Im Blickpunkt

Du kannst den Farbfilm vergessen! Starke Technologie aus Bitterfeld-Wolfen fit für neue Anwendungen

Das Beschichten gekrümmter dreidimensionaler Oberflächen erlebt in diesem Jahr einen technologischen Schub. Die dafür im Wachstumskern „Reactive Wetcoating“ entwickelten neuen Geräte und Verfahren stellen sicher, dass die auf Kunststoff, Metall oder Glas aufgetragenen feuchten Schichten ultradünn und extrem gleichmäßig sind.

Mit dieser Technologie „Made in Bitterfeld-Wolfen“ können künftig zum Beispiel unsichtbare Sicherheitsmerkmale auf Produktoberflächen aufgetragen werden, kann Saatgut unter anderem mit lebenden Pilzkulturen beschichtet werden oder können Kunststofffolien für die Medizintechnik oder die Elektronik mit antistatischen Eigenschaften funktionell beschichtet werden.

Darüber informierte Dr. Roland Watzke, Sprecher des Innovativen regionalen Wachstumskerns ReaWeC aus Bitterfeld-Wolfen, im Rahmen der Abschlusspräsentation seiner Initiative am Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik in Halle (Saale). In den kleinen und mittelständischen Unternehmen des Wachstumskerns sind zurzeit mehr als 100 Mitarbeiter tätig. Die Firmeninhaber investierten in den vergangenen Jahren fast zwei Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. Bis zum Jahr 2011 sollen noch einmal 3,75 Millionen Euro hinzukommen. Der Umsatz der beteiligten Unternehmen kann bei positiver Entwicklung der neuen Verfahren und Produkte auf bis zu 16 Millionen Euro ansteigen. Im Ergebnis der Forschungsaktivitäten wurden bisher zwei neue Patente angemeldet, fünf weitere Anmeldungen und ein Gebrauchsmuster sind in Vorbereitung.

Darauf nahm Hans-Peter Hiepe, Referatsleiter im BMBF, Bezug und bewertete die vorgestellten Entwicklungsergebnisse: „Die an der ReaWeC-Initiative beteiligten Unternehmer und Wissenschaftler haben beispielhafte Arbeit geleistet. Basierend auf der Technologie klassischer Filmherstellung, die in Wolfen durch die Produktion des ersten Farbfilms der Welt zu Hause war, wurde diese regional starke Technologieplattform mit feinem Gespür für die neuen Anwendungen von heute und morgen, mit Phantasie sowie Geschäftssinn weiterentwickelt.“

Dass dabei die vor Ort vorhandene Kompetenz unter anderem im Maschinen- und Anlagenbau, in der Feinchemie oder auch in der Messtechnik genutzt und erheblich erweitert werden konnte, unterstrich Hans-Peter Hiepe mit Nachdruck

Hans-Peter Hiepe bewertete die BMBF-Fördermittel für ReaWeC als sinnvolle Investition in eine neue regionale Technologieplattform.

Nun müsse man dieses Know-how in marktgerechte Produkte gießen. Aktuelle Kontakte mit Interessierten in Europa und Asien entwickeln sich positiv. Dieser eingeschlagene Weg könne vom Wachstumskern zu einem neuen Cluster modernster Beschichtungstechnologien im Raum Bitterfeld-Wolfen/Halle (Saale) führen.

Nächste konkrete Vorhaben sind eine neue Beschichtungsanlage, in der Folie mit bis zu 1,55 m Breite mithilfe der neuen ReaWeC-Technologie beschichtet werden kann. Außerdem in Vorbereitung: die neue Beschichtungsanlage für Saatgut. Voraussichtlich im kommenden Jahr 2011 können beide Anlagen den Betrieb aufnehmen.

Das technische Herz der ReaWeC-Beschichtungstechnologie bildet ein Kapillargießer. In ihn wird die jeweilig benötigte Flüssigkeit gepumpt und durch die Poren einer hauchdünnen Membran aus metallischen Oxiden gleichmäßig auf die zu beschichtende Oberfläche aufgetragen. So kann beispielsweise Folie durch die neue entwickelte ReaWeC-Geräteausstattung ohne zusätzliche Arbeitsschritte direkt im Herstellungsprozess beschichtet und getrocknet werden.

Jüngstes Kind der ReaWeC-Familie ist die Smart Membranes GmbH – eine Ausgründung der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg mit dem Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik. Künftig soll sie die Membranen in den Kapillargießern für innovative Anwendungen weiterentwickeln und an den Markt bringen. Eingesetzt werden können diese hauchdünnen Metalloxid-Plättchen in Hochtechnologiebranchen, zum Beispiel in Brennstoffzellen, in der Photovoltaik, bei der Entwicklung von Biosensoren sowie auch beim gesamten Thema Nanosicherheit – also überall dort, wo Oberflächen mit funktionalen, extrem dünnen und gleichmäßigen Schichten ausgestattet werden müssen.

 

Nähere Informationen zum Innovativen regionalen Wachstumskern ReaWeC finden Sie hier.


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