Im Blickpunkt

Innovationsforum Thermoelektrik: Strom ohne Steckdose

Manche Dinge sind auf den ersten Blick so unglaublich, dass man den zweiten Blick braucht. Aber auch dann gerät man trotz Phantasie und Schulphysik schnell an die Grenze des Verstehens. So ist es auch mit der Thermoelektrik. In Halle kamen rund 100 Teilnehmer u.a. aus Wirtschaft und Wissenschaft zu einem Innovationsforum zusammen, um sich umfassend über die Potenziale thermoelektrischer Werkstoffe, Technologien und Bauelemente zu informieren und auszutauschen.

Da zeigt eine äußerlich normale Thermoskanne per Digitalanzeige auf dem Deckel an, wie heiß der Kaffee und wie voll die Kanne noch ist. Ein Stromkabel oder Batterien sind aber nicht zu entdecken. Doch woher kommen der Strom für das Messen der Temperatur und die leuchtenden Ziffern auf dem Deckel?

Nicht weniger spektakulär ist ein kleines Gerät am Handgelenk in der Größe einer Armbanduhr. Dieses Minikraftwerk erzeugt soviel Strom, dass regelmäßig Funksignale gesendet werden können. Eine Technologie, die das Stadium der forschenden Theorie bereits hinter sich gelassen hat.

Vereinfacht ausgedrückt liegt die Ursache für diese fantastischen Dinge in den Temperaturunterschieden zwischen verschiedenen Stoffen bzw. deren Oberflächen. Steigt zum Beispiel der heiße Kaffeedampf nach oben zur Unterseite des Deckels, kann mit Hilfe eines Thermogenerators diese Wärmeenergie in elektrische Energie umgewandelt werden. Die so entstehende Spannung wird für Messung und Anzeige verwendet - überschüssige Energie wird in Miniakkus gespeichert.

Nur mit Hilfe dieser Technologie ist es heute schon möglich, Weltraummissionen kontinuierlich und effizient mit Energie zu versorgen. Oder viele Kilometer teures Kabel in der Gebäudeausrüstung durch Messsensoren einzusparen, die mit eigener minimaler Energieerzeugung die Klimaanlagen per Funksignal steuern - zuverlässig und in der Praxis erprobt: "Mehr als 2.000 Sensoren steuern mit dieser Hochtechnologie die Klimaanlage in der Nestlé-Zentrale in Paris und ersetzen über 30 Kilometer konventionelle Kabel", informiert Frank Schmidt von der En-Ocean GmbH.

Er war einer von über 20 Referenten, die am 14. und 15. Februar 2008 etwa 100 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung über die neuesten Entwicklungen in der Thermoelektrik informierten.

 Bernd Engers von der Angaris GmbH ist der Initiator des Innovationsforums.  Hier präsentiert Friedemann Tonner die Thermoskanne mit Digitalanzeige.

Das zweitägige Innovationsforum, das im Rahmen der Innovationsinitiative für die Neuen Länder, "Unternehmen Region", vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, entstand aus einer Idee der Angaris GmbH in Halle an der Saale. Geschäftsführer Bernd Engers erzählt: "Dank des neu entstandenen Potenzials an wissenschaftlichen Einrichtungen hier in Halle verfügen wir mit Instituten der Martin-Luther-Universität und der Fraunhofer-Gesellschaft über erstklassige Voraussetzungen, die Forschung rund um die Thermoelektrik auszuweiten. Damit können in den kommenden Jahren neue Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden."

Ginge es nach Bernd Engers, könnte Sachsen-Anhalt in absehbarer Zeit ein national führender Entwicklungsstandort für neue thermoelektrische Anwendungen werden: "Deutschland hat auf diesem Gebiet Nachholbedarf. Wir brauchen eine Thermoelektrik-Initiative, verbunden mit einer konkreten Roadmap!", betonte er. Mit Blick auf dieses Ziel gibt es bereits im März und April dieses Jahres weitere Veranstaltungen, u.a. in Chemnitz und Halle/Saale. Außerdem ist in Freiburg eine Thermoelektrik-Frühjahrsschule für Schüler und Auzubildende geplant.


Weitere Informationen zum Innovationsforum "Neue thermoelektrische Werkstoffe, Techologien und Bauelemente" finden Sie hier.

nach oben