Im Blickpunkt

Ein Super-Magnet für die Rohstoff-Forschung

Das Jahr neigt sich dem Ende zu – Zeit für eine Zwischenbilanz am „Deutschen EnergieRohstoff-Zentrum“ (DER) in Freiberg. In dem Vorhaben "Technologien für das Nach-Erdölzeitalter" werden die Kompetenzen wissenschaftlicher Einrichtungen und führender Industrieunternehmen auf dem Gebiet der Energierohstoffe gebündelt. Ziel ist es, effiziente Technologien zu finden, mit denen einheimische Kohle und Biomasse besser genutzt werden können. Gemeinsam suchen Wissenschaftler und Unternehmer nach Strategien für das Nacherdölzeitalter.

So modern wie das Haus, so zukunftsweisend auch die Forschung: Die 60 Teilnehmer der DER-Veranstaltung trafen sich für zwei Tage in dem erst kürzlich eröffneten neuen Gebäude des Deutschen Brennstoff-Instituts (DBI) in Freiberg. Ihr gemeinsames Thema war die stoffliche Nutzung der Kohle. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. So zeigte Prof. Dr. Matthias Otto, Direktor des Instituts für Analytische Chemie der TU Bergakademie Freiberg, dass die Strukturen von Kohle und Biomasse dank neuer Hochleistungsmethoden auf eine völlig neue Art und Weise analysiert werden können.

Professor Otto und seine Mitarbeiter haben bisher unbekannte organische Substanzen identifiziert und isoliert. Die interessanten Stoffe sind durch natürliche Synthese bereits im Rohstoff vorhanden und müssen nicht erst aufwendig synthetisiert werden. Um zu solchen Ergebnissen zu gelangen, brauchen die Chemiker modernste Ausrüstung. In diesem Jahr haben sie ein neues Labor mit einer weltweit einzigartigen Technik zur Ultrahochleistungs-Massenspektrometrie in Betrieb genommen. Ein supraleitender 15-Tesla-Magnet ist das Herzstück des Spektrometers. Er ermöglicht die derzeit detaillierteste Strukturaufklärung organischer Stoffe.

Auch im Bereich der Werkstoffentwicklung, der ebenfalls zum DER gehört, hat es Fortschritte gegeben. Am Institut für Energie- und Klimaforschung des Forschungszentrums Jülich wurden keramische Werkstoffe zur Heißgasfiltration getestet. Die Heißgasfiltration ermöglicht eine Entstaubung bei hohen Temperaturen, beispielsweise bei Verbrennungs- und Vergasungsprozessen von Kohle und Biomasse. Wissenschaftler des Instituts für Keramik, Glas und Baustofftechnik der TU Freiberg haben korrosions- und thermoschockbeständige Spezialwerkstoffe zur Ausmauerung von Vergasungsanlagen entwickelt. Ihre Ergebnisse wurden in diesem Jahr zum Patent angemeldet.

Um die Zusammenarbeit zwischen den Verbündeten möglichst effizient zu gestalten, werden auch Management- und Organisationsmechanismen für Kooperationen erforscht und eingesetzt. Schließlich arbeiten in dem deutschlandweit einzigartigen Pilotprojekt Ingenieure, Natur- und Wirtschaftswissenschaftler zusammen. Auf der DER-Veranstaltung sind nun erstmals Ergebnisse zum Einfluss komplexer Organisationsstrukturen auf die Effektivität virtueller Forschungskooperationen vorgestellt worden. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Erforschung der Akzeptanz von Energierohstoffen. In den nächsten drei Jahren werden die Partner des DER weiter nach Möglichkeiten zur besseren Nutzung einheimischer Rohstoffe suchen, um für die Zeit nach dem Versiegen der Ölquellen gewappnet zu sein.


Mehr Informationen zur Spitzenforschung-und-Innovation-Initiative "Technologien für das Nach-Erdölzeitalter" erhalten Sie hier.


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