Im Blickpunkt

Vom Pulver zum Produkt

Thale im Harz ist die Stadt der Roßtrappe und des Hexentanzplatzes. Tausende Gäste sind jedes Jahr fasziniert vom Grand Canyon des Bodetals. Aber Thale ist auch Industriestandort. Aus Metallpulver werden durch ausgefeilte Verfahren beispielsweise wichtige Teile für die Automobilherstellung produziert. Nach dreijähriger Forschungsarbeit stellten jetzt Wissenschaftler und Unternehmer ihre Ergebnisse vor.

"Durch die intensive Zusammenarbeit haben Wissenschaftler und Unternehmer eine Sprache gefunden, die beide Seiten nicht nur verstehen, sondern die sie inspiriert, innovative Antworten auf aktuelle Fragen zu finden.“, unterstrich Thomas Köck, Geschäftsführer des Pulvermetallurgischen Centrums Thale (PMC), am Schluss des ersten Tages der Fachtagung „Neue PM-Konzepte vom Pulver zum Produkt“. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, sondern Ergebnis der Kooperation im Bündnis von Thale PM (Pulvermetallurgie), bewiesen die detaillierten Präsentationen zu den Arbeitspaketen.

THALE PM steht für pulvermetallurgische Produkte aus Thale, einem Traditionsstandort für leistungsfähige Verfahren zur Herstellung von Bauteilen und Zwischenprodukten und führt zehn Technologiepartner aus der Industrie, verstärkt durch sechs Forschungseinrichtungen mit speziellen Kompetenzen, zu einem langfristigen Bündnis zusammen. Mit Unterstützung der Innovationsinitiative Neue Länder des BMBF, Unternehmen Region entwickelte die Initiative eine neuartige modulare Technologieplattform. Die dazu notwendige technologische Breite und Tiefe an einem Standort ist ein Alleinstellungsmerkmal des regionalen Unternehmensbündnisses THALE PM.

Die Pulvermetallurgie wird vor allem in Produktionsverfahren eingesetzt, bei denen große Stückzahlen präzise hergestellt werden müssen. Dabei wird Metallpulver beispielsweise mithilfe Tonnen schwerer Pressen zu einem Rohling geformt, der in weiteren Bearbeitungsschritten als Teil des Zylinderkopfes, des Lagers oder der Nockenwelle im Automobil das Werk verlässt.

Um die Qualität dieser Produkte noch weiter zu steigern, die Technologien ihrer Herstellung effizient zu gestalten und Innovationen zu realisieren, haben die Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, der TU Dresden, der TU Clausthal und des Fraunhofer IFAM in Dresden ganze Arbeit geleistet. Durch ihre Grundlagen- und Anwendungsforschung wurden u.a. neue Prozesse entdeckt, mit denen Stahl aus Metallpulver höhere Dichten erreichen kann. Mithilfe neuer Legierungskonzepte können die Zwischen- und Endprodukte besser vor Verschleiß geschützt werden, wodurch sich deren Lebensdauer deutlich erhöhen wird.

Frank Fiedler von der Uni Magdeburg untersuchte die Leistungsfähigkeit der Presswerkzeuge. Nach seinen Angaben wäre eine Steigerung von zurzeit 200.000 Teilen mit einem Presswerkzeug auf bis zu 500.000 Teile pro Werkzeug machbar. Ein entsprechender Prüfstand, der auch beim Pressen von Aluminium einsetzbar sein soll, wurde konzipiert und realisiert.

Andreas Buchmann von der Schunk Sintermetalltechnik GmbH Thale stellte die Ergebnisse der Entwicklungsarbeit vor, mit denen die Dichte im Bauteil gesteigert werden kann und zugleich die Genauigkeit des Bauteils weiter präzisiert werden kann. Mit einem Doppelpressverfahren ist eine Dichte von mehr 7,2 Gramm pro Kubikzentimeter zu erreichen. Mit dieser Qualität können z.B. Teile des Nockenwellenverstellsystems im Pkw produziert werden.

Wie man bei Aluminium in der Pulvermetallurgie am besten die Oxidschicht knacken kann, um eine feine fast kristalline Struktur zu erreichen, darüber informierte Thomas Schubert vom Fraunhofer-IFAM in Dresden. Mithilfe dieser Innovation werden Hochleistungsteile aus Aluminium in den Zylinderlaufbuchsen des Motors eingesetzt.    

Ziel dieser neuen Entwicklungen ist, das in der Region Thale vorhandene Know-how auf dem Gebiet der Pulvermetallurgie zu nutzen, um die Bedeutung und Reputation der Region Thale für diese innovative Technologie wiederzuerlangen und gleichzeitig attraktive Bedingungen für die Ansiedlung neuer Unternehmen in der Region zu schaffen.

THALE PM umfasst die Pulverkette von der Pulverherstellung über die Pulververarbeitung zu Formteilen und Funktionsschichten, schließt PM-Verfahrenstechnologien, Wärme- und Oberflächenbehandlung, Prüftechnologie und Personalausbildung mit ein. Das Konzept des Verbundes konzentriert sich auf neue Zielmärkte für pulvermetallurgische Produkte mit den zentralen Themen neue Werksstoffe in Verbindung mit neuen Verfahrenstechnologien unter Einbeziehung technischer Leistungsnachweise.

 

Weitere Informationen zum Innovativen regionalen Wachstumskern THALE PM stellen wir Ihnen hier zur Verfügung.


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