mit ihren Kindern. Das ist alles sehr gut und motiviert mich."
Mit seiner Frau teilt er auch die Leidenschaft am Fußball. Dort haben sie sich damals kennengelernt. Der Spaß am Fußball ist bis heute geblieben. Kny ist auch hier über das normale Maß hinaus engagiert. Er ist Präsident vom Fußballverein "Anker Wismar". Wenn ich da sonntags hingehe und die gewinnen, dann habe ich wieder ein gute Woche vor mir", und Kny lacht so herrlich übers ganze Gesicht, wie ich es nur einmal in unserem Gespräch zu sehen bekomme. Die Vereinsarbeit sieht er auch als Werk für Kinder und Jugendliche, die, wie er sagt, in unserer Gesellschaft immer mehr vernachlässigt werden. Mit der Arbeit bei IMG hat sich für Reinhart Kny ein tiefes Bedürfnis erfüllt: Freiheit haben für Entscheidungen. Vorher bei der Werft hatte er auch Freiheiten, sagt er, aber er musste immer noch einen fragen.
Über den Ruhestand denkt er nicht nach. "Nein, ich halte die Spannung für alle, wie lange ich durchhalte."
Weitere Informationen zum InnoRegio Maritime Allianz Ostseeregion finden Sie hier.
(URL: http://www.unternehmen-region.de/de/277.php)