Im Blickpunkt

„Spitzenforschung in den Neuen Ländern“ – Bilanzworkshop in Berlin

Unter der Dachmarke „Unternehmen Region“ läuft seit 2008 das vom BMBF initiierte und geförderte Programm „Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern“. Dessen 17 Initiativen kamen am 12. September 2013 zu einem Bilanzworkshop in Berlin zusammen. „Im Bewertungszeitraum 2012 konnten sie sich alle in ihrer Entwicklung sichtbar und erfolgreich profilieren“, so die Einschätzung von Hans-Peter Hiepe vom BMBF. Die bisherige Gesamtbilanz: 85 Patente, 93 Promotionen, 1.360 wissenschaftliche Veröffentlichungen, 2.000 Vorträge und Auszeichnungen, 6 Ausgründungen.

Im vierten Jahr seiner Laufzeit habe das Programm „Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern“ bewiesen, bilanziert Hans-Peter Hiepe, dass seine Initiativen erfolgreich auf die ausgewiesenen Ziele zusteuern: Die Einflussnahme auf Strategieentscheidungen der Hochschulen, der Ausbau des Praxisbezuges zur Wirtschaft durch Etablierung neuer Industrieprojekte, Institutsgründungen und Gründungen von wissenschaftlichen Zentren sowie interdisziplinäre Kooperationen würden mehr und mehr sichtbar.

Hans-Peter Hiepe vom BMBF begrüßte die Vertreter der Initiativen und zog Bilanz.
Exzellente Forschung müsse ihre Anwendung auch in den kleinen und mittelständischen Betrieben finden, formulierte Andreas Tünnermann von der Jenaer Initiative Kompetenzdreieck Optische Mikrosysteme einen Anspruch, der für die meisten KMU-geprägten Regionen in den Neuen Ländern gilt. Sein Forscherteam bewegt sich auf dem Zukunftsfeld „Energie und Klimaschutz“, hat dabei aber auch die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung im Fokus. „Wir haben gelernt“, sagt Tünnermann, „intensiv mit Kollegen aus anderen Disziplinen auch über Universitätsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten.“

Die Rostocker Initiative REMEDIS beispielsweise bewegt sich bei der Entwicklung neuartiger Mikroimplantate für den menschlichen Organismus an der Schnittstelle zwischen Medizin-, Natur- und Ingenieurwissenschaften. Wenn es in der Greifswalder Initiative Campus PlasmaMed darum geht, der Plasmamedizin neue Anwendungsbereiche zu erschließen, arbeiten Physiker, Mediziner, Zell- und Mikrobiologen zusammen. VIERforES, die Magdeburger Initiative auf dem Gebiet der Maschinenbau- und Medizinrobotik, hat sehr interessierte Kooperationspartner sogar in Bulgarien und Thailand. Und der auf ihre Initiative neu eingerichtete internationale Masterstudiengang Digital Engineering an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg kann sich wachsender Studentenzahlen erfreuen. ProNet-T3, das Protein-Kompetenznetzwerk aus Halle, konnte 2012 zehn Industriekooperationen abschließen und gründete gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft die BTI-Forschungs GmbH als Reaktion auf die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft.

Praxis- und bedarfsorientierte Forschung

Das Berlin Institute for Medical Systems Biology verspricht sich von seiner Ansiedlung mitten auf dem neuen „Lebenswissenschaftlichen Campus“ der Humboldt-Universität Berlin einen regen Wissensaustausch. Die weltweit agierende Berliner Initiative PVcomB sieht auf dem wachsenden Markt der Photovoltaik ihre Chancen und baut ihr Kompetenzzentrum für Dünnschicht- und Nanotechnologie für Photovoltaik weiter aus. Der Potsdamer Forschungs- und Technologieverbund PROGRESS arbeitet praxis- und in hohem Maße bedarfsorientiert an völlig neuen Angeboten des Echtzeit-Monitorings, z.B. an einem radargestützten Hochwasser-Monitoring. Zudem werden Großsimulatoren für Ausbildungsveranstaltungen hinsichtlich des Verhaltens in extremen Geo-Situationen ausgestattet.

Alle 17 geförderten Initiativen waren in Berlin dabei und nutzten die Pausen zum Erfahrungsaustausch.
INFLUINS aus Jena hat auf seinem Weg zu einem neuen Grundwasserproben-Entnahmesystem gerade eine Forschungsbohrung erfolgreich abgeschlossen. Dass sich innerhalb eines Forschungszeitraumes auch die öffentliche Meinung zum Forschungsthema ändern kann, erlebt der Potsdamer Forschungsverbund GeoEn hinsichtlich seiner Thematik „Geo Energie – sichere Zukunft durch heimische Energie“. In der Prozesskette Abscheidung-Transport-Nutzung von Co2 ist auch die Co2-Speicherung ein Thema – „ein momentan sehr kontrovers diskutiertes Thema“, weiß Magdalena Scheck-Wenderoth und vertritt den Standpunkt, dass Forscher den jeweiligen Zeitgeist nicht einfach ignorieren könnten.

„Gibt es Initiativen, die aufgrund veränderter Rahmenbedingungen ihre Forschungsarbeiten und Fragen angepasst haben?“ Für den BMBF-Vertreter Hiepe liegt es nahe, diese Frage in der abschließenden Podiumsdiskussion zu stellen. Aus dem Auditorium wird ihm bestätigt, dass ein Ziel manchmal neu bestimmt werden müsse.

Es zeige sich also auch, resümiert Hiepe, dass die Spitzenforscher in den Neuen Ländern neu navigieren, wenn sie erkennen, dass ein eingeschlagener Weg nicht zum gewünschten Erfolg führt. Das BMBF, so Hiepe, könne dieses Handeln nur unterstützen. „Eine Strategie ist auch dazu da, kontrolliert von ihr abweichen zu können“, lautet seine Ermunterung mit Augenzwinkern. Was von zwei ausgewiesenen Experten durchaus bekräftigt wird. Winfried Benz, Generalsekretär des Wissenschaftsrates a.D., und der Direktor des Instituts für Hochschulforschung Halle-Wittenberg Peer Pasternack halten das Programm „Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern“ für ein wirkungsvolles Strukturinstrument, das obendrein dem exzellenten Nachwuchs in den neuen Ländern Karrieremöglichkeiten in der Forschung eröffne.


Weitere Informationen zu den im Rahmen des Programms "Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern" geförderten Projekten finden Sie hier.


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