Im Blickpunkt

Gemeinsam gegen die Sepsis-Sterblichkeit

Mindestens 30 Prozent der Patienten, die sich in deutschen Krankenhäusern mit Sepsis infizieren, sterben. Diese hohe Rate könnte erheblich gesenkt werden, wenn es schnellere Diagnosemöglichkeiten gäbe. Ein besseres Verständnis des Krankheitsverlaufes könnte zudem neue Therapiemöglichkeiten eröffnen. Auf ihrem Statusseminar haben die Wissenschaftler im Jenaer ZIK SEPTOMICS die Forschungsarbeiten des letzten Jahres vorgestellt.

Vernetzung ist ein wichtiges Thema bei der Erforschung und Bekämpfung von Sepsis. SEPTOMICS-Vorstandssprecher Professor Konrad Reinhart gehörte bereits zu den Gründern des größten internationalen Netzwerks, der „Globalen Sepsis Allianz“, die 2010 in den USA ins Leben gerufen wurde.

Jetzt wollen Reinhart und sein Team auch regionale Netzwerke weiter ausbauen. So ist geplant, Kliniken und Forschungseinrichtungen in einer „Mitteldeutschen Sepsis-Allianz“ zusammenzuschließen.

Außerdem haben SEPTOMICS-Wissenschaftler im Rahmen einer Kooperation mit anderen Forschern am Standort Jena weitere Fördergelder bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft beantragt, um Pilzinfektionen als Auslöser der Sepsis genauer zu untersuchen.

Harmloser Mitbewohner und lebensbedrohlicher Erreger

Ein Hefepilz namens Candida albicans lebt bei vielen von uns im Darm, ohne dass wir je etwas davon bemerken. Doch er kann sich plötzlich verändern: Aus den normalen Hefezellen bilden sich dann filamentöse Formen, die sich tentakelartig ausbreiten und die Schleimhautbarriere überwinden. Auf diese Weise entsteht eine Sepsis, die besonders schwer zu diagnostizieren ist.

Mehr als 500.000 solcher Plasma-, Serum- und DNA-Proben von Sepsispatienten können in der weltweit einzigartigen Jenaer Biobank bei -80 Grad Celsius gelagert werden. 

Professor Oliver Kurzai und seine Arbeitsgruppe „Fungal Septomics“ untersuchen, warum sich Candida albicans so verändert. Begünstigt wird die Ausbreitung des Hefepilzes auch durch eine Störung der Immunantwort. Immunzellen wie Granulozyten hemmen die Vermehrung des Pilzes. Doch entsprechende Interaktionen des menschlichen Immunsystems im Verlauf der Sepsis sind weitgehend unbekannt. Professor Kurzai ist dabei, diese mit Hilfe von Patientenblut genetisch zu untersuchen. Dafür steht ihm die weltweit einzigartige Biobank des Uniklinikums Jena zur Verfügung.

Wie reagiert das körpereigene Alarmsystem?

Auch Professorin Hortense Slevogt und ihre seit einem Jahr bestehende Arbeitsgruppe „Host Septomics“ beschäftigen sich mit der Immunantwort des Wirtes. Bei der Sepsis kommt es zur Schädigung des körpereigenen Gewebes. Dadurch werden bestimmte Proteine, so genannte Alarmine, freigesetzt, die den Verlauf der Sepsis beeinflussen können. Professorin Slevogt analysiert Regulation und Funktion von bekannten Alarminen. Darüber hinaus untersucht sie, wie menschliche Zellen über die Ausschüttung der Alarmine mit dem Immunsystem kommunizieren und es so beeinflussen können.

Slevogts und Kurzais Arbeitsgruppen stehen nun großzügige Räumlichkeiten im neuen SEPTOMICS-Gebäude zur Verfügung, die sie demnächst beziehen werden.

Das SEPTOMICS-Team will die lebensbedrohliche Erkrankung jedoch nicht nur eindämmen, sondern sie auch weiter in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Der erste Welt-Sepsis-Tag am 13. September dieses Jahres, den Professor Konrad Reinhart mit initiiert hat und der von Jena aus organisiert wird, soll ein klares Zeichen dafür setzen.


Weitere Informationen über das Zentrum für Innovationskompetenz SEPTOMICS finden Sie hier.


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