Im Blickpunkt

Bessere Therapiemöglichkeiten durch höhere Präzision

In Dresden ist das neue Domizil des „Nationalen Zentrums für Strahlenforschung in der Onkologie – OncoRay“ feierlich eingeweiht worden. Gemeinsam mit den federführenden Vertretern des ZIK OncoRay drückten Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka und der Sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich symbolisch den Knopf zum Start des Protonenbeschleunigers. Mit den damit erzeugten Protonenstrahlen sollen schon im nächsten Jahr Krebspatienten behandelt werden.

Damit der Protonenstrahl vom Teilchenbeschleuniger in höchster Präzision zum Patienten gelangt, wird er von über 50 Quadrupol- und Dipolmagneten geleitet.
Es ist das erste Protonentherapiegerät im Osten Deutschland. Besonders geeignet ist diese spezielle Strahlenbehandlung bei Tumoren im Hirn oder in der Nähe des Rückenmarks, die mit ultraharter Röntgenstrahlung nur schwer zu therapieren sind. Der Grund dafür: Photonen, die für die Röntgenstrahlung genutzt werden, wirken bereits auf dem Weg durch den Körper. So können die Strahlen auch gesundes Gewebe in Mitleidenschaft ziehen. Protonen hingegen lassen sich viel gezielter einsetzen. Sie entfalten ihre volle Kraft erst im Tumor. Die Nebenwirkungen von Strahlentherapien werden auf diese Weise wesentlich reduziert und es ist möglich, den Tumor mit viel höheren Dosen zu bestrahlen als bisher. Damit steigen die Heilungschancen. Das macht Hoffnung im Kampf gegen den Krebs, der nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache in Deutschland ist. 450.000 Neuerkrankungen gibt es hierzulande jedes Jahr. Fast die Hälfte der Patienten stirbt. Ziel der Dresdner ist es, den Einsatz der Protonentherapie auf weitere Krebsarten auszuweiten.

Neue Ideen für die Strahlentherapie der Zukunft

Startschuss für den Protonenbeschleuniger: Prof. Sabine von Schorlemer, Stanislaw Tillich, Prof. Johanna Wanka, Helma Orosz, Prof. Roland Sauerbrey, Prof. Michael Baumann, Prof. Otmar Wiestler, Prof. Jürgen Mlynek (v.l.n.r.)(Bild: Matthias Rietschel)
„Innovative Entwicklungen kommen hier umgehend denen zugute, die Hilfe brauchen: Menschen, die an Krebs erkrankt sind.“ Dessen ist sich der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich sicher. „Das neue Protonentherapiezentrum wird die Strahlenforschung in Dresden voranbringen. Damit sind wir einen wichtigen Schritt weiter in der Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen“, meint Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka zur Eröffnung des weltweit einmaligen Forschungszentrums. Künftig werden hier rund 150 Ärzte und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, der gleichnamigen Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden sowie des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) unter einem Dach zusammenarbeiten. Patientennah und ohne kommerzielle Zwänge wollen sie hier eine neue Dimension der schonenden Strahlentherapie erschließen.

Mit der Förderung des ZIK OncoRay seit mittlerweile elf Jahren wurde der Grundstein für dieses außergewöhnliche Forschungshaus gelegt. Der Bau ist nun vor allem aus Mitteln der Landesexzellenzinitiative Sachsen finanziert worden, bei der OncoRay erfolgreich war. Das Haus hat eine Fläche von 2.000 Quadratmetern. Hinzu kommen fast 1.500 Quadratmeter Kellerräume mit dicken Betonwänden, die das Herzstück – die Protonentherapieanlage – beherbergen. Neben der hunderte Tonnen schweren Protonen-Beschleunigungsanlage werden die Wissenschaftler eine neue Technologie erproben, durch die der technische Aufwand für die Protonentherapie deutlich sinken soll: Sie nutzen hochintensive Laserstrahlen, um die Partikel auf die notwendige Geschwindigkeit zu bringen. Damit können die Kosten für den Bau und Unterhalt solcher Therapieanlagen drastisch reduziert werden. Das Nebeneinander eines konventionellen und eines laserbasierten Protonenbeschleunigers ist weltweit einmalig. OncoRay etabliert sich damit als Referenzzentrum für weitere Forschungen auf diesem Gebiet.


Weitere Informationen zum ZIK OncoRay finden Sie hier.

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