Im Blickpunkt

Kaltes Plasma kann Wunden heilen ohne zu schädigen

Was macht Kaltes Plasma mit der menschlichen Zelle, und wie wirken die einzelnen Plasmakomponenten im Sinne der Wundheilung? Dieses Wechselspiel hat das Greifswalder Zentrum für Innovationskompetenz (ZIK) plasmatis fünf Jahre lang untersucht – mit Erfolg. Die Nachwuchsgruppenleiter Dr. Kai Masur und Dr. Stephan Reuter können jetzt eindeutige Aussagen über die Wirkung und mögliche Risiken bei der Anwendung von Kaltem Plasma auf der Haut machen.  

„Die Erkenntnisse des ZIK haben mit dazu beigetragen, dass 2013 eine Plasmaquelle, der kinpenMED, als Medizinprodukt zugelassen wurde“, berichtet Dr. Stephan Reuter, Leiter der Nachwuchsgruppe „Extrazelluläre Effekte“. Der kinpenMED wird von dem Greifswalder Unternehmen neoplas tools GmbH vertrieben und inzwischen von zahlreichen Medizinern klinisch eingesetzt. Für diese erfolgreiche wirtschaftliche Verwertung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen erhielt die neoplas tools den Ludwig-Bölkow Preis 2014.

Kaltes Plasma ist nicht mutagen

Zuvor hatten die plasmatis-Forscher herausgefunden, dass die Gene, die für die Stimulation, Reparatur und Zellkommunikation verantwortlich sind, durch eine Plasmabehandlung aktiviert werden. Dabei reagieren die Zellen sehr unterschiedlich auf Plasma. Von entscheidender Bedeutung für die Wirkung auf menschliche Zellen ist die Zusammensetzung der Plasmakomponenten. Die Greifswalder können jetzt klar definieren, welche Einstellungen der Plasmaquelle stimulierend oder abtötend auf Zellen wirken. „Es ist jetzt möglich, das Überleben oder Abtöten einzelner Zellen über die Dauer der Anwendung und die Zusammensetzung des Arbeitsgases zu regulieren“, berichtet Dr. Kai Masur, Leiter der Nachwuchsgruppe „Zelluläre Effekte“. Ein weiteres entscheidendes Ergebnis der Forschungen ist die Erkenntnis, dass Plasmen nicht zur Mutation von Zellen führen. Damit ist die Befürchtung, die Plasmabehandlung einer Wunde könnte krebserregend sein, widerlegt. „Diese Ergebnisse können in die Klinik übertragen werden“, so Reuter.

Dr. Kai Masur, Nachwuchsgruppenleiter "Zelluläre Effekte" mit dem Plasmastift "kinpenMED": Die Erkenntnisse aus den Laboren der plasmatis-Forscher können direkt in die Klinik übertragen werden (Quelle: ZIK plasmatis).
Plasmatis hat nun begonnen, präklinische Tests mit Biopsie-Material durchzuführen, um weiterhin die optimale Plasmabehandlungszeit zu bestimmen. Ebenfalls gestartet sind Wundheilungsversuche mit Kaltem Plasma an Mäusen, um erste Langzeitergebnisse zu bekommen.
 

Plasmatis will Forschung mit Klinikern vertiefen

Plasmatis konnte auch die Zusammenarbeit mit Kliniken der Universitätsmedizin Greifswald intensivieren. In der Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie laufen erste Studien zur Anwendung von Kaltem Plasma mit dem kinpenMED. Die Forschungsgruppen wollen künftig die klinischen Aspekte weiter vertiefen.

Das Zusammenwirken von Plasmaphysik und Medizin begann in Greifswald vor acht Jahren am Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP). Mit der Spitzenforschung- und Innovation-Initiative Campus PlasmaMed und dem ZIK plasmatis, beide BMBF-gefördert, konnte sich das junge Gebiet der Plasmamedizin an diesem Standort etablieren. „Heute wird Greifswald weltweit mit Plasmamedizin verbunden“, so Professor Klaus-Dieter Weltmann, Direktor des INP und Sprecher von plasmatis.

Für seine Leistung, die Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Plasmamedizin und den Wissenschaftstransfer in die Praxis zu befördern, wurde Weltmann kürzlich mit dem Plasma Medicine Award in Japan geehrt. Es ist die höchste wissenschaftliche Auszeichnung auf dem Gebiet der plasmamedizinischen Forschung, die durch die Internationale Gesellschaft für Plasmamedizin (ISPM) verliehen wird.

                                                                                        

Weitere Informationen zum ZIK plasmatis finden Sie hier. Informationen zur Spitzenforschung- und Innovation-Initiative Campus PlasmaMed stellen wir Ihnen hier zur Verfügung.


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