
Am 12. Juni 2012 eröffnet das Fraunhofer IAP das „Anwendungszentrum für Innovative Polymertechnologien“ (IAP). Gleichzeitig feiert das Institut sein 20-jähriges Bestehen. Neuartige Materialien und Technologien sollen hier die Labore in Richtung Forschung und Industrie verlassen. Hightech-Polymere mit besonderen elektrischen und optischen Eigenschaften, biokompatible Materialen sowie nachwachsende pflanzliche Rohstoffe stehen im Fokus.
„Ich darf Ihnen jetzt das Mikroskop, äh, das Mikrofon übergeben, Herr Buller“ – dieser schöne Versprecher des Institutsleiters Hans-Peter Fink war quasi der Auftakt eines Tages, der sich abwechslungsreicher kaum hätte zeigen können.
Beide Geräte – Mikroskop und Mikrofon – spielten eine große Rolle an diesem Tag in Potsdam-Golm, denn das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP) ist schon wieder gewachsen. An der Bornimer Chaussee ist ein Anwendungszentrum für innovative Polymertechnologien entstanden, und dieses wurde feierlich eröffnet.
Außerdem blickte man auf 20 Jahre Polymerforschung zurück. „Und auf 20 Jahre fleißige Mitarbeiter“, wie Ulrich Buller, Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft Forschungsplanung, nicht ohne Stolz in seiner Festrede konstatiert. Er erinnert daran, dass die ersten Forscher sich im Jahr 1992 in Teltow-Seehof ansiedelten: „Wir haben hier eine Menge Gutes geschaffen.“
Hans-Peter Fink begrüßte neben vielen Wissenschaftlern, Gästen aus Politik, Kultur und Forschung auch die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg, Sabine Kunst, den Oberbürgermeister von Potsdam, Jann Jakobs, Henning Heidemanns, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten, Hans-Peter Hiepe, BMBF, und Christoph Nagel-Hirschauer, den Architekten von SSP München, der den „Kunststoff-Würfel“ gebaut hat.
Der viergeschossige Neubau bietet moderne Büros, Labore und Reinräume auf 2.800qm
Die Grüntöne des an den Bauhaus-Stil erinnernden Gebäudes passen sich der Umgebung an, denn der Campus Golm liegt im Grünen, daran besteht kein Zweifel. Doch das Forschungsthema lautet: Kunststoff. Oder, etwas technischer ausgedrückt, "Polymere". Nagel-Hirschauer macht damit klar: „So sieht man schon von außen, was innen passiert.“ In diesem Gebäude wird es um hochfeste Fasern für schnelle Autos oder organische Leuchtdioden für flache Displays gehen.
Die Wissenschaftsministerin lobte die Arbeit des Fraunhofer-Instituts. Sie sprach von einer Erfolgsgeschichte. „Es hätte keiner gedacht, dass es sich so entwickelt“, so Kunst. Und zählte auf, was hier alles hergestellt wird: Folie für Chipkarten, biobasierte Fasern für den Leichtbau, Implantate für die Zahnheilkunde und künstliche Hornhäute als Augenimplantate. Letztere Entwicklung, kaum größer als ein Fingernagel, verspricht, die Sehkraft um 40 Prozent steigern zu können.
Lobte die Erfolgsgeschichte des Fraunhofer IAP: Sabine Kunst, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg
Vor drei Jahren begannen die Tests mit künstlichen Hornhäuten am menschlichen Auge – mit Erfolg. Aber das ist nicht alles: Auch die biobasierten Verpackungsmaterialien dürften für großes Interesse sorgen.
Wichtig war der Ministerin auch, noch einmal hervorzuheben, wie sehr das Zentrum in Golm die Wettbewerbsfähigkeit der ganzen Region vergrößert, und Institutsleiter Fink ergänzte, dass es hier um angewandte, industrienahe Forschung geht, die mit weltweiten Partnern kooperieren kann.
Der Bürgermeister von Potsdam freut sich indessen darüber, dass der Zuzug nach Potsdam einfach nicht aufhören will und damit das junge und kulturelle Leben in der Stadt weiter floriert.
Bei einem anschließenden Rundgang konnte sich das interessierte Publikum von den weiteren Fachgebieten in den neuen Räumlichkeiten einen Eindruck verschaffen: Es ging zum Beispiel um Weizenkleie, Fichte und Hafer, die zur Polymerherstellung aufbereitet werden.
Die Pilotanlage für organische Elektronik ist der Stolz des Hauses, denn die Fraunhofer haben sich nichts Geringeres als die ganzheitliche Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen auf die wehenden Fahnen geschrieben.
Die Vorträge am Nachmittag rundeten den Tag ab und verdeutlichten einmal mehr, dass Zentren wie dieses für den Erfolg eines Landes unabdingbar sind, denn auch mit dem Thema Solartechnik – momentan in aller Munde – setzt man sich hier auseinander. Fazit: Im IAP Potsdam-Golm findet nachhaltige Forschung statt!