Im Blickpunkt

Finale bei ILMS in Jena - doch von Abschiedsstimmung keine Spur

Der Seminarraum des Geographiegebäudes der Friedrich-Schiller-Universität in Jena ist gut gefüllt. Fast 30 Wissenschaftler und Unternehmer sind der Einladung der Projektgruppe Integriertes Landschaftsmanagement System (ILMS) gefolgt. Es ist das letzte Statusseminar der InnoProfile-Initiative. Doch Projektleiter Dr. Sven Kralisch und seine Mitarbeiter schauen äußerst zuversichtlich in die Zukunft. Dank neuer Förderungen und der Zusammenarbeit mit regionalen Wirtschaftspartnern wird die Gruppe weiter bestehen.

Zu Beginn der Veranstaltung gab Dr. Sven Kralisch einen Überblick über die geleistete Forschungsarbeit von ILMS. Hauptergebnis ist ein integriertes Softwaresystem für die Erhebung und Verwaltung von Geodaten, die Landschaftsbewertung und prognostische Modellierung von Management-Szenarien. Das System soll dabei helfen, Entscheidungen zur nachhaltigen Landschaftsbewirtschaftung zu treffen. Dazu haben die Informatiker und Geografen eine eigene Speicherlösung für Geodaten aufgebaut. Mithilfe des Datenverwaltungssystems RBIS können Anwender darauf jederzeit zurückgreifen. Um aus den puren Daten räumliche Modelleinheiten zu errechnen, wurde die Software GRASS-HRU entwickelt. Auf diese Weise können räumliche Modelle erstellt werden, die Auskunft geben über die künftige Entwicklung des Grundwassers, der landwirtschaftlichen Nutzung sowie des Stofftransportes und der Erosion. Ihre Daten bekommen die Wissenschaftler durch ein Messnetz im Einzugsgebiet "Obere Gera". Dieses in Deutschland einzigartige hydro-meteorologische Messnetz hat die Projektgruppe in den letzten Jahren aufgebaut.

Dr. Sven Kralisch (links) und ILMS-Teammitglied Franziska Zander während der Vorträge des Statusseminars

Wie die verschiedenen Technologien funktionieren und wie sie miteinander verknüpft sind, erläuterten die Mitarbeiter der ILMS-Gruppe im Anschluss. So demonstrierte Franziska Zander, wie mit RBIS Daten abgerufen und anschließend direkt in die Modellierung eingespeist werden können. Wie aber kommen die Daten überhaupt in das Verwaltungssystem? In bestimmten Zeitabständen werden sie per Funk an den Uni-Server übertragen, aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Eine weitere Technologie mit dem Namen IMALYS kann die Fernerkundungsdaten verarbeiten, die von Satelliten oder Flugzeugen aus großer Höhe aufgezeichnet werden. Die Analyse bietet einen Überblick über die Entwicklung der Nutzung des Landes für Landwirtschaft, Besiedlungen oder Industrie.

Mit der Software GRASS-HU werden aus Satellitenbildern und anderen Geodaten bestimmte Geoinformationen selektiert und räumliche Modelleinheiten erstellt. So sind beispielsweise Erhebungen, Hangneigungen und Wasservorkommen sichtbar. Die Nachwuchsforschungsgruppe ILMS hat diesen Modellierungsprozess einfacher und benutzerfreundlicher gestaltet, wie Teammitglied Christian Schwartze berichtete. Ein letztes wichtiges Softwaresystem, das die Wissenschaftler erstellt haben, ist JAMS, das Jena Adaptable Modelling System. Damit können bestimmte Umweltmodelle berechnet und analysiert werden. So werden zum Beispiel der Nährstoffkreislauf und die Bewirtschaftung simuliert und ein Stofftransportmodell erstellt. Auf diese Weise lässt sich der Stickstoffhaushalt im Boden abbilden, aber auch Biomasse und Erosion.

Insbesondere im Hinblick auf den Umweltschutz und eine nachhaltige Landschaftsnutzung sind die technologischen Entwicklungen der Jenaer Forschungsgruppe äußerst relevant. Entsprechend groß ist auch das Interesse der Wirtschaftspartner von ILMS. Momentan bereitet die Gruppe ein gemeinsames Anwendungsprojekt vor.

Außerdem konnten die Wissenschaftler während des Förderzeitraums Drittmittelprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 7,5 Millionen Euro einwerben. "Man kann sagen, dass sich durch ILMS die Wettbewerbsfähigkeit unseres Lehrstuhls deutlich verbessert hat", resümierte Dr. Sven Kralisch. Das letzte Statusseminar der InnoProfile-Initiative war ein Abschluss und zugleich ein Neubeginn.

Die Jenaer wollen die Kooperation mit den kleinen und mittelständischen Unternehmen weiter vorantreiben und die ILMS-Software besser an die Markterfordernisse anpassen. Dazu werden sie eine weitere Förderung im Rahmen von InnoProfile-Transfer beantragen. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits.

 

Nähere Informationen zum InnoProfil ILMS gibt es hier.


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