Zwanzig20 - Partnerschaft für Innovation

RESPONSE – Partnerschaft für Innovation in der Implantattechnologie

Der Problemraum

Die zukünftige Gesundheitsversorgung wird nicht nur durch die nationale und internationale wirtschaftliche und politische Entwicklung sowie die Arbeitsmarkt- und Einkommenssituation, sondern auch durch die demografische Entwicklung unter Veränderung des Krankheitsspektrums und gesundheitsrelevanter Verhaltensweisen bestimmt. Die vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vorgelegten Vorausberechnungen gehen von einer weiterhin steigenden Lebenserwartung der deutschen Bevölkerung aus. Neben der Aussicht auf ein längeres Leben folgt aus der demografischen Entwicklung unter Zunahme der älteren Bevölkerungsschichten eine Vielzahl von Herausforderungen, die verbunden mit der Notwendigkeit einer immer besseren Patientenversorgung auch weit in die Medizintechnik hineinreichen. Eine besondere Herausforderung stellt die Behandlung von immer älteren, teilweise auch multimorbiden Patienten dar.

In diesem Zusammenhang spielen Volkskrankheiten eine besondere Rolle, da sie den Gesundheitszustand der Betroffenen nicht nur durch die Krankheit an sich, sondern auch in Verbindung mit Folge- und Begleiterkrankungen stark beeinträchtigen sowie aufgrund ihrer Verbreitung starke wirtschaftliche und soziale Auswirkungen haben. Die mit der Multimorbidität einhergehenden Einschränkungen stellen jedoch kein unausweichliches Schicksal der alternden Bevölkerung dar. Sie sind vielmehr mit effektiven und schonenden Therapien, die auch den Implantatsektor betreffen, und entsprechenden Pflegekonzepten in vielen Fällen vermeidbar oder deutlich reduzierbar. Abgesehen von der Notwendigkeit der Therapie zunehmend multipler Erkrankungszustände besteht eine weitere Herausforderung für die Medizintechnik darin, dass aufgrund der erreichten Fortschritte in der Implantattechnologie die unter dem heutigen Blickwinkel als „jung“ behandelten, etwa 50- bis 60-jährigen Patienten ein hohes Lebensalter erreichen können und somit zusätzliche operative Eingriffe zur wiederholten Implantaterneuerung erforderlich sind.

Die Ziele

Innovative Medizintechnik bietet große Zukunftspotenziale für die Gesundheitsversorgung und gesellschaftliche Wertschöpfung, indem sie noch stärker als bisher die Forschungs- und Entwicklungsstrategien am medizinischen Bedarf ausrichtet, die mit der demografischen Entwicklung einhergehenden Herausforderungen berücksichtigt und somit wichtige Beiträge für eine bessere Patientenversorgung und für mehr Lebensqualität bis in das hohe Alter leistet. Durch die intersektorale Kooperation der Akteure des Initialkonsortiums „RESPONSE - Partnerschaft für Innovation in der Implantattechnologie“ aus Wissenschaft und Wirtschaft auf dem Gebiet der Medizintechnik und Innovationsforschung sowie von Vertretern der Zulassungsstellen und Kostenträger bietet RESPONSE die Chance, Medizinprodukte-Entwicklungen innerhalb der gesamten Translationskette effizient umzusetzen und somit die Innovationsprozesse zu beschleunigen.

Die thematischen Schwerpunkte

In RESPONSE werden klinisch relevante Therapien mit innovativen Implantaten angestrebt, die zu einer Entlastung des Gesundheitssystems bei der Behandlung von Volkskrankheiten und der Versorgung multimorbider Patienten führen. Das bedeutet einerseits, dass Implantate entwickelt werden, die durch implantat- und gewebespezifische Oberflächenmodifikationen die initiale, implantatbedingte Fremdkörperreaktion minimieren, die Einheilung der Implantate und die damit einhergehende Geweberegeneration fördern sowie nachteilige zelluläre Reaktionen, die zum frühzeitigen Implantatversagen führen können, verhindern. Außerdem sollen responsive Implantatoberflächen, unter anderem zur stimulusinduzierten, lokalen Wirkstofffreisetzung, entwickelt werden. Als externe Stimuli sind im Zusammenhang mit einer Implantatanwendung beispielsweise Temperatur- bzw. pH-Wertveränderungen oder das Vorhandensein spezifischer Enzyme oder Antigene in der Implantatregion relevant. Dies ist bei Implantaten besonders vorteilhaft, da dadurch beispielsweise erst entzündungshemmende oder antibakterielle Wirkstoffe freigesetzt werden, wenn tatsächlich eine Entzündung oder bakterielle Infektion in der Implantatregion vorliegt. Somit kann gewährleistet werden, dass sich das Wirkstoffdepot nicht durch einen rein diffusionskontrollierten Freisetzungsprozess unter Zutritt des in der Implantatregion vorherrschenden physiologischen Mediums verbraucht, bevor dies wirklich erforderlich ist.

Weiterhin wird ermöglicht, dass der Mediziner im klinischen Akutfall das Implantat mit einer zusätzlichen, extern erzeugbaren Funktion ausstatten kann. Diese wäre beispielsweise bei gut von außen zugänglichen Implantaten im Ohr und Auge von außerordentlichem Vorteil. Darüber hinaus sollen die Implantate im Falle der Notwendigkeit von Revisionen hinsichtlich ihrer leichteren Erneuerbarkeit weiterentwickelt werden. Der Erfolg von Revisionsimplantaten ist bereits heute in der Endoprothetik durch modulare Prothesensysteme deutlich erkennbar, so dass Anhaltspunkte vorliegen, die eine Übertragung dieser Strategien auch auf andere im Rahmen von RESPONSE beabsichtigte Implantatanwendungen erlauben. Die Unternehmen in RESPONSE sollen dadurch in die Lage versetzt werden, ihre Positionen in Markt und Wettbewerb weiter auszubauen.

Die Partner

Das RESPONSE-Konsortium führt 13 Partner aus wissenschaftlichen Einrichtungen und 12 Partner aus hoch spezialisierten Industrieunternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen.

Kontakt

Dr.-Ing. habil. Niels Grabow (Sprecher)
Universität Rostock/Universitätsmedizin
Institut für Biomedizinische Technik
Friedrich-Barnewitz-Straße 4
18119 Rostock-Warnemünde
Tel.: 0381 54345-501
E-Mail: ibmt[at]uni-rostock.de 
Internet: www.response.uni-rostock.de

 

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