Im Blickpunkt

Brücken der Forschung oder: Seite an Seite

Plasmatis, FunGene und HIKE, die drei Greifswalder Zentren für Innovationskompetenz (ZIK), liegen nicht nur räumlich, sondern auch fachlich eng beieinander. Was vor zwei Jahren mit einem gemeinsamen Stammtisch der Nachwuchsgruppenleiter/-innen anfing ist nun auf einem zweitägigen Workshop zu einer strukturierten Zusammenarbeit angewachsen. Das Ziel: der wissenschaftliche Austausch, der Ausbau begonnener Kooperationen und das Identifizieren gemeinsamer Forschungsziele.

Wenn Dr. Kai Masur, Nachwuchsforschungsgruppenleiter vom ZIK plasmatis, aus dem Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie Greifswald e.V. (INP) heraustritt, geht er höchstens fünf Minuten, dann ist er bei seinen Universitätskollegen vom ZIK FunGene. FunGene analysiert die Veränderungen bakterieller und humaner Proteine aufgrund von Infektionsprozessen mithilfe der Proteomik und verfügt auf diesem Gebiet mittlerweile über internationales Renommee.

Mit gebündelten Expertisen in die Zukunft

Dieses Wissen soll nun auf die mit Plasma behandelten Zellen des ZIK plasmatis übertragen werden. Die beiden ZIK wollen gemeinsam herausfinden, was genau mit dem Proteom nach oxidativem Stress passiert. Oxidativer Stress bedeutet den Einfluss erhöhter Sauerstoffkonzentration, die die Zellstrukturen teilweise sogar zerstören kann. Er verändert die Eigenschaften der Zellmembranen, Proteine, Enzyme, kann das Erbgut schädigen und ist am Alterungsprozess beteiligt.

„Die Zusammenarbeit mit Falko Hochgräfe vom ZIK FunGene zeigt erste Erfolge im methodischen Bereich, die zu neuen Erkenntnissen führen und aus der letztlich auch eine gemeinsame Publikation hervorgehen wird“, erzählt Masur. Und noch eine Frage wollen die Plasmamediziner gemeinsam mit den Proteomforschern klären: Kann man intrazellulär lebende Parasiten durch Plasma abtöten, und wie wird dabei die Wirtszelle verändert?

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Greifswalder ZIK bei ihrem Kooperationstreffen auf der Insel Rügen


 

Drei ZIK in nächster Nähe

Auch der Weg zum ZIK HIKE ist nicht weit. Die HIKE-Nachwuchsgruppen untersuchen die molekularen Ursachen von Immunkrankheiten, die zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Hier hat der plasmatis-Mitarbeiter Dr. Malte Hammer aus der Nachwuchsgruppe von Dr. Stephan Reuter gute Kontakte aufgebaut. Bei einem gemeinsamen Grillabend auf der Dachterrasse des INP im August vergangen Jahres hatte Malte Hammer seinen ehemaligen Kooperationspartner Dr. Raghavendra Palankar, jetzt Forscher beim ZIK HIKE, wiedergetroffen. Schnell stellten sie fest, das HIKE über ein Gerät zur Messung des sogenannten Zeta-Potentials – einem Maß für die Oberflächenladung – verfügt. Die Woche darauf stattete Hammer seinem neuen und alten Kollegen einen Besuch ab und führte die ersten Messungen der Oberflächenladungen an Liposomen durch. Der Gegenbesuch der HIKE-Forscher ließ nicht lange auf sich warten, schon bald wurden Raman-Messungen beim ZIK plasmatis durchgeführt.

Somit konnten nicht nur alte Bekanntschaften aufgefrischt und neue Kooperationen aufgebaut werden, sondern auch die Geräte der jeweiligen ZIK zum gegenseitigen Nutzen und Erkenntnisgewinn eingesetzt werden. Durch diese gegenseitige Unterstützung mit Geräten und den damit verbundenen Expertisen steht nun allen ZIK ein erweitertes Methodenspektrum zur Verfügung, ohne das zusätzliche Kosten entstanden sind.

Auch die ZIK FunGene und HIKE verbindet zwei gemeinsame Projekte. Eines davon beschäftigt die Arbeitsgruppe „Zellantwort“ von HIKE und die Arbeitsgruppe „Angewandte Proteomik“ von FunGene. Mit der neuen Methode der bildgebenden Durchflusszytometrie kann die Aufnahme von Staphylococcus aureus-Bakterien, einem Erreger von gefährlichen Infektionen, in humane Epithelzellen bestimmt werden.

Die plasmatis-Initiative stieß auf offene Ohren

Der Initiative von plasmatis ist es zu verdanken, dass es zu dieser Zusammenarbeit kam. „Wir wollten als außeruniversitäre Einrichtung engeren Kontakt zur Universität und zu den universitären ZIK FunGene und HIKE“, beschreibt Masur die anfängliche Intention.

Ein zweitägiger Workshop im April 2013 auf der Insel Rügen mit 30 Postdocs und Doktoranten hat die drei ZIK jetzt noch enger zusammengebracht. Zunächst wurden die Themen und Methoden der einzelnen Nachwuchsgruppen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorgestellt. Entscheidend war dann der vertiefende Teil, die Präsentation der bereits existierenden Kooperationen zwischen den ZIK. Es wurden Termine vereinbart, um die einzelnen Kooperationen noch klarer zu definieren und besser zu planen, so dass sehr bald mit weiteren Ergebnissen der Zusammenarbeit zu rechnen ist.


Weitere Informationen zum Greifswalder ZIK plasmatis finden Sie hier. Hier erhalten Sie nähere Informationen zum ZIK FunGene. Mehr zum ZIK HIKE finden Sie hier.


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