
Seit Oktober 2009 vereint die fünf Fakultäten der Greifswalder Universität ihr bisher größtes Projekt: GANI_MED (Greifswald Approach to Individualized Medicine), gefördert vom BMBF im Rahmen des Programms "Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern", soll die Greifswalder Zukunftsvision einer Individualisierten Medizin zur Weltspitze führen. Unterstützen dabei soll das neue Massenspektrometer des Instituts für Genetik und Funktionelle Genomforschung, dass im Juni präsentiert wurde. Es ermöglicht, noch mehr Daten über die Proteinausstattung von Patienten und Kontrollprobanden zu erfassen.
Minister Henry Tesch (links) und Professor Uwe Völker (rechts) begutachten das neue Massenspektrometer.
Ziel der Initiative GANI_MED ist es, durch modernste Diagnostik und den Einsatz neuer, auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten ausgerichteter Therapieverfahren die Effektivität der Behandlung zu steigern, unerwünschte Effekte zu vermeiden und die Kosten erheblich zu reduzieren. Um dieses Konzept der "Individualisierten Medizin" erfolgreich umsetzen zu können, müssen zunächst große Mengen an Bio-Daten gesammelt werden. Hierfür werden in den kommenden Jahren 6.200 Patienten und Kontrollprobanden untersucht, bei denen fünf Krankheitsbilder im Fokus stehen: Herzinsuffizienz, Schlaganfall, Niereninsuffizienz, Zusatzerkrankungen beim Metabolischen Syndrom (Sexualhormonstörungen, Depression und Herz-Kreislauferkrankungen und die Fettleber.
Ihre Blut-, Urin-, Speichel- und Gewebeproben werden mithilfe eines neuen Massenspektrometers im Hinblick auf die Proteinausstattung analysiert, denn "die Proteine machen den Menschen aus", erklärt Professor Uwe Völker, seit fünf Jahren Leiter des interfakultären Instituts für Genetik und Funktionelle Genomforschung. Das Massenspektrometer ist das derzeit leistungsstärkste Gerät seiner Art. Mit ihm können rund um die Uhr Proteomanalysen durchgeführt werden, die mit diesem Gerät doppelt so genau sind, wie mit bisher verwendeten Spektrometern. So wird die Voraussetzung geschaffen, Proteine und Biomarker großflächig zu finden und zu erfassen, um in Krankheitsbildern Strukturen und wiederkehrende Merkmale zu erkennen. Auf lange Sicht soll, basierend auf diesen Erkenntnissen, die Diagnostik von Krankheiten verbessert werden.
Angeschafft werden konnte das Massenspektrometer mit finanzieller Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Henry Tesch, Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, ließ sich zur Übergabe des Zuwendungsbescheids des Landes in Höhe von 1,4 Millionen Euro einen Besuch bei GANI_MED nicht nehmen. Und er hielt sich mit seiner Begeisterung über das Greifswalder Forschungsvorhaben nicht zurück: "Hier an der Universität klappt das, was anderswo leider selten realisiert wird - die Kooperation. Ihnen ist es gelungen, Wände einzureißen!" Tesch würdigte außerdem das visionäre Vorhaben der Initiatoren, denn "heute ist noch nicht abzuschätzen, welche weitreichenden strukturellen Veränderungen in der Medizin GANI_MED mit sich bringen wird", sagte der Minister. Die finanzielle Unterstützung des Landes würdigte Professor Heyo Kroemer, Projektleiter von GANI_MED, bei der Übergabe der Fördermittel als wesentlichen Baustein des Forschungsvorhabens.
Die in Greifswald praktizierte interfakultäre Zusammenarbeit begann vor acht Jahren. Damals, so erinnert sich der Direktor der Mikrobiologie und Initiator des Zentrums für Innovationskompetenz (ZIK) FunGene, Professor Michael Hecker, "hatte ich die Idee, mit der Medizin zusammenzuarbeiten. Dann kam Professor Völker an die Greifswalder Universität und der Aufbau der interfakultären Strukturen begann." Mit dem seit 2004 bestehenden Zentrum FunGene ist eines der modernsten Zentren der Proteomanalyse Europas in Greifswald angesiedelt. Mit GANI_MED wurde nun eine neue Dimension erreicht und der Forschungsstandort Greifswald könnte für die Individualisierte Medizin an internationaler Ausstrahlungskraft gewinnen.
Weitere Informationen zur Spitzenforschung-und-Innovation-Initiative GANI_MED finden Sie hier.
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