
Der Raum leuchtet abwechselnd in blau, grün, rot und orange, auf den riesigen Flatscreens dreht sich das dreidimensionale Bild eines menschlichen Schädels. Nein, wir sind nicht in der Szene eines Science-Fiction-Filmes, sondern im Operationssaal der Zukunft beim ZIK ICCAS in Leipzig. Mehr als 30 Leute sind zur Eröffnung der einzigartigen "Surgical Planning Unit" gekommen. Unter ihnen so hochkarätige Gäste wie die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer und der Rektor der Universität Leipzig, Prof. Dr. Franz Häuser.
Sachsens Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer und PD Dr. Gero Strauß beim Fräsen am Schädelmodell.
Auch viele Medienvertreter verfolgen mit Kameras und Mikrofonen gespannt die Präsentation der ICCAS-Wissenschaftler. PD Dr. Gero Strauß simuliert mit seinen Kollegen die Zusammenkunft eines so genannten Tumorboardes, das über die Behandlung eines Krebspatienten berät. Mediziner aller Fachrichtungen planen hier gemeinsam: Radiologen, HNO-Ärzte und Neurochirurgen. Das läuft in drei Phasen ab: Zunächst wird der Fall beschrieben, dann die Therapiemöglichkeiten beraten und zum Schluss Entscheidungen getroffen. Das Vorgehen ist nicht neu, doch Dank der Hightech-Planungseinheit können die Ärzte insbesondere Operationen gründlicher vorbereiten. "Das ist ein bedeutender Schritt zu mehr Sicherheit und Erfolg des chirurgischen Eingriffes", sagt Prof. Dr. Jürgen Meixensberger, Sprecher von ICCAS und Direktor der Klinik für Neurochirurgie an der Universität Leipzig.
Der Fall, den Gero Strauß und seine Kollegen vorstellen, ist real: Bei einem 50 Jahre alten Mann mit starken Atembeschwerden und Nasenbluten wird zunächst eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung diagnostiziert. Doch als die Beschwerden nicht abklingen, bringt die Computertomographie eine ganz andere Ursache zutage: einen Tumor hinter der der Nase. Es werden viele weitere Daten mithilfe bildgebender Verfahren erstellt, außerdem Untersuchungen zu Größe und Infiltrationsgrad des Tumors sowie die Feindiagnostik vorgenommen.
Nun folgt Schritt zwei der Planung: Die Ärzte werten all diese Daten aus, um einen Therapieplan aufzustellen. Bisher mussten sie die visuellen Informationen im Kopf als dreidimensionales Bild zusammenbringen, insbesondere um Operationen zu planen. Eine große Herausforderung, die nicht leicht zu bewerkstelligen ist und die das Risiko von Ungenauigkeiten birgt.
ICCAS präsentiert die weltweit einzigartige Surgical Planning Unit.
In der Surgical Planning Unit wird dieses Risiko stark reduziert. Mit Hilfe einer Software können sämtliche Daten in 3-D-Bilder umgewandelt und animiert werden. Auf den errechneten Bildern lässt sich genau erkennen, wo der Tumor liegt und welche sensiblen Bereiche, wie beispielsweise Arterien oder Nerven, involviert sind. Mit diesen Informationen können dann chirurgische Assistenzsysteme wie Instrumentennavigation oder Abstandswarnsysteme versorgt werden. "Für den Patienten bringt jeder Schritt ein bedeutendes Plus an Sicherheit und die Gewissheit, dass er auf dem neuesten Stand der Medizin behandelt wird", kommentiert Dr. Gero Strauß.
Gemeinsam mit dem Medizintechnik-Ingenieur Stefan Bohn war der HNO-Chirurg federführend bei der Entwicklung der Surgical Planning Unit. Ohne Ingenieure und Software-Entwickler wäre der Aufbau dieser einzigartigen Planungseinheit gar nicht möglich gewesen. "Bei diesem Projekt haben in vorbildlicher Weise Mediziner verschiedener Fachrichtungen, Informatiker und Techniker zusammengearbeitet und einen gemeinsamen Erfolg erzielt", freut sich die sächsische Staatsministerin Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer. Das Sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat das Projekt mit 700.000 Euro unterstützt.
Illustre Gäste: Prof. Dr. Franz Häuser, Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer, Prof. Dr. Jürgen Meixensberger und Ministerialrat Hans-Peter Hiepe (BMBF).
Beteiligt waren außerdem Wirtschaftspartner wie die Medizintechnikfirmen MedPlan AG und Karl Storz sowie die how-to-organize GmbH für medizinische IT-Lösungen.
Dank der Surgical Planning Unit haben die Ärzte des Tumorboardes einen weiteren entscheidenden Vorteil: Sie können Operationen nicht nur besser planen, sondern sogar vorher simulieren. Das geschieht entweder virtuell am Bildschirm oder direkt am Schädelmodell, das mithilfe eines 3-D-Druckers erstellt wird. Auf diese Weise können die Chirurgen komplizierte, neuartige Eingriffe üben und den besten Zugangsweg zu einem Tumor finden.
Schritt drei ist damit abgeschlossen, die Mediziner des Tumorboardes haben entschieden, wie die Operation des Patienten ablaufen wird. Die Zusammenkunft in der neuen Hightech-Planungseinheit ist beendet, der Techniker schaltet den Computer aus. Es war eine beeindruckende Präsentation von Dr. Gero Strauß und seine Kollegen. Und dabei soll es nicht bleiben. Bisher wird die Surgical Planning Unit zwar nur in Einzelfällen genutzt, doch in Zukunft soll sie so vielen Patienten wie möglich zugute kommen. Ziel der ICCAS-Wissenschaftler ist es, das digitale Patientenmodell aus den Daten der bildgebenden Diagnostik und der Laboruntersuchungen sowie aus den Planungsdaten für die chirurgische Navigation so effizient erstellen, dass diese weltweit einzigartige Technik auch im Klinikalltag eingesetzt werden kann.
Weitere Informationen zum Zentrum für Innovationskompetenz ICCAS finden Sie hier.
(URL: http://www.unternehmen-region.de/de/376.php)