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Weit über 100 Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz trafen sich zum 3. Leipziger Semantic Web Tag auf dem Mediencampus Villa Ida in der Messestadt. Das Team um Dr. Sören Auer vom WK Potenzial "Semantic Web für die Region Leipzig" hatte die Veranstaltung erneut organisiert. Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft tauschten hier Erfahrungen aus. Auch Dank des verstärkten Einsatzes vieler kleiner und mittlerer Unternehmen der Region konnte die Veranstaltung in so großem Rahmen stattfinden.
Kein Platz bleibt unbesetzt: Über 100 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz treffen sich auf dem 3. Leipziger Semantic Web Tag.
"Verlinkte Daten sind kein Allheilmittel!" ruft Andreas Blumauer von der Wiener "Semantic Web Company" provozierend in die Runde. Er ist einer von sechs Spezialisten, die zur Diskussion auf dem Podium Platz genommen haben. Selbst nach acht Stunden Vortragsmarathon ist der große Saal voll besetzt. Zum Abschluss des Semantic Web Tages wird hier die alles entscheidende Frage gestellt: Lohnt sich Linked Data für mein Unternehmen? Die Fachleute einigen sich darauf, dass es immer abzuwägen gilt, welche Daten verlinkt und wozu sie genutzt werden. Großes Einvernehmen herrscht darüber, dass das Semantic Web Zukunft hat. Es müsse allerdings den normalen Nutzern besser zugänglich gemacht werden, meint Harald Sack vom Hasso-Plattner-Institut Potsdam. Um die Entwicklung weiter voranzutreiben, sind Fachleute notwendig und an denen mangelt es. Christian Dirschl vom Informationsdienstleister "Wolters Kluwer" berichtet, dass er 15 Monate nach einem Semantic Web Entwickler gesucht habe. Nachwuchsförderung ist also wichtig, deshalb werden auch in Leipzig entsprechende Spezialisten ausgebildet.
Und die werden künftig viel zu tun haben, wie Professor Martin Hepp mit großem Enthusiasmus bereits zum Auftakt des Semantic Web Tages verkündet. Gemeinsam mit seinem jungen Entwickler-Team hat er eine sehr erfolgreiche Technologie mit dem Namen "Good Relations" auf den Markt gebracht. Damit ist die semantische Verknüpfung von Daten im E-Commerce-Bereich möglich. Auf den Webseiten der Anbieter werden spezielle Datenpakete untergebracht, die Begriffe miteinander verbinden. Auf diese Weise erhalten die Nutzer mehr und detailliertere Informationen: technische Daten von Produkten, Öffnungszeiten von Geschäften und vieles mehr. Webriesen wie "Yahoo" und "BestBuy.com" nutzen die Software bereits. Schließlich kann sie ihnen zu mehr Kunden verhelfen. Nach Hepps Aussagen erhöht "Good Relations" die Wahrscheinlichkeit, dass die Webseite angeklickt wird um 30 Prozent.
Die Abschlussdiskussion moderiert Dr. Sören Auer (ganz rechts), Koordinator des WK Potenzial "Semantic Web für die Region Leipzig".
Auch Leipziger Informatiker suchen nach Lösungen, um Internetnutzern passende Produkte und Informationen schnell zugänglich zu machen. Hanna Köpcke vom ForMaT "Web Data Integration Lab" der Universität Leipzig stellte den Zuhörern unter anderem die Software "FEVER" vor. FEVER steht für "Framework for Evaluating Entity Resolution". Mit dieser Technologie können Produktangebote im Internet abgeglichen und Kataloge erweitert werden. Der Forschungsprototyp wurde von den Leipziger Informatikern entwickelt. FEVER kann sehr große Datenmengen in hoher Geschwindigkeit bearbeiten.
Die Vorteile des Semantic Web sind jedoch nicht nur beim Online-Shopping von Nutzen. Auch in der Medienbranche finden sie Anklang. So haben Alexander Siebert und seine Kollegen von der Berliner Firma "Retresco GmbH" mit Hilfe semantischer Suchlösungen den Online-Auftritt der "Märkischen Oderzeitung" auf Vordermann gebracht. Ein inhaltlicher Pool, der Daten aus verschiedenen Quellen enthält, versorgt die Online-Redakteure schneller mit Informationen, die dann nur noch kanalisiert und sortiert werden müssen. Selbst bei der Entwicklung neuer Medikamente kann das Semantic Web helfen, wie Software-Spezialist Peter Haase von "fluid Operations" erläutert. Details eines speziellen Grafikprogramms zum Aufbau menschlicher Zellen werden mit öffentlichen Datenbanken verknüpft. Durch die Verbindung mit den verschiedenen Wissensquellen sind den Pharmaforschern viel mehr Informationen zugänglich, die sie für ihre Entwicklungen nutzen können.
Die vielen interessanten Anwendungen zeigen: Das semantische Prinzip, die sinnvolle Verknüpfungen von Daten, kann für alle Branchen von Nutzen sein. Entsprechende Software bietet eine hilfreiche Ergänzung zu den etablierten, großen Suchmaschinen im Netz. Das Team von "Semantic Web für die Region Leipzig" will bei dieser Entwicklung künftig ganz vorne dabei sein.
Weitere Informationen zum WK Potenzial "Semantic Web für die Region Leipzig" erhalten Sie hier.
(URL: http://www.unternehmen-region.de/de/3561.php)