
Der frisch gefallene Schnee gibt der Oberfläche des Harzvorlandes auf dem Weg nach Halberstadt einen hellen Glanz - trotz des trüben Himmels. Die feinen Schneekristalle reflektieren das Licht, schützen den Boden zum Beispiel vor ultraviolettem Licht und lassen so dem Erdboden seine Winterruhe.
So schön kann Kunststoff funktionieren, mit Glanz und Struktur durch Nanotechnologie.
Im übertragenen Sinn forscht die Halberstädter Panadur GmbH an genau diesem Effekt - allerdings bei Oberflächen aus Kunststoff. Dabei stehen Fragen nach definierten Funktionen im Mittelpunkt der Entwicklungsarbeit.
Durch den Einsatz modernster Nanopartikel hat die Panadur GmbH eine Technologieplattform entwickelt, mit der schon heute die Oberfläche von Kunststoffen hauchdünn beschichtet werden kann. Diese Schicht hat aber keineswegs eine etwa nur verschönernde Aufgabe. Vielmehr kann sie unterschiedliche Funktionen erfüllen. Wenn es gewünscht ist, verhindert sie das Entflammen der Oberfläche. Oder sie hält die ultravioletten Strahlen von der empfindlichen Kunststoffoberfläche fern. Oder sie schützt sie vor unliebsamen Kratzern. Oder sie verhindert die Ausbreitung von Bakterien.
Dr. Thomas Moch ist Geschäftsführer der Panadur GmbH, die das Innovationsforum initiierte: "Kleinste Nanoteilchen verarbeiten wir zusammen mit Polyurea (Polyharnstoff). Sie sind etwa 1.000 Mal kleiner als eine unserer Körperzellen. Durch unser mechanisches Zerlegungsverfahren entsteht eine hundertprozentige Polymermatrix, die frei von Lösemitteln ist."
Dieses Aufsprühen von Funktionsstoffen auf die Oberflächen vielfältiger Kunststoffkörper ist eine revolutionäre Technologie, steht nach Expertenmeinung aber noch ganz in den Anfängen. Also die beste Zeit, um das Know-how der Halberstädter Beschichter für den Aufbau einer regionalen Wertschöpfungskette konsequent zu nutzen.
Veranstalter und Förderer des Forums, v.l.n.r.: Peter Lühe (Panadur GmbH), Sieghard Flohr (Ministerium für Wirtschaft und Arbeit Sachsen-Anhalt), Thomas Moch (Panadur GmbH), Wolf-Michael Catenhusen (Nanokommission der Bundesregierung), Manfred Hempe (DLR).
Begleitet wird diese Initiative von Manfred Hempe vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Projektträger im Auftrag des BMBF: "Wir sind vom wirtschaftlichen Potenzial der Nanotechnologie überzeugt. Die jetzt einsetzende Selbstorganisation der Partner in Wirtschaft und Wissenschaft hier in der Harz-Region von Sachsen-Anhalt unterstützen wir gezielt mit diesem Innovationsforum."
Dr. Sieghard Flohr, Ministerium für Wirtschaft und Arbeit Sachsen-Anhalts, machte die rund 80 Teilnehmer des Innovationsforums auf folgenden Punkt besonders aufmerksam: "Nur wenn wir mit marktgerechten Innovationen aus der Krise herauskommen, können wir unseren Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort stärken. Gerade darum begleiten wir auch dieses Forum und investieren jetzt 100 Millionen Euro für neue Forschungszentren in den Branchen Automobilität, Chemie und Photovoltaik."
Obwohl die patentierte Technologie schon heute mit einer hohen Material- und Energieeffizienz sowie einem ausgefeilten Arbeits- und Umweltschutz betrieben wird, müssen neue Fragen wissenschaftlich und wirtschaftlich beantwortet werden.
Wolf-Michael Catenhusen leitet die Nanokommission der Bundesregierung und war extra für das Forum nach Halberstadt angereist. Sein Plädoyer war eindeutig: "Die Nanotechnologie ist eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Damit Deutschland vorn dabei sein kann, braucht gerade dieser Innovationsprozess Transparenz und eine gesellschaftliche Kommunikation. Für kleine und mittelständische Unternehmen bedeutet diese neue Technologieplattform eine Chance, um mit neuen Verfahren und Produkten Wachstum und mehr Beschäftigung zu erreichen."
Erste Achtungszeichen konnte die neue Initiative aus Halberstadt schon setzen. So erprobt zum Beispiel das Unternehmen Krauss-Maffei die bei Panadur neu entwickelten Verfahren. Anwesend waren auch leitende Mitarbeiter u.a. von Bayer und BASF.
Mehr Informationen finden Sie hier und unter www.innovationsforum-funktionaleoberflaechen.de
(URL: http://www.unternehmen-region.de/de/3838.php)