Im Blickpunkt

Von wegen nur trockene Theorie: die Seminarreihe Praktische Semantik des Topic Maps Lab Leipzig

Für alle, die sich für die Topic-Maps-Technologie interessieren, hat das ForMaT-Projekt Topic Maps Lab (TMLab) Leipzig gemeinsam mit belgischen und holländischen Partnern die Seminarreihe „Practical Semantics“ organisiert. Die erste Veranstaltung fand im Oktober 2010 in Brüssel statt, die zweite im Januar in Leipzig und im Februar wird das letzte Seminar in Utrecht abgehalten. Kooperationspartner in Belgien ist die unabhängige Weltraumtechnologiefirma „Space Applications Services“ und in Holland die Softwarefirma „Morpheus“. Außerdem hat das Leipziger Topic Maps Lab das Helmholtz Zentrum München für eine Zusammenarbeit gewinnen können.

Knapp 30 Wissenschaftler und Software-Entwickler aus Belgien, Holland und Deutschland haben sich im großen Saal des Leipziger Mediencampus Villa Ida zum Seminar eingefunden. Die wichtigste Frage beantwortete Dr. Lutz Maicher, Leiter von TMLab, gleich zu Beginn: Was ist eigentlich praktische Semantik? Dabei geht es vor allem um die Nutzung und Assoziation von Wörtern und Konzepten, die Organisation von Wissen und das Finden von Informationen. Topic Maps sind dafür bestens geeignet, denn dort können verschiedene Themen und Begriffe auf der Ebene ihrer Bedeutung miteinander verknüpft werden. Maicher hält die semantische Technologie für sehr flexibel und deshalb in der Lage, weltweit vernetzte Informationen zusammenzufassen und zu organisieren.
 
Wie das funktioniert, demonstrierten die fünf Redner des Seminars an praktischen Beispielen. So erläuterte Rani Pinchuk von „Space Applications Services“, wie Topic Maps sogar Menschenleben retten können. Er referierte über die Sammlung von Informationen über Gletscherseen im Himalaya, die aufgrund der Schmelze für Menschen gefährlich werden können. Normalerweise sind diese Seen durch einen natürlichen Damm aus Eis geschützt. Schmilzt das Eis, werden enorme Wassermassen freigesetzt, die mit zerstörerischer Kraft ins Tal fließen. Derartige Fälle, bei denen auch Menschen zu Schaden kamen, hat es bereits zahlreiche gegeben. Um dies künftig zu verhindern und einen solchen Ausbruch besser vorhersagen zu können, sind viele Informationen notwendig, die ständig aktualisiert werden müssen. Die Belgier haben auf der Grundlage verschiedener Daten und Satellitenbilder Topic Maps von mehreren Gletscherseen in Nepal erstellt. Über eine entsprechende Anwendungsverknüpfung können diese Informationen nun jederzeit im Web abgerufen werden.

Wie Topic Maps dabei helfen, dass politische Entscheidungen für die Öffentlichkeit transparenter werden, zeigte Gabriel Hopmans von „Morpheus“. Das Unternehmen entwickelte ein Informationssystem für die Abgeordneten des niederländischen Repräsentantenhauses, das auf Topic Maps basiert. Insbesondere Daten und Informationen für Gesetzesvorlagen werden auf diese Weise organisiert und zum Teil auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Großes Interesse: Fast 30 Teilnehmer besuchten die Veranstaltung in Leipzig, die Teil der internationalen Seminarreihe „Practical Semantics“ war.

Dr. Volker Stümpflen vom Helmholtz Zentrum München zeigte, wie wichtige biomedizinische Informationen mit Hilfe semantischer Technologien leichter zu finden und besser zu verstehen sind. Insbesondere zu so komplexen Krankheiten wie Alzheimer oder Diabetes gibt es Millionen von Publikationen. Stümpflen und seine Mitstreiter haben einen Weg gefunden, um diese Datenmengen zu interpretieren und zu strukturieren.

Selbst für die Auswertung der Bilddaten von Videoüberwachungskameras auf Flughäfen, Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen können Topic Maps angewendet werden. Aus der Flut von Bilddaten, die täglich produziert werden, können Dank der semantischen Technologie ganz spezielle Informationen herausgefiltert werden. Insbesondere in Zeiten drohender Terroranschläge kann dies sehr hilfreich sein.

Ebenfalls sehr aktuell und für die Öffentlichkeit von großem Interesse ist das „Afghan War Diary“, das WikiLeaks vor kurzem veröffentlichte. Die geheimen Frontberichte von Soldaten und Nachrichtendienstmitarbeitern haben einen großen Wirbel ausgelöst. Allerdings handelt es sich um eine Sammlung von mehr als 91.000 Dokumenten. Eine riesige Menge an ungeordneten Informationen, die nur schwer zu erfassen sind. Dr. Lutz Maicher und seine Mitarbeiter haben deshalb begonnen, die Daten zu sortieren, Topic Maps zu kreieren und diese auf Maiana zu veröffentlichen. Maiana ist ein vom Topic Maps Lab entwickelter Explorer, über den Daten semantisch interpretiert und verbunden werden, so dass der Nutzer Informationen gezielter finden kann.

Diese Beispiele zeigen bereits, wie vielfältig die Anwendungsmöglichkeiten von Topic Maps sind. Nach den Vorträgen konnten die Seminarteilnehmer die semantische Technologie selbst testen und hatten die Gelegenheit, sich mit den Entwicklern darüber auszutauschen. Neue Kontakte zwischen Wissenschaftlern und Anwendern wurden geknüpft. Schon nach den ersten beiden Veranstaltungen sind die Teilnehmer und Organisatoren von „Practical Semantics“ begeistert. Eine Fortsetzung der Seminarreihe ist nicht ausgeschlossen.



Weitere Informationen zum ForMaT "TMLab" finden Sie hier.


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