Im Blickpunkt

Eine neue Dimension in der Strahlentherapie für Krebspatienten

Auf dem Gelände des Uniklinikums in Dresden laufen die Bauarbeiten auf Hochtouren. Das Fundament des neuen Strahlenforschungszentrums steht bereits. Jetzt hat Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer gemeinsam mit den Bauherren den Grundstein gelegt. Prof. Dr. Michael Baumann, Sprecher von OncoRay, Prof. Dr. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, und Prof. Dr. Roland Sauerbrey, Wissenschaftlicher Direktor des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf, besiegelten mit einem Hammerschlag den Bau der Protonentherapieanlage.

Grundsteinlegung mit Prof. Dr. Sabine von Schorlemer, Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst in Sachsen und Prof. Dr. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus.

Schon in zwei Jahren sollen Ärzte und Wissenschaftler hier einziehen. Doch bis dahin ist noch einiges zu tun. 10.000 Kubikmeter Beton und mehr als 1.000 Tonnen Stahl werden für den Rohbau verarbeitet. Soviel Material ist notwendig, um eine sichere Hülle für den Protonenbeschleuniger zu bauen. Schließlich wirken hier viel stärkere Kräfte als in herkömmlichen Röntgenbestrahlungsgeräten. Mit Hilfe elektromagnetischer Felder werden die Protonen auf ca. 180.000 Kilometer pro Sekunde beschleunigt. Das sind rund zwei Drittel der Lichtgeschwindigkeit. Über eine spezielle Stahlkonstruktion gelangen die Protonen dann zum Patienten.

Der Vorteil der Protonenstrahlen ist, dass sie ihre Energie am Zielort komplett abgeben können. Ganz anders als bei ultraharter Röntgenstrahlung, die überwiegend bei der Krebstherapie angewendet wird. Die Röntgenstrahlen geben bereits beim Eindringen in den Körper Energie ab und beim Heraustreten ebenfalls. Große Körperareale müssen mit Hilfe der sogenannten Kreuzfeuertechnik bestrahlt werden, wobei auch gesunde Zellen Schaden nehmen können. Die Protonen hingegen gelangen auf direktem Weg in die Krebszellen und zerstören deren Erbgut, so dass ein weiteres Wachstum verhindert wird. Tumoren können mit höheren Strahlendosen behandelt werden, ohne umliegendes Gewebe zu zerstören.

Solche Protonentherapiegeräte sind nicht neu. Es gibt sie bereits in Heidelberg und demnächst auch in Essen. Das Dresdner Uniklinikum wird ab 2014 erstmals in Ostdeutschland eine solche Therapie anbieten. Immerhin kommt für 60 Prozent der Krebspatienten eine Behandlung mit Protonenstrahlen in Frage. 

Doch in Dresden wird noch mehr getan. Die Forscher entwickeln eine völlig neue Anlage, in der die Protonen statt mit elektromagnetischen Feldern mit Lasern beschleunigt werden sollen. Der Vorteil: Das Gerät ist viel kostengünstiger und kleiner. Schon seit Jahren arbeiten die OncoRay-Wissenschaftler gemeinsam mit einem Team des Zentrums für Innovationskompetenz (ZIK) ultra optics in Jena und des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf daran. Nun bekommen sie die Gelegenheit, beide Protonengeräte direkt miteinander zu vergleichen und die Technologie weiter zu entwickeln. „Das Nebeneinander eines konventionellen und eines laserbasierten Protonenbeschleunigers wird weltweit einmalig sein“, betont OncoRay-Sprecher Professor Michael Baumann.

Im Rahmen einer klinischen Studie sollen pro Jahr 500 Patienten mit dem herkömmlichen Protonentherapiegerät in Dresden behandelt werden, um den medizinischen Vorteil dieser sehr viel kostenintensiveren Behandlung zu testen. „Wissenschaftler und Ärzte werden den Einsatz von Protonen in der Krebstherapie patientennah und jenseits kommerzieller Zwänge weiterentwickeln“, so Professor Michael Albrecht, Vorstand des Uniklinikums. Die neuen, auf Laserstrahlen basierten Protonengeräte, können frühestens in acht bis zehn Jahren für Patienten zum Einsatz kommen. „Jetzt geht es darum, die Energie der Strahlen so zu steigern, dass sie weit genug in den Körper eindringen und Krebszellen zerstören können“, erklärt Professor Roland Sauerbrey, Direktor des Helmholtz-Forschungszentrums.

Mit der Grundsteinlegung sind nun die Weichen zur Entwicklung besserer Therapien für Krebspatienten gestellt. Die Dresdner OncoRay-Wissenschaftler sind daran maßgeblich beteiligt.



Weitere Informationen zum ZIK OncoRay finden Sie hier. Nähere Informationen zum ZIK ultra optics erhalten Sie hier.



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