Im Blickpunkt

An "Virtual Reality" führt kein Weg vorbei - MAHREG-Forum am 2. und 3. November 2006

Automobilzulieferer-Netzwerk MAHREG blickt in die Zukunft

 "77 % der Innovationen im Automobilbau werden künftig durch die Zulieferer geschehen, nur noch 23 % erarbeiten die großen Hersteller selbst. Damit ist die Herausforderung auch an das MAHREG-Netzwerk in Sachsen-Anhalt definiert." Mit dieser Botschaft stimmte Prof. Gernot Spiegelberg, Vizepräsident des Bereiches Strategie und Technologie bei Siemens VDO Automotive, die Teilnehmer des 6. MAHREG-Forums am 2. und 3. November 2006 in Halle an der Saale ein.

Mehr als 100 Unternehmer und Wissenschaftler trafen sich in der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt (SLV). Seit 1930 konzentriert sich Kompetenz und Innovation in dieser Einrichtung. 1965 wurde hier die erste Elektronenschweißanlage entwickelt, die bis heute im Getriebebau verwendet wird. Aktuell steht das Verbindungsschweißen an Motorenkomponenten mit Elektronen- bzw. Laserstrahl im Zentrum der Forschung und Entwicklung. In diesem Zusammenhang entwickelt die Anstalt computergesteuerte Simulationsprogramme, mit denen künftig Fachleute vor Ort, aber auch in Fernlehrgängen ausgebildet werden können. Neu eröffnet in diesem Jahr wurde das "Kompetenzzentrum Fügetechnik" auf dem Gelände der SLV.
Hans-Peter Hiepe, Heidrun Mushack und Dr. Jürgen Ude.

Hans-Peter Hiepe, Referatsleiter im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), bestärkte die MAHREG-Initiative in ihrem Handeln: "Die Automobilzulieferer in der Region Magdeburg-Altmark-Anhalt-Halle-Harz haben durch ihre Initiative beim InnoRegio-Wettbewerb 1999 dem Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt ihren Stempel aufgedrückt. Mit der Aufnahme von MAHREG in die BMBF-Innovationsinitiative UNTERNEHMEN REGION hat sich das Netzwerk vor allem auch überregional einen guten Namen erarbeitet. MAHREG ist ein besonders gelungenes Beispiel dafür, wie man sich auf die eigenen Stärken besinnt, um neue Ufer zu erreichen. Mit den Wachstumskernen AL-CAST und ALFA in Harzgerode und Haldensleben fördert das BMBF diese Innovationskraft weiter mit ca. 11 Millionen Euro."

Hans-Peter Hiepe zog ein positives Zwischenfazit des InnoRegio-Wettbewerbes der BMBF-Innovationsinitiative für die Neuen Länder. Die in den insgesamt 22 InnoRegio-Initiativen mitarbeitenden Unternehmen hätten ihren Umsatz um durchschnittlich 50 %, ihre Exportquote um 30 % und die Zahl der Mitarbeiter um 22 % auf heute etwa 7.500 Arbeitsplätze gesteigert, vor allem in kleinen und mittelständischen Betrieben zwischen Ostsee und Thüringer Wald.

Dr. Jürgen Ude, Vorstandsvorsitzender des Sachsen-Anhalt Automotive e.V., bilanzierte: "Mehr als 17.000 Beschäftigte in gut 200 Betrieben Sachsen-Anhalts sind in der Branche der Automobilzulieferer heute tätig. 165 Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen haben in den vergangenen Jahren an über 50 Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Rahmen der InnoRegio-Initiative gearbeitet. Diese Ergebnisse lassen sich nicht nur sehen, sondern haben z.B. auch dazu geführt, dass MAHREG heute ein anerkannter Partner des Automobilclusters Ostdeutschland ist. In diesem völlig neu entstandenen Netzwerk mit 423.000 Mitarbeitern sind neben den großen Herstellern VW, Daimler-Chrysler, Opel, BMW und Porsche zu 86 % mittelständische Zulieferer organisiert."

Er wies auf das bemerkenswerte Miteinander von Bund und Land bei dieser Innovationsförderung hin. Ohne diese Zusammenarbeit wäre MAHREG so nicht möglich gewesen. Auch nach Auslaufen der InnoRegio-Förderung am Jahresende werde das Netzwerk nicht nur weiter existieren, sondern an herausragenden neuen Innovationen im Automobilbau arbeiten. Mit Blick auf die heute vorhandenen Problemfelder im Auto, wie z.B. 30-150 verschiedene Elektromotoren pro Fahrzeug, bis zu 4 km Kabel pro Fahrzeug und bis zu 2.500 unterschiedliche elektronische Signale an Bord, seien Ingenieurskunst und Innovationskraft herausgefordert.

Einen Blick in die automobile Zukunft bei Forschung und Entwicklung wagte Prof. Dr. Michael Schenk, Leiter des Magdeburger Fraunhofer-Instituts. Nach seinen Worten sei eine immer kürzere Entwicklungszeit im Fahrzeugbau, verbunden mit enormen Effizienzforderungen durch die Automobilhersteller nur durch den intensiven Einsatz virtueller Techniken möglich. Schon heute teste z.B. Porsche bestimmte Schall- und Schwingungseigenschaften nur noch virtuell. Vor diesem Hintergrund sei auch die Inbetriebnahme des Virtual Developement and Training Center am 22. November in der Landeshauptstadt Magdeburg zu verstehen. Dort werde eine 360°-Projektion das Arbeiten in der virtuellen Realität ermöglichen, ergänzt durch ein Real-Technikum.


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