Im Blickpunkt

Die Zelle ist ein Biest! Neuer Hightech-Automat hilft Potsdamer Nachwuchsforschern bei der Herstellung wertvoller Antikörper

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) investiert mehr als eine Million Euro in eine automatisierte Arbeitsstation zur Gewinnung monoklonaler Antikörper. Dieses Hightech-Gerät, das es nur zweimal in der Bundesrepublik gibt, wurde am 03. November am Potsdamer Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik offiziell in Betrieb genommen. Genutzt wird es von der Nachwuchsforschungsgruppe "Antikörper-Technologien" der Universität Potsdam.

Ein glatter scharfer Schnitt - dann ist es geschafft. Hans-Peter Hiepe vom BMBF gab mit dieser Aktion am orangefarbenen Band einer Maschine den Weg zur Arbeit frei, die es in sich haben wird. Und Katja Heilmann lächelt zunächst etwas still über diese immer wieder geübte Zeremonie, dann aber strahlt sie - es ist für sie und ihr überwiegend weibliches Nachwuchsforschungs-Team ein glücklicher Tag.

Denn sie haben sich viel vorgenommen und der neue Automat, den sie zusammen mit dem Unternehmen Beckman Coulter für ihre Bedürfnisse zugeschnitten haben, soll ihre Forschungsarbeit deutlich stärken: "Die Maschine wird uns Routinearbeiten abnehmen, die wir bisher per Hand mit enormem Zeitaufwand absolviert haben.", begründet Gruppenleiterin Katja Heilmann ihre Zuversicht. Daraus werde sich mehr Zeit für das Verstehen und Nutzen der komplizierten Vorgänge beim Finden und Reproduzieren der begehrten Antikörper ergeben, zeigt sich die junge Forscherin optimistisch.

"Antikörper" klingt von ihren Lippen fast ein bisschen magisch. Wie ein Zauberwort, das sofort die Phantasie inspiriert und vor den Augen kleine Kämpfer in Stellung bringt, die in voller Rüstung und gespannt bis zum Zerreißen auf die fiesen nicht weniger kleinen Erreger warten, die Grippe und andere Epidemien in unseren Körper schleppen wollen.

Im übertragenen realistisch nüchternen Sinne könnte man bei Antikörpern auch von Proteinen in den weißen Blutzellen sprechen. Man findet sie also im Blut sowie in extrazellulärer Flüssigkeit. Von Natur aus sind sie das chemisch-biologische Gegenmittel zu Krankheit erregenden Teilchen, die versuchen unsere körpereigene "Chemiefabrik" aus dem Gleichgewicht zu stürzen. Unter anderem richtig eingesetzte, also passende, Antikörper machen unseren Körper immun gegen die Angreifer. Gerade aber bei immer wieder auftretenden Epidemien, z.B. die beliebte Grippe, sind die passenden Antikörper oft Mangelware, weil sich der Virus ständig verändert und somit die alten Antikörper oft nicht mehr passen.

Nur zweimal in Deutschland: Die automatisierte Arbeitsstation unterstützt das Gewinnen  monoklonaler Antikörper.

Diesen Mangel zu beheben - das haben sich Katja Heilmann und ihre Mannschaft vorgenommen. Dazu brauchen sie Plasmazellen aus der Milz oder Lymphknoten. Sie werden dann mit einer Tumorzelle verschmolzen, woraus Zellhybride entstehen, die definierte monoklonale Antikörper produzieren können. Mit einer mehrfachen Vereinzelung (Klonierung) dieser Zellen entsteht eine Zelllinie, die auf eine einzige Plasmazelle zurückzuführen ist. Theoretisch können mit diesem Verfahren unendlich viele identische Antikörper gegen bestimmte Erreger hergestellt werden.

Theoretisch. Praktisch besteht genau darin der Kern der Forschungsprojekte der Nachwuchswissenschaftler vom Institut für Biochemie und Biologie der Universität Potsdam. Bisher sind die praktizierten Verfahren zur Zellsuche und Reproduktion von Antikörpern äußerst aufwendig und langwierig - also langsam und sehr teuer. Darum gilt es diese Selektionsstrategien zu vereinfachen, zum Beispiel durch Automation. Die neue Arbeitsstation in Potsdam ist also ein gewichtiger Teil des Forschungsprojektes. Am Ende der Forschungsarbeiten könnte eine neue Technologie entstehen, die wissenschaftlicher Standard sein wird. Und deren Umsetzung zusammen mit Unternehmen aus der Metropolregion Berlin-Brandenburg realisiert wird.

Hans-Peter Hiepe nickt mit dem Kopf: "We are better together! - Dieses Motto aus der Beckman Coulter-Präsentation passt genau auf die Idee unserer Innovationsinitiative Unternehmen Region. Junge Wissenschaftler verschiedener Institutionen machen sich zusammen mit engagierten Unternehmern einer Region auf den Weg zu neuen Technologien und Produkten. Sie alle treibt die Leidenschaft an, Gutes besser zu machen." 

 

Weitere Informationen zum InnoProfil Antikörper-Technologien finden Sie hier.


nach oben