Im Blickpunkt

Reif für den Einsatz: Werkstoffe aus Magnesium

Gerade für die Autoindustrie könnte Magnesium künftig von Bedeutung sein. Es lässt sich gut verarbeiten, ist extrem leicht und somit in der Lage, Stahl-, Kunststoff- oder Aluminiumbauteile zu ersetzen. Im Sächsischen Wachstumskern TeMaK beschäftigte man sich mehrere Jahre mit diesem Werkstoff. Mit TeMaKplus wollen starke Unternehmenspartner, wie ThyssenKrupp und BMW, nun gemeinsam mit Wissenschaftlern der TU Bergakademie Freiberg neue Ziele ansteuern.

Zum ersten öffentlichen Workshop sind viele potentielle Anwender nach Dresden gekommen. Die mehr als 80 Teilnehmer fanden kaum Platz im Seminarraum des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik. Kein Wunder. Selbst große Konzerne, wie BMW, denken über den Einsatz von Magnesiumlegierungen im Fahrzeugbau nach. Schließlich ist Magnesium sehr leicht und bietet eine höhere Festigkeit als Aluminium oder Stahl. Außerdem sind seine Dämpfungseigenschaften und die elektromagnetische Abschirmung besonders gut.

Magnesiumbleche könnten in Front- und Heckklappen, Fahrzeugdächern sowie Türen und Rücksitzen eingebaut werden. In einem von mehreren Praxistests hat der Wachstumskernpartner KWD Karosseriewerke Dresden GmbH für den Münchner Autobauer eine so genannte Durchlade für den Rücksitz aus Magnesiumblech gebaut. Mit Erfolg, wie Dr. Jens Ullrich von KWD bestätigte: „Magnesium lässt sich gut verarbeiten und zeigt sich in vielen Anwendungen schon jetzt reif für die Serienproduktion.“

Reichlich Rohstoff und leichte Verarbeitung

Um die Kosten zu senken, ist es wichtig, auch recyceltes Magnesium zu nutzen. „Aus einem Kubikmeter Meerwasser lässt sich mehr als ein Kilogramm Magnesium herausholen“, so Dr. Jens Grigoleit, Koordinator des Wachstumskerns. Außerdem fallen magnesiumhaltige Verbindungen in großer Menge in der Kaliindustrie an. Als Rohstoff steckt Magnesium in dem gebirgsbildenden Mineral Dolomit, von dem es einige Vorkommen in Deutschland gibt.

So sieht das Magnesiumband aus, das in der Pilotanlage der TU Bergakademie Freiberg mit dem bei TeMaK entwickelten Verfahren des Gießwalzens hergestellt wird.

Um Magnesiumwerkstoffe effizient zu verarbeiten, haben Wissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg und der ThyssenKrupp Magnesium Flachprodukte GmbH ein ganz neues Verfahren entwickelt: das Gießwalzen. Damit konnten die Herstellungskosten von Magnesiumblech und -band so weit gesenkt werden, dass sie nur noch knapp über denen von Aluminium liegen.

Mit TeMaKplus wollen die Wachstumskernpartner nun die Wirtschaftlichkeit dieses Verfahrens weiter verbessern, um den Anforderungen der industriellen Produktion gerecht zu werden. „Der Bedarf an Leichtbauwerkstoffen steigt signifikant“, stellt Wachstumskernsprecher Dr. Hans-Peter Vogt fest.

Ob zu Lande, unter Wasser oder in der Luft, Magnesiumlegierungen sind überall gefragt. Neben der Automobilindustrie sieht TeMaKplus auch Anwendungsmöglichkeiten in der Luft- und Raumfahrttechnik. In einem Projekt mit dem neuen Partner „Kowalski Unterwasserlampen GmbH“ soll der Werkstoff sogar beim Tauchen zum Einsatz kommen.


Weitere Informationen zum Innovativen regionalen Wachstumskern TeMaKplus finden Sie hier. Über das Vorgängerprojekt TeMaK können Sie sich hier informieren.


 


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