Im Blickpunkt

Stentinnovationen bei REMEDIS für mehr Lebensqualität

Wie soll der Stent der Zukunft für das Herz-Kreislauf-System aussehen? Welche Ansprüche muss ein innovativer Stent zur Behandlung des Grünen Star erfüllen? Und was kann ein Mikroimplantat in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde bewirken? Der Rostocker Forschungsverbund REMEDIS hat führende Experten zu einem Forschungsupdate eingeladen, um den Nerv der Zeit auf dem Gebiet der Stentinnovationen aufzuspüren.

Seit drei Jahren arbeiten die Rostocker Biomedizintechniker mit Medizinern und Ingenieuren in der Spitzenforschung-und-Innovation-Initiative REMEDIS an Stentinnovationen. Ihr Ziel: mehr Lebensqualität des Menschen im Zeitalter der zunehmend alternden Bevölkerung.

Im Fokus der Forschung und Entwicklung stehen Wirkstofffreisetzungssysteme bei abbaubaren Stents. Auf allen Anwendungsgebieten sehen die Ärzte hier die Zukunft. Einiges hat REMEDIS schon erreicht: Z.B. konnten die Oberflächen von Stents modifiziert werden, um unterschiedliche Medikamente im Inneren und Äußeren des Implantats aufzubringen.

Dadurch sollen die Risiken einer Stentimplantation reduziert werden, berichtet Professorin Katrin Sternberg, Sprecherin von REMEDIS und stellvertretende Leiterin am Institut für Biomedizinische Technik der Universität Rostock.

Stents werden vor allem in der Herzmedizin eingesetzt. Hier wurden auch in den vergangenen Jahrzehnten die meisten Fortschritte in Forschung und Entwicklung gemacht. Doch bei der Behandlung der verengten Herz-Kranzgefäße mit Stents gibt es nach wie vor das Risiko der Restenose, der erneuten Verengung eines Blutgefäßes des Herzens, und der Stentthrombose, wie Professor Hüseyin Ince, Kardiologe in der Universitätsmedizin Rostock, weiß.

Das Ziel der Kardiologen ist es, Stents einzusetzen, die diese Risiken verringern oder gar ausschließen. Im REMEDIS-Verbund arbeitet Ince daran, diesem Ziel mit der Entwicklung von bioabsorbierbaren, d.h. sich selbst auflösenden Stents näher zu kommen.

Unter Beteiligung der Greifswalder Pharmakologen und Pharmazeuten wird die Medikamentenverteilung bei innovativen Mikroimplantaten weiterentwickelt. Hierzu hat die Arbeitsgruppe um den Pharmazeuten Professor Werner Weitschies im Greifswalder interdisziplinären Forschungszentrum C_DAT Modelle zur Prüfung der Wirkstoffverteilung im Glaskörper des Auges entwickelt. Medikamentenbeschichtete Implantate zur Glaukomtherapie werden hier unter in-vivo-Bedingungen getestet.

Neue Therapieansätze bei Glaukompatienten

Der Grüne Star,  auch Glaukom genannt, macht 15 Prozent der Blindheitssursachen aus. Dies ist eine Augenkrankheit, bei der sich in Folge einer Abflussstörung Flüssigkeit im vorderen Auge ansammelt und zu einem erhöhten Augendruck führt, der im schlimmsten Fall eine Erblindung verursachen kann. Hilfe bringt bisher ein Glaukom-Drainage Implantat (GDI), das den Augendruck absenkt.

Leider kommt es nach der Implantierung häufig zu einer Abkoppelung des GDI, was eine erneute OP nötig macht, berichtet der Gastredner Professor Hagen Thieme von der Universitätsaugenklinik Mainz. Thieme sieht hier dringenden Forschungsbedarf in der Beschaffenheit der Oberfläche dieser Implantate und der Medikamentenfreisetzung, um die Situation für Arzt und Patient zu verbessern. Thieme beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Glaukom. Er wird im Dezember Direktor der Universitätsaugenklinik Magdeburg und will dort ein führendes Glaukomzentrum aufbauen.


Hoffnung für Glaukompatienten: Stent im Auge

Neue vielversprechende Therapieansätze aus der REMEDIS-Forschung konnte der Direktor der Universitätsaugenklinik Rostock, Professor Rudolf Guthoff, vorstellen. Seine Arbeitsgruppe entwickelt einen neuartigen Glaukomstent, der die Flüssigkeit aus dem vorderen Auge ablaufen lässt und den Augendruck verringert. Dieser Mikrostent ist derzeit in der Phase der in vivo-Testung am Kaninchenauge. "Sollte durch einen medikamentenbeschichteten Drug-Eluting-Stent im Auge ein dauerhafter Abfluss der Augenflüssigkeit ermöglicht werden, so wäre die GDI-Basisplatte nicht mehr nötig", sagt Guthoff.

Als Erste ganz vorn

Der Forschungsverbund REMEDIS will zu den Ersten gehören in der Stententwicklung und dies will er durch Konzentration erreichen: "Wir arbeiten so effektiv wie möglich und so komplex wie nötig". So beschreibt Katrin Sternberg ihre Koordinationsstrategie auf den Punkt gebracht.

Für ihre Arbeit bei REMEDIS erhält sie hohe Anerkennung von Dr. Stefan Rudolph, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Bau und Tourismus Mecklenburg-Vorpommern. "Wir brauchen mehr Innovationen, wir müssen ausscheren und irgendwo die Ersten sein", so Rudolph. "Durch gezielte Forschungsförderung wollen wir dem Land seine Unverwechselbarkeit wiedergeben, die es verdient!" REMEDIS sei ein Lehrbeispiel für die optimale Verbindung von Grundlagenforschung mit der Anwendung.

 

Weitere Informationen über die Spitzenforschung-und-Innovation-Initiative REMEDIS finden Sie hier.


nach oben