Im Porträt

Der Mann, der die Sterne liebt

Dr. Carsten Dosche ist Franke und Neu-Brandenburger. Er leitet an der Universität Potsdam die Nachwuchsforschungsgruppe Angewandte Lasersensorik.

"Ich habe eine lange Nacht hinter mir", diese Bemerkung lässt Carsten Dosche mit großem Vergnügen fallen, um dann aber gleich einer möglichen falschen Richtung der Schlussfolgerungen die Kraft zu nehmen: "Mit meinem Teleskop und meinen Fotoapparaten war ich unterwegs. Eine wunderbar dunkle klare Nacht. Über 3 Stunden Belichtungszeit sind zwar lang, aber sie haben sich gelohnt!" Stolz klickt er auf seine Maus. Auf dem Monitor erscheinen tausende Sterne, schwach schimmernd, wunderbar leuchtend, eingehüllt in einen orangefarbenen Nebel. Carsten Dosche scheint mit dem Resultat seines nächtlichen Ausfluges zufrieden. Der Blick hoch hinauf in die Sterne fasziniere ihn nun schon seit 1995, denn seit dieser Zeit gehört er zur Arbeitsgemeinschaft der Nürnberger Astronomen, verrät er.

Nein, Carsten Dosche ist nicht Astronom im Hauptberuf geworden. Der gebürtige Nürnberger aus Franken in Bayern, Freistaat in Deutschland, lebt, lehrt und forscht heute in Potsdam, Hauptstadt des Landes Brandenburg und einstige Sommerresidenz der preußischen Könige, als promovierter Chemiker und Leiter einer Gruppe von Nachwuchsforschern am Institut für Chemie der Universität Potsdam.

"Der Chemiebaukasten, den ich zum 11. Geburtstag geschenkt bekam, war einfach früher da als mein erstes Fernrohr", erklärt er mit einem Lachen, das nicht laut ist, sondern nur lang anhaltend strahlt. Ganz offensichtlich besteht ein Geheimnis seiner bisherigen wissenschaftlichen Laufbahn darin, dass er sich die Neugier eines staunend seine Welt betrachtenden Jungen bis heute bewahrt hat. Das sind nicht seine Worte, aber sein Gesichtsausdruck verrät einiges davon.

Nein, aus einer Chemikerfamilie stamme er überhaupt nicht, betont Carsten Dosche, um dann doch zu berichten, dass eine gewisse naturwissenschaftliche familiäre Tradition nicht von der Hand zu weisen sei: "Mein Vater ist Elektroingenieur, meine Brüder sind Programmierer und Landschaftsgärtner." Und wer einen so schönen Chemiebaukasten in seinem Besitz habe, darf ihn natürlich nicht einfach in die Schrankwand stellen, sondern muss ihn entdecken, was Carsten Dosche überhaupt nicht schwer fiel. Denn zu seinem großen Glück gab es in den 1980er Jahren noch Chemielehrer, die Naturtalente wie ihn entdecken, begeistern und fördern konnten und wollten. Die Arbeitsgruppe Chemie wurde zur zweiten Heimat mit unglaublichen Experimenten, bei denen natürlich auch immer wieder mal etwas danebengehen konnte, ohne dafür sofort mit schlechten Noten verwarnt zu werden. Das entfachte ganz offensichtlich seine Leidenschaft und seinen Willen, Neues zu finden. Dass er die Welt der Chemie wahrscheinlich nur dann richtig entdecken könnte, wenn er sich auch physikalischen und biologischen Geheimnissen nähert - ohne der Mathematik zu nahe zu kommen, die nie sein Steckenpferd war - das spürte Carsten Dosche. Seine Entscheidung für ein Studium der Chemie an der Universität Erlangen kann daher nur als folgerichtig und wohl fast zwangsläufig betrachtet werden. Wahrscheinlich war es auch die optimale elterliche Verpflegung und Betreuung während des Studiums, das so ein exzellentes Diplom im Jahr 2000 alle Mühen des Studiums zum guten Abschluss brachte. An dieser Stelle kreuzt Hans-Gerd Löhmannsröben in Carsten Dosches Lebenslauf zum ersten Mal mit ganzer wissenschaftlicher Kraft auf. Mit seiner Begleitung und unter seiner Anleitung schreibt er seine erfolgreiche Diplomarbeit und folgt seinem Anstoß zur Promotion. Die aber noch prägendere Entscheidung, mit der Prof. Dr. Hans-Gerd Löhmannsröben seinen ehemaligen Studenten konfrontierte, war: Potsdam!

Also ganz neu war Potsdam für ihn nicht, sagt er heute, um erklärend hinzu zufügen, dass er durch eine Klassenfahrt 1991 in das wiedervereinigte Berlin auch für einen Nachmittag durch den Park von Sanssouci schlenderte: "Was aber nicht wirklich Potsdam ist. Was ich ja dann später spürte, als ich zum Beispiel bei meinem Umzug nach Potsdam an der völlig verfallenen Speicherstadt vorbeifuhr." Der Schritt nach Potsdam war für Carsten Dosche auch der Start in einen neuen Lebensabschnitt: "Zunächst fand ich es toll, als mich Prof. Dr. Löhmannsröben fragte, ob ich im Team an der Universität Potsdam arbeiten möchte. Schnell war mir damit aber auch klar, dass ich mich damit endgültig von zu Hause abnabeln werde. Und das war dafür genau der richtige Zeitpunkt", so bewertet er heute seine Entscheidung, nachdem man hinterher ja immer klüger ist. Vor allem ein glücklicher Umstand machte ihm den Start an der Havel doch spürbar leichter - die Potsdamer Astro-Szene. Gerade hier fühlte er sich schneller als vielleicht gedacht neu zu Hause: "Ein überraschend schönes Geschenk, mit dem ich nicht gerechnet hatte."

Nein. Nie habe er diesen Schritt von Nürnberg nach Potsdam bereut, wundert sich Carsten Dosche über die Frage, um gleich und mit deutlichem Nachdruck zu ergänzen: "Ich kann mit einer tollen Mannschaft von jungen engagierten Wissenschaftlern und modernsten Geräten an einem Thema arbeiten, das vor allem auch wirtschaftliche Zukunft in dieser Region haben kann und wird." Das Entwickeln innovativer Laserlichtquellen, mit denen beispielsweise präzise und verlässlich verschiedenste Werte an und in unterschiedlichsten Stoffen gemessen werden können, treibt ihn fast täglich um. Und vor allem auch zunehmend zu Brandenburger Unternehmern, die sein Team fordern, weil sie die Forschungsergebnisse für neue Technologien und Produkte verwenden wollen.

"Ich hoffe, dass ich noch viele gute Jahre mit guter Arbeit in Potsdam haben werde", wünscht er sich, rückt seine Brille zurecht und verrät dann doch noch ein heimatliches Geheimnis: "Deftige fränkische Küche ist schon was Gutes", schnalzt mit der Zunge und blickt in die Ferne.



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