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Erstes Deutsches IPTV-Symposium in der Medienstadt Potsdam-Babelsberg
Dieser Ort ist eine Herausforderung. Hier arbeiteten Weltstars wie Marlene Dietrich, Zarah Leander und Billy Wilder. Hier begannen im Februar 1912 die ersten Dreharbeiten der deutschen Filmgeschichte. Von Potsdam-Babelsberg aus eroberte das damals neue, ja revolutionäre, Medium Film ganz Deutschland und belieferte die Kinopaläste zwischen Sylt und Dresden mit immer neuen Träumen auf Zelluloid.
Das Zelluloid von heute heißt Fernsehen - entweder noch mit Röhre in der guten Stube oder schon ganz flach fürs Home Cinema. Das Fernsehen von morgen wird aller Voraussicht nach im Internet stattfinden. Einen Namen und die ersten 900 deutschen Anbieter gibt es schon heute: IPTV, ausgeschrieben: Internet Protocol Television.
Podiumsdiskussion rund um Fragen zu Finanzierungsmöglichkeiten für IPTV-Unternehmen.
Wer bei dieser Vielfalt den Überblick behält, ist entweder Fan, computersüchtig oder überzeugter Internetnutzer - immer auf der Suche nach den neuesten Möglichkeiten des Mediums. Alexander Schulz-Heyn ist so einer. Computerarbeiter aus Passion und seit einiger Zeit Gründer, Vorantreiber und Vorsitzender des Deutschen IPTV-Verbands. 2006 wurden er und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) aufeinander aufmerksam. Seine Ideen und Aktivitäten, die er gemeinsam mit Professor Robert Strzebkowski von der Technischen Fachhochschule Berlin entwickelt und realisiert, mündeten in die Auszeichnung ihrer Arbeit mit einer Förderung durch das BMBF. Im Mai 2007 trafen sich Künstler, Produzenten, Wissenschaftler und Unternehmer zum IPTV-Innovationsforum in Potsdam. Das war der Startschuss für ein neues Netzwerk am Medienstandort Berlin-Brandenburg.
Das Medienboard Berlin-Brandenburg fördert zunehmend digitale Medienprojekte. Rangeen Harami stellt mit ihrem Expertenteam bis zu 100.000 Euro pro Vorhaben zur Verfügung.
Achtzehn Monate später befinden sich die IPTV-Pioniere irgendwo zwischen Start und Ziel beim Wettlauf um das Fernsehen im Internet. Und Potsdam - die Filmhauptstadt der goldenen Zwanziger - kann es wieder schaffen. In erstaunlicher Geschwindigkeit geben sich Hollywood-Schauspieler und Regisseure schon die Babelsberger Klinken in die Hand. So konnte es keine Überraschung sein, dass etwa 100 Teilnehmer am 4. und 5. Dezember 2008 den Weg an die Havel fanden. Ziel war das 1. Deutsche IPTV-Symposium, veranstaltet in einem Kinosaal des modernen fx.Center der Medienstadt. Drei große Themenblöcke standen im Mittelpunkt:
Finanzierung von IPTV
IPTV: Die sozial-mediale Community des 21. Jahrhunderts?
Meinungsvielfalt als Auftrag des IPTV!
Der breiten Öffentlichkeit wurde in diesen Tagen das Thema Internetfernsehen immer mal wieder durch die Diskussion präsent, wie viel öffentlich-rechtliches Fernsehen im Internet stattfinden soll oder darf. Inzwischen kennen und nutzen viele Deutsche aber vor allem die Web-TV-Angebote von Autoherstellern, Sportvereinen usw. Sie sind beliebt, kommerziell erfolgreich und finanziell gesichert.
Davon kann bei der Mehrheit der vielen hundert IPTV-Anbieter in der Bundesrepublik kaum die Rede sein. Die Produzenten hängen einem sympathischen Idealismus an. Sie lassen ihre Ideen und Konzepte mit viel Engagement und eigenem Geld Wirklichkeit im Internet werden. Alle bisherigen Versuche, durch Werbung auf diesen Internetseiten eine stabile Finanzierung zu erreichen, sind fast komplett gescheitert.
Produzent Dr. Georg Ramme setzt auch im Internet-Fernsehen auf Qualität, weil sie sich auszahlt.
Patrick Jacobshagen, Filmrechtler, brachte seine Sicht der Dinge auf folgenden Punkt: "Nur IPTV-Angebote, die von Anfang an einen Finanzier haben, werden erfolgreich auf Sendung bleiben." Auch das neue Filmförderungsgesetz sieht keine Unterstützung der öffentlichen Hand für IPTV-Anbieter vor. Dr. Georg Ramme von der MME Moviement AG räumte mit einem weit verbreiteten Irrtum auf: "Fernsehen im Internet ist nicht billig. Nur wer den Zuschauern auch dort Qualität bietet, hat eine Überlebenschance."
In einer hochkarätig besetzten Diskussionsrunde mit Politikern mehrerer Parteien wurde eine stille Hoffnung der IPTV-Macher zerstreut: Zurzeit kann über eine veränderte Aufteilung der von der GEZ eingenommenen Rundfunkgebühren nicht diskutiert werden. Die jährlich gut sieben Milliarden Euro sind für die kommenden Jahre fest verplant. Aber auch Lichtblicke wurden entdeckt: Im Gespräch mit den Landesmedienanstalten kann und muss das neue Fernsehen im Internet zum Thema werden.
Weil es dabei um eine ganz neue Vielfalt von Angebot und Meinung im World Wide Web geht. Weil es um veränderte Lebensrhythmen und Lebensweisen geht. Weil es um viele hunderttausend Bundesbürger geht, die schon heute täglich Fernsehen im Internet praktizieren. Und weil es eine MTV-Generation gibt, die auch heute noch Nina Hagen zustimmen würde: "Ich glotz` TV!". Aber nicht mehr in die Röhre, sondern im Internet.
Der Deutsche IPTV-Verband tut gut daran, seine Community weiter zu sammeln, zu stärken und über den Tellerrand hinauszuschauen. Potsdam-Babelsberg scheint für eine neue Revolution in der Medienwelt bereit zu sein.
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(URL: http://www.diptv.org/)