Im Blickpunkt

Plasma goes Umwelt - Austausch zwischen Forschung und Wirtschaft in Rostock

Das Innovationsforum „Plasma plus Umwelt“ will neue Anwendungsfelder für Plasmatechnik in der Umwelttechnologie aufspüren. Auf dem Treffen in Rostock wurden Einsatzbereiche mit Potential vorgestellt. Hier sollen Plasmen Umweltprobleme lösen sowie Forschung und Wirtschaft eng vernetzt werden.

Plasmen – ionisierte Gase – sind aus vielen technischen Anwendungen nicht mehr wegzudenken. Mit Plasma können die Eigenschaften von Oberflächen gezielt verändert werden, z.B. durch Beschichtung oder Reinigung. Als Lichtquelle bringen Plasmen Flachbildschirme und Autoscheinwerfer zum Leuchten. Bei der Behandlung von Wunden auf der Haut und im Zahnwurzelbereich kann Plasma schmerzfrei eine Heilung bewirken.

Das Innovationsforum „Plasma plus Umwelt“ möchte die Plasmatechnik für Umwelttechnologien nutzen und sucht nach entsprechenden Anwendungsfeldern. Das Greifswalder Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) unter der Leitung von Professor Klaus-Dieter Weltmann hat sich seit Jahren der Plasmatechnik verschrieben.

Der Plasmastift "kINPen am Roboterarm"

Dr. Christian Theel von der Greifswalder INP-Ausgründung neoplas GmbH und Initiator des Innovationsforums „Plasma plus Umwelt“ will auf dem Rostocker Treffen herausfinden, „wo Probleme im Umweltbereich sind, die man mit der Plasmaforschung beheben kann“. Er erhofft sich, am Ende einen „Fahrplan“ in der Hand zu haben, der ihm zeigt, welche Anwendung die meisten Aussichten auf Erfolg haben wird.

Hierfür möchte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Bedingungen verbessern: „Wir knüpfen hier mit Unternehmen Region an die vorhandenen Ressourcen der Greifswalder Plasmaforschung an“, so Dirk Meinunger vom BMBF, denn „Forschung gelingt, wenn schnell Produkte auf den Markt kommen“.


Umwelt schützen und verbessern: Plasma macht´s möglich


Welche Produkte das für „Plasma plus Umwelt“ sein könnten, diskutierten Physiker, Chemiker und Anlagenhersteller aus verschiedenen Branchen. Sinnvoll ist der Einsatz von Plasmatechnik besonders dort, wo Problemdruck herrscht, z.B. durch bestehende oder zu erwartende Gesetzesänderungen, wie etwa die Richtwerte für die Reduktion von Dieselabgasen. Dieselabgase könnten plasmakatalytisch nachbehandelt sowie künftig Partner für die Herstellung von Abgasanlagen und Katalysatoren gefunden werden. Auch bei der Oberflächenreinigung für Katalysatoren kann Plasma zum Einsatz kommen.

Weitere neue Felder für Plasmen in der Umwelt sind Reinraumtechnik und Gebäudeklima. Bei Reinräumen müssen zahlreiche und umfangreiche Anforderungen eingehalten werden, um partikuläre Verunreinigungen zu vermeiden, während für ein gesundes Gebäudeklima bisher wenige Vorschriften existieren, so dass der Druck der Hersteller noch nicht groß genug ist, etwas zu ändern. Aber mit zunehmender Information über mangelnde Luftqualität durch fehlerhaft arbeitende Klimaanlagen oder anders bedingtes ungesundes Raumklima kann nach Aussagen der Teilnehmer des Innovationsforums ein Umdenken erreicht werden und damit auch hier ein neuer Markt entstehen. Ein noch zu entwickelndes Plasma-Filterverfahren für Klimaanlagen könnte zum Einsatz kommen.

Ein drittes Innovationspotential liegt in der Abwasserreinigung: In unseren Abwässern befinden sich zunehmend Medikamente und resistente Keime. Bisherige Klärsysteme sind nicht darauf ausgelegt, diese Schadstoffe aus dem Abwasser zu entfernen. Auf diesem Markt herrscht derzeit ein hoher Problemdruck, der dringend Lösungen fordert. Hier bietet sich den Forschern eines der interessantesten Felder, in dem z.B. die Entwicklung von plasmagestützten Mikroreaktoren vorangetrieben werden kann.

Der Aufbau eines Netzwerkes zur Entwicklung neuer Umwelttechnologien mit Plasma erfordert eine enge Zusammenarbeit der Plasmaforscher mit Unternehmen. Um dies zu erreichen, wollen die Betreiber die öffentliche Wahrnehmung des Themas verbessern und die Umsetzung der angedachten Technologien in konkreten Anwendungsbereichen prüfen.

 

Weitere Informationen über das Innovationsforum "Plasma plus Umwelt - Plasmaunterstützte Hybridfiltertechnik" in Greifswald finden Sie hier.


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