
Die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg ist Heimat einer kontinuierlich wachsenden Sicherheitswirtschaft. Mehr als 250 Unternehmen mit rund 27.000 Mitarbeitern erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von drei Milliarden Euro. Im Fokus stehen dabei die Entwicklung und Herstellung von Sicherheitstechnik und die Sicherheitsdienste in Form von Beratung sowie Objekt- und Wachschutz. Mit einem Innovationsforum wurde jetzt herausgearbeitet, welche Neuerungen in der Branche gefragt sind.
Nur ein Summen liegt in der Luft. Die sechs Rotorblätter der Drohne drehen sich nach wenigen Sekunden schon so schnell, dass sich das unscheinbare Luftfahrzeug senkrecht nach oben bewegt. Mit einer HD-Kamera ausgestattet liefert die Drohne nun eine Stunde lang aus einer Höhe von bis zu 50 Metern gestochen scharfe Live-Bilder auf die Steuerstation am Boden. Gut kann man erkennen, wie sich der Menschenstrom der Mitarbeiter in der Wissenschaftsstadt Berlin-Adlershof zu den großen Kreuzungen und Haltestellen bewegt und wo potenzielle Gefahrenstellen für die Fußgänger und Radfahrer lauern. Der Blick von oben schafft einen Überblick, der in sicherheitsrelevanten Momenten den Akteuren noch zu oft fehlt.
Diese Drohne wurde ursprünglich für das Militär entwickelt. Eingesetzt wird sie heute mit Kameratechnik, z.B. von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk.
Prof. Dr. Uwe Meinberg, Initiator des Innovationsforums „ISI4people – Integrative Technologien und Systeme für die Sicherheit von Personen in intelligenten Infrastruktursystemen“ und Inhaber des Lehrstuhls Industrielle Informationstechnik an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) in Cottbus, bemerkte schon bei der Vorbereitung des sechsmonatigen Innovationsforums: „Wie Sicherheit in großen Infrastrukturen auf Flughäfen, Bahnhöfen oder bei großen Events organisiert ist, wird nicht gern öffentlich diskutiert. Umso wichtiger ist die Möglichkeit, unter Fachleuten aus Wissenschaft und Wirtschaft bei solch einem Forum den Innovationsbedarf herauszuarbeiten.“
Diesem Ziel widmeten sich unterschiedliche Experten in Berlin, wie z.B. der Leiter Sicherheit der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Ingo Tederahn, der ehemalige Generalbevollmächtigte Security Management der Fraport AG, Volker Zintel, und Prof. Dr. Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen.
Schnell wurde beim Forum klar, dass es zwischen „Safety“ und „Security“ deutliche Unterschiede der Interessen gibt. Während es beispielsweise auf einem Flughafen für die Polizei wichtig ist, potenzielle Gefahren schnell zu erkennen und zu bekämpfen, legt der Flughhafenbetreiber Wert auf eine reibungslose Abfertigung der Passagiere. So verwundert es nicht, dass dort mit verschiedenen Leitstellen gearbeitet wird, deren Informationen im Notfall auch erst einmal zusammen geführt werden müssen.
Volker Zintel kann davon ein Lied singen: „Jeden Tag werden rund 1.300 Flüge mit 155.000 Passagieren, 80.000 Gepäckstücken und 6.000 Tonnen Fracht in Frankfurt am Main abgefertigt. 120 Airlines sind vor Ort, 68.000 Mitarbeiter mit sicherheitsrelevanten Ausweisen befinden sich täglich auf dem Gelände. Diese Situation schreit geradezu nach permanenten technischen Innovationen, die Prozesse automatisieren und den Risikofaktor Mensch immer weiter reduzieren.“
Dass aber auch der menschliche Faktor beim Thema Sicherheit eine große Rolle spielt, ist für Ingo Tederahn keine Frage: „Durch regelmäßige Befragung unserer Fahrgäste wissen wir, dass vor allem die Präsenz von Sicherheitsdiensten und Polizei auf den Bahnhöfen und in den Fahrzeugen sehr wichtig ist.“, betont der BVG-Sicherheitsleiter. In Kombination mit der konsequent ausgebauten Videotechnik zur Beobachtung von Bahnsteigen, Bussen und Straßenbahnen sei die gefühlte Sicherheit bei den Fahrgästen gestiegen, hob er hervor. 1.150 Kameras auf 173 Bahnhöfen, 549 Notruf-Säulen und die Präsenz von über 700 Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes im BVG-Netz seien eine notwendige Investition, die noch nicht abgeschlossen ist.
Innovationsbedarf herrscht in der Branche, darüber bestand am Ende des Forums kein Zweifel. Seine Bandbreite erscheint jedoch noch etwas unübersichtlich. Dies nimmt Initiator Uwe Meinberg zum Anlass, zunächst in zwei Richtungen weiter zu forschen und zu arbeiten: Die Möglichkeiten des Drohneneinsatzes bei Einsätzen von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk sind ein wichtiges Forschungsfeld. Hier könnte zukünftig der Einsatz von „Minidrohnen“ zum einen der Leitung mehr Überblick geben. Zum anderen könnten sie aber beispielsweise auch Verschüttete oder Eingeschlossene entdecken und sicher aus der Gefahrenzone leiten.
Ein weiteres Innovationsfeld wird auch künftig die Simulation von Notfallszenarien sein, z.B. in großen Einkaufszentren. Um Menschenleben im Brandfall oder bei Anschlägen zu schützen bzw. zu retten, sei es laut Professor Meinberg außerordentlich wichtig, eine realitätsnahe Simulation dieser kritischen Situationen zu erreichen. Dafür sieht er eine Zusammenarbeit mit Soziologen und Psychologen als unbedingt notwendig an, um die Varianten des Gruppenverhaltens mit abzubilden.
Die Unternehmen der Sicherheitswirtschaft und die zum Thema tätigen Forschungseinrichtungen der Hauptstadtregion haben noch einen spannenden Weg vor sich.
Nähere Informationen zum Innovationsforum „ISI4people – Integrative Technologien und Systeme für die Sicherheit von Personen in intelligenten Infrastruktursystemen“ finden Sie hier.
(URL: http://www.unternehmen-region.de/de/5713.php)