Im Blickpunkt

Thüringer Tintenfische im Tiefflug

Mit sogenannten SQUIDs haben Geophysiker und Geologen begonnen, das Thüringer Becken zu vermessen. SQUID hat in dem Fall nichts mit dem englischen Begriff für Tintenfisch zu tun, sondern steht für Supraleitende Quanten-Interferenz-Detektoren. Die in Jena entwickelten Geräte sind mit den empfindlichsten Magnetfeldsensoren der Welt ausgestattet. Das Projekt gehört zum Forschungsvorhaben INFLUINS (Integrierte Fluiddynamik in Sedimentbecken). Deren Mitarbeiter trafen sich jetzt zur Sommerklausur im Thüringischen Oppurg.

Außen eine Mischung aus Fisch und Insekt, innen einzigartige Technik: das Messinstrument SQUID mit den empfindlichsten Magnetsensoren der Welt

Insgesamt zwölf interdisziplinäre Projektgruppen mit über 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gehören zu INFLUINS. Deshalb ist es wichtig, sich regelmäßig auszutauschen. Ihr Ziel: die Untersuchung tiefer und flacher Fluidsysteme sowie deren mögliche Wechselwirkungen. Dabei helfen auch SQUIDs. Aus der Luft messen die Geräte Abweichungen im Erdmagnetfeld und liefern den Geophysikern und Geologen wertvolle Informationen über unterirdische Wasser- und Stoffströme. Das Messinstrument wird von einem speziell ausgerüsteten Hubschrauber der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gezogen. So kann es in etwa 30 Metern Höhe seine Bahnen ziehen.

Mit den so gewonnenen Daten werden das Thüringer Becken und seine Randbereiche magnetisch kartiert. „Wir messen Verzerrungen im Erdmagnetfeld, die uns Aufschluss darüber geben, wo sich Wasser entlang von geologischen Strukturen bewegt“, erläutert Dr. Ronny Stolz, der das Flugprojekt leitet. Die SQUIDs haben Wissenschaftler am Institut für Photonische Technologien (IPHT) und seiner Ausgründung SUPRACON entwickelt. Das Messsystem ist so konstruiert, dass es selbst kleinste lokale Abweichungen vom homogenen Erdmagnetfeld aufzeichnet. Bis Oktober wird das Fluggerät noch unterwegs sein. Die dann gewonnenen Ergebnisse sollen bereits durchgeführte seismische und geochemische Messungen ergänzen.

Die Bewegungen des Wassers

Über die bisherigen Arbeiten berichteten Vertreter der einzelnen Projektgruppen auf ihrer Sommerklausur in Oppurg. Unter anderem haben sie Gesteine des Thüringer Beckens geochemisch untersucht, um Aufschluss über die paläogeologische Entwicklung der unterirdischen Wasserbewegungen zu bekommen. Aktuelle Schwankungen im Grundwasserspiegel untersucht ein INFLUINS-Team mithilfe von Satellitenbildern. Selbst Erdabsenkungen in früheren Bergbaugebieten können auf diese Weise erkannt werden. Auch während der Forschungsbohrung ist es geplant, die Bewegungen des Bodens mit Satellitendaten zu erfassen. Die Bohrung mit den dazugehörigen Messungen ist ein zentrales Projekt von INFLUINS. Sie soll Ende des Jahres sattfinden. Ein riesiger Spezialbohrer wird dann im Zentrum des Thüringer Beckens, in Erfurt, über 1.000 Meter tief in die Erde eindringen. Am Ende werden alle Daten zu einem dreidimensionalen Modell des Untergrunds zusammengefügt. Gemeinsam mit ihren nationalen und internationalen Partnern leisten die Thüringer damit einen wichtigen Beitrag für Zukunftsthemen wie Geothermie und Trinkwasserversorgung.

 

Nähere Informationen zur Spitzenforschung-und-Innovation-Initiative INFLUINS finden Sie hier.


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