Im Blickpunkt

Bündnisversammlung 2007 beim Chemnitzer Wachstumskern MaliTec

Neue Technologien des Näh- und Vlieswirkens für technische Anwendungen zu entwickeln, das ist das Ziel des Wachstumskerns MaliTec in Chemnitz. Bei der Bündnisversammlung am 4. Juli 2007 präsentierten die Projektverantwortlichen der neun Partner aus Maschinenbau- und Textilunternehmen sowie von wissenschaftlichen Instituten den aktuellen Stand ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit.

Für Holger Erth, Koordinator des Wachstumskerns und Geschäftsführender Direktor des Sächsischen Textilforschungsinstitutes e.V. (STFI), geht es vor allem darum, "dass sich die Projektpartner über den jeweiligen Forschungsstand informieren und sich über Einzellösungen austauschen, um vielleicht den einen oder anderen Ansatz zu adaptieren."

Erfolgreiche Weiterentwicklung einer bewährten Technologie

Technische Grundlage von MaliTec ist die vor rund 50 Jahren von Heinrich Mauersberger aus Limbach-Oberfrohna/Sachsen entwickelte Malimo-Nähwirktechnik. Malimo-Maschinen können deutlich schneller und damit preiswerter produzieren, da fast beliebig viele Nadeln gleichzeitig den Grundstoff "übernähen". So können mehrere Fadenlagen oder auch verschiedene Materialien verbunden werden, z.B.  Folien, Bambus-, Metall- oder Mikrofasern - eine erfolgreiche Weiterentwicklung einer Innovation aus den fünfziger Jahren.

Dr. Holger Erth, Wachstumskernkoordinator und Geschäftsführender Direktor des Sächsischen Textilforschungsinstitutes e.V. (STFI), begrüßt die Anwesenden. Ingenieurin Beata Schönberg von der TU Chemnitz mit dem Prototypen einer Autotürverkleidung aus Bambusfasern.

Umweltfreundliche Autoteile aus Bambusfasern

Zufrieden mit seinen bisherigen Arbeitsergebnissen ist das Team um Holg Elsner, Forschungsleiter im Kompetenzzentrum Strukturleichtbau e.V. an der TU Chemnitz. Beata Schönberg präsentiert ihren Netzwerkkollegen erste Details aus dem Teilprojekt Bambus. Die Wissenschaftler nutzen hier die guten Eigenschaften der Bambusfaser, die sehr leicht und trotzdem enorm fest ist. Sie stellten zunächst eine Art Steppdecke aus Bambusfasern her. Dazu wurden auf ein Polyestervlies viele kleine Bambusfasern gestreut - circa 1,5 Zentimeter hoch. Darauf kam erneut ein Vlies, das an den Rändern wiederum mit Vliesstreifen umnäht wurde. So kann an den Seiten nichts mehr herausrieseln. Außerdem erhielt die Matte alle zwei Zentimeter Steppnähte in Längsrichtung, die die kleinen Fasern in ihren Bahnen halten und das Ganze versteifen. "In einem nächsten Arbeitsschritt haben wir mit verschiedenen Kunstharzen experimentiert, die wir auf die Matten aufgesprüht haben", erläutert Beata Schönberger weiter. Dadurch wurde die Matte biegsam, ließ sich in eine Form pressen und konnte aushärten.

Leicht, fest und recycelfähig

Beata Schönberg demonstriert bereits einen ersten Prototypen: das Teil einer Autotürverkleidung, das den Qualitätsstandards deutscher Automobilhersteller im Hinblick auf Gewicht und Festigkeit Stand hält. Und - besser noch - mit herkömmlichen Materialien wie Glas- oder Flachsfasern konkurrieren kann, denn das Bambusmaterial ist leichter als vergleichbare Teile aus Glasfasern und trotzdem sehr zugfest. Als letzten Punkt betont die Ingenieurin: "Vor allem ist unser Material umweltfreundlich zu recyceln - ein Vorteil in Zeiten, wo Umweltfreundlichkeit mehr und mehr in den Fokus des Verbraucherinteresses rückt." Einziges Manko ist der Preis der Bambusfasern. Sie müssen importiert werden und sind dadurch teurer als beispielsweise Flachs, der schon heute als nachwachsender Rohstoff in der Automobilindustrie eingesetzt wird. "Aber die Vorteile überwiegen für uns", sagt Schönberg überzeugt. Neben Türverkleidungen können sich die Wissenschaftler ihr neues Material auch bei Kofferraumverkleidungen, Sonnenblenden oder der Hutablage vorstellen. Erste Kontakte zu Zulieferfirmen gibt es bereits.

Endspurt im letzten Förderdrittel

Wachstumskernkoordinator Holger Erth ist zufrieden. Sieben der acht Teilprojekte liegen im engen Zeitplan. Nun geht es mit Riesenschritten ins letzte Drittel der Förderzeit. "In einem halben Jahr werden wir beim Statusseminar die nächsten Meilensteine vorstellen. Außerdem arbeiten wir schon heute an unserem MaliTec-Symposium, einer große Fachveranstaltung im Juni nächsten Jahres, die den Abschluss des Förderprojekts bilden wird."


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