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Über 120 Teilnehmer waren gekommen, um an der Fachtagung "Technisches Sticken - zwischen Forschung und Markt" in Plauen teilzunehmen. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom Innovativen regionalen Wachstumskern "highSTICK". Am Ende der dreijährigen Förderphase konnte die Initiative auf ihrer Tagung zeigen, dass die Zukunft der Stickerei nicht nur im Bereich Textil liegt.
Voll besetzter Saal bei der Fachtagung "Technische Sticken" in Plauen.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Dietrich Wetzel, dem Sprecher des Wachstumskerns highSTICK, mit einer Frage frei nach Johann Wolfgang Goethe: "Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt doch so nah?". Genau aus diesem Grund begann vor drei Jahren die Zusammenarbeit von sieben Stickereiunternehmen sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen und Unternehmen aus dem Maschinenbau. Mit dem Wachstumskern sei es gelungen, ein Technologie-Know-how in der Region aufzubauen, so Hans-Peter Hiepe vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in seinem Grußwort. Auch Michal Barth, Geschäftsführer der IHK Plauen, in deren Räumlichkeiten die Fachtagung stattfand, wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass in der Region alles vorhanden sei, was für den erfolgreichen Fortbestand der Stickerei- und Textilindustrie benötigt werde, insbesondere "eine entsprechende Infrastruktur, kluge Köpfe und gute Ausbildungsmöglichkeiten". Im sächsischen Vogtland seien 200 Unternehmen der Textilindustrie, 40 Stickerei- und 100 Maschinenbauunternehmen beheimatet. Er wünsche sich deshalb hier "ein kreatives und zukünftiges Zentrum für Maschinenstickerei."
Der erste Vortrag des Tages zum Thema Unternehmenskultur eines führenden Textilherstellers wurde von Helmut Schönecker, Sales leader bei W. L. Gore & Associates GmbH gehalten. Die Firma Gore hat u.a. GORE-TEX® Funktionstextilien entwickelt. Schönecker betonte, dass für Gore das wichtigste Ziel Innovation sei. "Wir wollen neue, kreative Technologien vermarkten und auf den Markt bringen", so Schönecker. Mehr als 1.000 Ingenieure und Wissenschaftler arbeiten täglich bei Gore für dieses Ziel. "Wir setzen unsere Produkte nur um, wenn wir einzigartig sind", so Schönecker weiter. Diese Betonung ihres Alleinstellungsmerkmals sollten sich auch die im sächsischen Vogtland ansässigen Firmen zunutze machen.
Dass Wissenschaftler einen erheblichen Beitrag zu den Entwicklungen in der Textilindustrie leisten, zeigte Dr. Jan Beringer vom Hohenstein Institut für Textilinnovation e.V. Er gab einen Überblick zum Stand der Nanotechnologieforschung bei Textilien. Unter Nanotechnologie versteht man "Herstellungs- und/oder Verarbeitungsverfahren, die zu einer systematischen Anordnung funktioneller Strukturen führen, die aus Teilchen mit größenabhängigen Eigenschaften bestehen", so die Definition von Beringer. Mittels der Nanotechnologie können Textilien bessere und neue Eigenschaften aufweisen wie z.B. Atmungsaktivität und Schutz vor UV-Strahlung. Oft ist die Natur Vorbild für die Forscher, wie beim sogenannten Lotuseffekt. Auf einer Blüte perlt Wasser in Tropfen ab und nimmt dabei auch alle Schmutzpartikel mit. Bei Beschädigungen der Blüte kann die Pflanze die betroffenen Stellen nachwachsen lassen. Eine Selbstreparatur ist bei Textilien noch nicht möglich - aber genau daran arbeitet Beringer.
Sticktechnisch applizierte Heizschläuche.
In der anschließenden Kaffeepause nutzten die Tagungsteilnehmer die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zum Besuch der Ausstellung, die einen Überblick zu den Forschungsprojekten von highStick gab. Vor dem zweiten Vortragsblock begrüßte Ralf Oberdorfer, Oberbürgermeister der Stadt Plauen, im Namen der Stadt die Teilnehmer der Fachtagung.
Welche innovativen Produkte die Verbundunternehmen bereits entwickelt haben, berichtete Dr. Uwe Möhring, Direktor des Textilforschungsinstituts Thüringen-Vogtland e.V. (TITV). Neue Absatzmärkte für gestickte Lösungen im Bereich der Medizintechnik, im Bauwesen und der Fahrzeugtechnik sind bereits erschlossen worden. "Hier muss ein ganzer Strauß von Produkten entwickelt werden", so Möhring. Für die Medizintechnik wurde z.B. eine Manschette zur Kühlung von eingegipsten Brüchen entwickelt. Die konstante Kühlung erfolgt direkt auf der Haut, denn die Kühlschläuche können durch die Stickereitechnologie direkt in den Gips eingearbeitet werden. In der Fahrzeugtechnik arbeitet der Wachstumskern an gestickten Sensoren zum Beispiel für den Einsatz im Gaspedal.
Die Stickerei- und Textilindustrie im sächsischen Vogtland ist jedoch auch auf eine gute Ausbildung des Nachwuchses angewiesen. Zum Thema multimediale Weiterbildungsunterlagen referierte Frank Lammer, Ausbildungsleiter der Fördergesellschafft für berufliche Bildung Plauen/Vogtland e.V. . Multimediale Lehrunterlagen, z.B. Filme seien anschaulich, da die Information auf verschiedenen Wegen aufgenommen werden könne, so Lammer.
Nach dem Mittagsimbiss folgten drei weitere Vorträge, die Forschungsprojekte zum Thema Tailored Fibre Placement, 3-D-Stickerei und zu technischen Anwendungen in Kunststoffen vorstellten.
Die Fachtagung des Wachstumskerns highSTICK zeigte, dass die für ihre Spitze bekannte Region nicht stehen bleibt. Man darf gespannt sein, für welche innovativen Produkte das sächsische Vogtland in Zukunft bekannt sein wird.
Nähere Informationen zum Innovativen regionalen Wachstumskern highSTICK finden Sie hier.
(URL: http://www.unternehmen-region.de/de/2184.php)