Im Blickpunkt

Wundheilung mit Plasma – nur noch eine Frage der Zeit?

Können Wunden mit Plasma geheilt werden– schmerzfrei und ohne Nebenwirkungen? Für die Forscher am Greifswalder Zentrum für Innovationskompetenz (ZIK) „plasmatis“ ist dies nur noch eine Frage der Zeit. „Wenn wir es nicht schaffen, ein bis zwei Anwendungen zu entwickeln, dann schafft es keiner“, sagt voller Zuversicht das Mitglied des wissenschaftlichen Beirats Prof. Dr. Dr. Jürgen Lademann von der Berliner Charité auf dem zweiten Statusseminar der Initiative.

Die beiden Forschungsgruppen Zelluläre Effekte und Extrazelluläre Effekte wollen die Grundlagen der Wechselwirkung zwischen Plasma und Zelle verstehen. Erst wenn sichere Erkenntnisse dieser Mechanismen vorliegen, kann eine verantwortungsvolle Wundbehandlung der menschlichen Zelle mit Plasma erfolgen. Die beiden Nachwuchsgruppenleiter Dr. Kai Masur und Dr. Stephan Reuter arbeiten eng zusammen, um ihre Kräfte zu bündeln. Beim ZIK plasmatis ist Halbzeit und die Hoffnungen sollen und müssen im Dienste der Gesundheitsversorgung erfüllt werden.

Dr. Kai Masur (rechts), Sprecher des ZIK plasmatis erklärt bei einem Rundgang die Forschungsarbeit im plasmatis-Labor. 

Die Bedingungen der Forscher für ihre Arbeit am Leibnitz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP Greifswald) sind hervorragend: Hightech-Labore und eine zudem enge Zusammenarbeit mit dem Campus PlasmaMed, ein Verbund, der anwendungsorientierte Forschung in der Plasmamedizin betreibt und vom BMBF im Programm Spitzenforschung und Innovation gefördert wird, ist hier ebenfalls beheimatet.

Plasma wird zum einen eine antiseptische Wirkung nachgesagt und zum anderen soll es das Zellwachstum der Haut stimulieren. Aufgrund dieser Erkenntnis ist eine interdisziplinäre, auf grundlegende physikalische Fragestellungen ausgerichtete Grundlagenforschung notwendig. Bei plasmatis arbeiten Physiker des INP mit Medizinern, Biologen und Pharmazeuten der Universität Greifswald zusammen, um vor allem jene Prozesse zu erkennen, die zellstimulierend wirken.

Der Physiker Dr. Jörn Winter aus der Nachwuchsgruppe Extrazelluläre Effekte beschäftigt sich z.B. mit der Anpassung von Plasmaquellen an biologische Systeme. Im Fokus seiner Arbeit stehen unter anderem sogenannte versteckte Parameter wie Feuchtigkeit. Winter hat herausgefunden, dass Feuchtigkeit Einfluss auf die antimikrobielle Wirkung von Plasmen hat. Als Plasmaquelle benutzt er für seine Untersuchungen den am INP entwickelten Plasmajet KinPen. Dies ist ein Gerät in Form eines Stiftes, das über die Haut gehalten wird und kaltes Plasma entlädt. Die Feuchtigkeit entstand in den Zuleitungsschläuchen von Argon-Gas, das mithilfe einer elektrischen Entladung das kalte Plasma erzeugt. Als Folge wird nun ein anderes Material für die Zuleitung entwickelt, das die Veränderung von Plasma durch Feuchtigkeit ausschließen soll.

Bei plasmatis werden Plasmaquellen mit niedrigen Temperaturen eingesetzt, die alle am INP entwickelt wurden und werden. Das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. in Greifswald ist die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung zu Niedertemperatur-Plasmen, ihren Grundlagen und Anwendungen in Europa.

Im vergangenen Jahr konnte die Initiative gezielte Kooperationen ausbauen. So besteht jetzt eine enge Zusammenarbeit mit den Universitäten Paris, Belfast, Berkeley in Kalifornien und Masaryk in Tschechien.



Weitere Informationen zum ZIK plasmatis erhalten Sie hier. Hier finden Sie nähere Informationen zur Spitzenforschung-und-Innovation-Initiative Campus PlasmaMed.


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