Im Blickpunkt

Mit vereinter Kraft gegen den Krebs – Nationales Zentrum für Strahlungsforschung in der Onkologie in Dresden gegründet

Das Dresdner ZIK OncoRay und das Heidelberger Institut für Radioonkologie (HIRO) sind ab sofort Partner in dem neuen Strahlenforschungszentrum „National Center for Radiation Research in Oncology“ (NRC). Zur Gründungsfeier in Dresden enthüllte die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Professor Annette Schavan, gemeinsam mit Professor Michael Baumann, Sprecher von OncoRay, und Professor Otmar Wiestler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, eine Stele mit dem Namen des Zentrums. 200 Gäste verfolgten den feierlichen Schulterschluss, darunter auch die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz.

Ministerin Annette Schavan enthüllte mit Professor Michael Baumann und Professor Otmar Wiestler eine Stele mit dem Namen des Zentrums.

„Die Gründung dieses Zentrums ist ein gelungenes Beispiel für die Deutsche Einheit“, unterstrich Annette Schavan. Mithilfe der Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung seien Leuchttürme in Ostdeutschland entstanden, besonders in Sachsen. Hier hat die Landesregierung die Etablierung eines solchen Zentrums von Anfang an unterstützt. So wird der Neubau einer Forschungs- und Therapieplattform für das Nationale Strahlenforschungszentrum durch die sächsische Landesexzellenzinitiative ermöglicht. Der Freistaat hat für den Bau des Gebäudes und damit verbundenen Forschungsprojekten mehr als 26 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

„Durch die Zusammenarbeit mit den Heidelberger Kollegen wird diese Infrastruktur und die gebündelte Kompetenz in der Strahlenforschung auch in Zukunft weltweit zur absoluten Spitzengruppe gehören“, betonte die sächsische Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer.

Wie Forschung und Therapie in dem neuen Gebäude unter einem Dach vereint werden, konnten die Gäste während eines Rundgangs erfahren. Die Ministerinnen und Dresdens Oberbürgermeisterin informierten sich hier auch über die aktuelle Arbeit der Wissenschaftler in Dresden und Heidelberg. So präsentierte die OncoRay-Forschungsgruppe um den Medizinphysiker Professor Manfred Enghardt die Funktionsweise eines Atemphantoms zur Simulation der Patientenatmung. Mit dessen Hilfe kann die Bestrahlung in einer bestimmten Atemphase mit der Tumorposition synchronisiert werden und damit präziser erfolgen.

Professor Nils Cordes von OncoRay erläuterte, wie die Strahlenbehandlung bei Krebspatienten durch molekulare Medikamente verbessert werden kann. Seine Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Erforschung solcher Medikamente, die dabei helfen sollen, dass Tumorzellen strahlenempfindlicher werden.

Das Heidelberger Institut für Radioonkologie (HIRO) stellte eine technische Entwicklung vor, die gesundes Gewebe bei einer Strahlenbehandlung schützen kann. Die Wissenschaftler haben eine rechnergesteuerte, mit Wolfram beschichtete Lamellenblende entwickelt, die vor dem Bestrahlungsgerät installiert ist. Die Lamellen bilden die Konturen des Tumors nach und sorgen dafür, dass nur das Tumorgewebe im Schussfeld der Strahlen liegt.

Die Heidelberger Wissenschaftler sind Vorreiter in der Strahlentherapieforschung. So ist die 2009 in Betrieb genommene Ionenstrahltherapie-Anlage europaweit einzigartig. An der Entwicklung dieser Therapie haben die Heidelberger bereits mit dem Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) zusammengearbeitet.

Ein Nachteil derzeitiger Protonen- und Ionenstrahleinrichtungen ist, dass die Geräte zur Erzeugung dieser Strahlen ausgesprochen groß und teuer sind. Wissenschaftler des FZD präsentierten auf der Gründungsveranstaltung technisches Know-how, das zur Lösung dieses Problems beitragen kann. Geplant ist die Entwicklung eines kompakten Therapiegerätes für die Protonentherapie, dessen Strahlen mit kurz gepulsten Lasern erzeugt werden. Die ersten Zellbestrahlungen mit laserbeschleunigten Protonen waren bereits erfolgreich. In frühestens zehn Jahren könnte das neue Bestrahlungsgerät in klinischen Studien getestet werden.

Prof. Dr. Nils Cordes und Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer beim Rundgang durch das NRC. Im Hintergrund Professor Baumann und Dresdens OB Helma Orosz.

In dem bis 2013 fertig gestellten Neubau des Nationalen Zentrums für Strahlenforschung in der Onkologie soll der Prototyp eines laserbeschleunigten Protonenstrahlgerätes neben einem konventionellen Protonenbeschleuniger aufgebaut werden. Um die Wirkungsweise und Intensität des neuen Verfahrens gegenüber derzeitigen Geräten testen zu können, werden sowohl die konventionell als auch die Laser beschleunigten Protonen in dasselbe Forschungslabor geleitet.

Außerdem wird der konventionelle Protonenbeschleuniger bereits nach der Fertigstellung des Gebäudes eingesetzt, um Patienten mit der Protonentherapie zu behandeln. Auf diese Weise soll der medizinische Vorteil dieser Therapie für bestimmte Krebstumoren wissenschaftlich untermauert werden. „Damit entsteht eine Hochtechnologieplattform zur patientenorientierten Forschung, die weltweit einmalig ist“, sind Professor Michael Baumann, Leiter von OncoRay, und Professor Roland Sauerbrey, wissenschaftlicher Direktor des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf, überzeugt.

Das Nationale Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie bündelt wissenschaftliche Kompetenz auf einzigartige Weise. Denn im Zentrum für Innovationskompetenz OncoRay sind bereits das Universitätsklinikum und die Technische Universität Dresden sowie das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf vereint. Unter dem Dach von HIRO haben sich das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg und die Universität Heidelberg zusammengeschlossen. Mit Partnern aus der Industrie werden die Dresdner und Heidelberger Wissenschaftler nun gemeinsam daran arbeiten, Krebserkrankungen in Zukunft noch besser behandeln zu können.

 

Weitere Informationen zum Dresdner ZIK OncoRay finden Sie hier.


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