Im Blickpunkt

Besseres Training für Chirurgen – Leipziger ForMaT „Innovative Surgical Training Technologies“ testet erstmals neue Ausbildungsmethoden

Trainingskurse für Hals-Nasen-Ohren Chirurgen finden an der IRDC-Academy am International Reference and Development Center (IRDC) in Leipzig regelmäßig statt. Diesmal bekamen die Chirurgen allerdings spezielle didaktische Unterstützung: Dr. Werner Korb und sein Team von der Forschungsgruppe „Innovative Surgical Training Technologies“ (ISTT) entwickelten die Methoden dafür. Jetzt kamen sie zum ersten Mal bei einem Lehrgang zum Einsatz.

„Erzähle es mir und ich werde es vergessen, zeige es mir und ich werde mich erinnern, involviere mich und ich werde verstehen, tritt zurück und ich werde übernehmen.“ Diese weisen Erkenntnisse von Konfuzius waren für die ISTT-Wissenschaftler nicht nur Quelle der Inspiration, sondern auch das Fundament zur Entwicklung ihres chirurgischen Trainingsprogramms. Nun hatten sie die Chance zu testen, ob diese Methoden auch in der Praxis funktionieren würden.

Bei dem Kurs an der Leipziger IRDC-Academy, unter Leitung von Professor Gero Strauß und Professor Andreas Dietz, waren sehr erfahrene internationale Chirurgen als Trainer dabei. Dazu gehörten unter anderem Professor Daniel Simmen aus Zürich und Professor Mohamed Zaki Helal aus Kairo. Insgesamt waren elf Trainer und 21 Kursteilnehmer dabei. Das Konzept des ISTT-Teams sah vor, dass jeder der Ausbilder mit bis zu sechs Teilnehmern zusammenarbeitet, die wiederum in Zweiergruppen aufgeteilt waren. Auf diese Weise sollte nicht nur die Technik, sondern auch Teamarbeit trainiert werden. Die Teilnehmer kamen aus unterschiedlichen Fachrichtungen mit verschiedenen Operationserfahrungen. Diese Fakten wurden zunächst in einem Fragebogen aufgenommen und bewertet. Nachdem die verschiedenen Teams eingeteilt waren, konnte die Arbeit beginnen. Die Trainingseinheiten liefen immer nach einem didaktischen Schema ab: Zuerst demonstrierte der Ausbilder die Operation, dann operierten die Teilnehmer und zum Schluss sollte die Gruppe den Eingriff gemeinsam auswerten.

Dr. Werner Korb, Leiter des ForMaT „ISTT“ erläutert den Trainern das didaktische Programm des Chirurgie-Workshops.

Trainiert wurde natürlich nicht an echten Patienten, sondern an Kadavern. Das könnte sich in Zukunft jedoch ändern. Denn neben den Trainingsprogrammen entwickeln Dr. Werner Korb und seine Mitarbeiter auch lebensnahe Modelle menschlicher Körperteile aus verschiedenen Kunststoffen, mit denen künftig OP-Übungen absolviert werden können. Die Forscher haben bereits eine künstliche Bandscheibe hergestellt, an der Operationen unter sehr realistischen Bedingungen trainiert werden können. Selbst künstliches Blut fließt dabei. Die Modelle gehören zum Gesamtkonzept des ISTT, das darin besteht, einen „Flugsimulator für Chirurgen“ zu entwerfen, wie es Dr. Korb ausdrückt. Dafür arbeiten in dem Leipziger ForMaT-Projekt Medizintechniker, Elektrotechniker, Werkstoffspezialisten, Informatiker, Pädagogen und Psychologen eng mit den Ärzten zusammen. Denn zu dem „Flugsimulator“ gehören, neben den Modellen, auch die pädagogischen Konzepte für das Training. Der erste Test für das Trainingsprogramm war äußerst erfolgreich. Die Ausbilder und Teilnehmer des Kurses an der IRDC-Academy waren sehr zufrieden, genau wie Werner Korb und seine Kollegen. Ihr Konzept hat gut funktioniert. Während des Kurses konnten sie wichtige Erfahrungen zur Verbesserung des Programms sammeln. So war es besonders spannend für sie zu sehen, wie die Trainer die verschiedenen Übungseinheiten ausgewertet haben.

Geplant war eigentlich, dass die Teilnehmer in kleinen Gesprächsrunden nach der Operation Feedback vom Ausbilder bekommen. Doch in der Praxis sah das anders aus. Die Operateure erhielten noch während der Übung direkt am OP-Tisch Rückmeldungen von ihren Trainern und nicht in einer separaten „Feedbackrunde“. Hier sieht Dr. Korb noch viel Forschungsbedarf, um herauszufinden, wie ein solches Feedback den Chirurgen bestmöglich helfen kann. Schließlich plant das ISTT-Team, die von ihnen entwickelten Programme einmal deutschlandweit in chirurgischen Trainingszentren einzusetzen. Dann soll es auch nicht mehr nur einen Ausbilder für die Ärzte geben, sondern gleich zwei: einen chirurgischen und einen didaktischen Trainer. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

 

Nähere Informationen zum ForMaT ISTT stellen wir Ihnen hier zur Verfügung.


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