Im Blickpunkt

Leben retten durch Aufklärung

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 180.000 Menschen an Sepsis. 60.000 sterben daran. Mit Forschungsvorhaben wie dem ZIK SEPTOMICS und InfectControl 2020 in Jena wollen Mediziner und Wissenschaftler das künftig verhindern. Auf dem ersten Sepsis-Gipfel in Berlin verabschiedeten sie jetzt gemeinsam mit Kollegen aus ganz Deutschland einen „Nationalen Aktionsplan gegen Sepsis“.

Ziel dieses Plans ist es, die Häufigkeit der Erkrankungen und die Sepsissterblichkeit deutlich zu senken. Dafür sollen im Gesundheitswesen Qualitätssicherungsprogramme etabliert werden, welche die Prävention, Diagnose und Therapie der Sepsis verbessern.

Außerdem soll die Bevölkerung besser über die Symptome aufgeklärt werden, damit Betroffene schneller Maßnahmen ergreifen können. Der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika in Medizin, Landwirtschaft und Tierzucht soll gestoppt und der Ausbruch von Pandemien verhindert werden. Auch die Entwicklung von schnelleren Tests zur Diagnostik der Erreger, an der auch die SEPTOMICS-Wissenschaftler arbeiten, gehören zu dem Aktionsplan.

Ciaran Staunton (unten rechts) berichtet über den tragischen Tod seines Sohnes Rory (großes Bild) und seine Initiative zur Einführung von Regeln zum Sepsismanagement im US-Bundesstaat New York.
Dass solche Pläne funktionieren, zeigt sich im US-amerikanischen Bundesstaat New York. Erstmals weltweit wurden dort Regeln und Checklisten eingeführt, mit denen eine Sepsis früher erkannt und besser behandelt werden kann. Die so genannten Rory’s Regulations sind nach dem 12jährigen Rory Staunton benannt, der im letzten Jahr an Sepsis starb. Rory hatte nur eine Kratzwunde, die sich jedoch infizierte. Ärzte hatten den Ernst der Lage nicht erkannt. Seine Eltern gründeten die Rory Staunton Foundation und entwarfen die Rory’s Regulations, um anderen Angehörigen ein solches Schicksal zu ersparen.

Wissen hilft

Prof. Dr. Konrad Reinhart, Leiter des ZIK SEPTOMICS in Jena und einer der Initiatoren des Sepsis-Gipfels möchte mit dem „Nationalen Aktionsplan gegen Sepsis“ solche Checklisten auch in Deutschland einführen. „Wenn alle Verantwortlichen an einem Strang ziehen, bestehende Regeln konsequent eingehalten werden und auch Laien die Symptome einer Sepsis einordnen können, könnte man in Deutschland 20.000 Leben pro Jahr retten“, meint Reinhart.

Weltsepsistag in Jena: Mit einem Patientensimulator demonstrieren Ärzte des Uniklinikums, was bei einer Sepsis im menschlichen Körper passiert und wie dem Erkrankten geholfen werden kann.
Die Öffentlichkeit aufzuklären, zählt dabei zu den wichtigsten Aufgaben. Schließlich haben, nach einer EMNID-Umfrage, nur die Hälfte der rund 1.000 Befragten das Wort Sepsis schon einmal gehört. Gerade mal jeder Zehnte konnte die Symptome der Krankheit benennen. Deshalb haben Prof. Dr. Reinhart und seine Mitstreiter im letzten Jahr den Weltsepsistag ins Leben gerufen.

Im Anschluss an den Sepsis-Gipfel gab es auch in diesem Jahr in Berlin und in vielen anderen Städten weltweit zahlreiche Aktionen, um auf die Gefahr einer Sepsis aufmerksam zu machen. Auch in Jena fanden öffentliche Veranstaltungen statt. Dort erläuterten Vertreter des ZIK SEPTOMICS den Besuchern ihre Forschungsarbeit. Je mehr Menschen um die Gefährlichkeit der Sepsis wissen, desto mehr Leben können gerettet werden.


Weitere Informationen zum ZIK SEPTOMICS erhalten Sie hier. Zum Zwanzig20-Projektkonsortium InfectControl 2020 stellen wir Ihnen hier Informationen zur Verfügung.

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