Im Porträt

"Letztlich zählen das richtige Thema und die Leidenschaft, mit der man es angeht." - Alexander Schulz-Heyn, Innovationsforum "Internet-basiertes Fernsehen"

Im Gespräch berichtet Alexander Schulz-Heyn von seinen Erfahrungen mit dem Aufbau und der Weiterentwicklung eines Innovationsforums. Außerdem geht er auf die Faktoren ein, die seiner Initiative zum Erfolg verholfen haben.

Die Wettbewerbsfähigkeit einer Region wird entscheidend mitbestimmt von der Fähigkeit, innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Und ein funktionierendes Netzwerk zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung ist lebenswichtig für das Entstehen von Innovationen. Deshalb hat das Innovationsforen-Programm im Rahmen von Unternehmen Region die Aufgabe, regionale Netzwerke in ihrer Startphase zu unterstützen. Die Förderung hilft den Initiativen, ein Netzwerk zu bilden, ihr thematisches Profil zu schärfen und Kontakte und Kooperationen auf- und auszubauen.

Schulz-Heyn gründete 2003 die TeleClix GmbH, deren Geschäftsführer er ist. Gemeinsam mit Prof. Dr. Robert Strzebkowski von der Technischen Fachhochschule Berlin rief er 2007 das Innovationsforum "Internet-basiertes Fernsehen" ins Leben und gründete im Januar 2008 zusammen mit anderen Medienunternehmen den Deutschen IPTV-Verband, dessen Vorsitzender er ist.

Herr Schulz-Heyn, wie hat alles angefangen mit dem Innovationsforum "Internet-basiertes Fernsehen"? Wie kam es zu der Idee, dieses Netzwerk zu gründen?

Wir hatten damals mit der TeleClix GmbH unseren Schwerpunkt auf das interaktive Fernsehen gelegt, kamen aber nicht so gut voran, weil die dafür nötige Infrastruktur in den Haushalten nicht angenommen wurde. Dann brachte Professor Strzebkowski, den ich über einen Mitarbeiter meines Unternehmens kannte, uns auf die Idee, unsere Aktivitäten ins Internet zu verlegen. Wir recherchierten und stellten fest: Das Fernsehen der Zukunft findet im Internet statt! Und so kamen Herr Strzebkowski und ich dazu, gemeinsam das Innovationsforum auf die Beine zu stellen.

Wie wurde aus der Idee dann Realität? Wie haben Sie sich die Aufgaben unter den Partnern aufgeteilt?

2005 haben wir uns zum ersten Mal zusammengesetzt, und die Konzeptionsphase hat dann eineinhalb Jahre gedauert, das darf man nicht unterschätzen. Herr Strzebkowski und ich haben eigentlich immer alles gemeinsam gemacht. Herr Strzebkowski kommt natürlich aus dem wissenschaftlichen Bereich, er konnte unser Vorgehen fundiert mit Studien untermauern. Ich hatte den Draht zu den Unternehmen, gute Kontakte zu den einzelnen Key-Playern in den Netzwerken. Beides zusammen hat das Ganze dann zum Tragen gebracht.

Was waren die größten Schwierigkeiten beim Aufbau Ihres Innovationsforums?

Das Schwierige bei solch einem Vorhaben ist, immer daran zu glauben, dass es gelingt. Und geeignete Partner zu finden, die man dann noch davon überzeugen muss, dass sie mitmachen, ohne dass man ihnen finanziell etwas versprechen kann. Da hat es sehr geholfen, dass Herr Hiepe vom BMBF als einer der wenigen an uns geglaubt hat. Bei der Organisation der Veranstaltungen im Rahmen des Innovationsforums war die Hauptschwierigkeit, geeignete Referenten zu überzeugen. Wir wollten echte Publikumsmagneten, und das ist uns zum Glück auch gelungen.

Was war der größte Erfolg im ersten halben Jahr Ihres Projekts?

Also, ein großer Erfolg war die Veranstaltung am 4. Mai 2007. Wir hatten sehr großen Zuspruch, ich habe von vielen gehört, dass die Veranstaltung das Mega-Event 2007 war in unserer Szene. Das war für uns eine Genugtuung zu hören, dass wir den richtigen Nerv getroffen haben. Der größte Erfolg, und was auch international wahrgenommen wurde, war der 1. Deutsche IPTV-Award Ende August 2007. Der hatte teilweise bei Google über 50.000 Einträge, und das ist von außen her betrachtet eine große Leuchtturmfunktion.

Inzwischen gibt es also den IPTV-Award und auch den IPTV-Verband. Wie haben sich diese Aktivitäten aus dem Innovationsforum heraus entwickelt?

Ich kann behaupten, dass das Innovationsforum Initialzündung war für den großen Erfolg, den wir mit dem IPTV-Verband haben. Wir haben mit unserem Innovationsforum die Latte sehr hoch gelegt, was Workshops angeht. Wir haben nicht nur eine Eintagesveranstaltung gemacht, sondern haben eine Workshop-Reihe in Berlin aufgesetzt und dann noch im gleichen Atemzug den IPTV-Award 2007 realisiert. Das geht nur, wenn man wirklich sehr viel Engagement, Leidenschaft und Zeit mitbringt. Das Gleiche gilt auch für den IPTV-Verband. Wir sind ein Verband, der die kleinen und mittelständischen Unternehmen fördert. Das muss jemand machen, der von dem Thema einfach fasziniert ist. Der Verband und die Aktivitäten sind auch deswegen so erfolgreich, jedenfalls höre ich das, weil mit meiner Person und mit Herrn Strzebkowski eine sehr starke Authentizität herüberkommt. Wir leben wirklich mit den Leuten mit, wir wissen, was es heißt, nicht viel Geld mit seinen kreativen Ideen zu verdienen und trotzdem dahinterzustehen.

Was war der entscheidende Faktor für den Erfolg Ihrer Initiative?

Wir hatten ein gutes Thema, das muss man sagen. Wir liefen teilweise offene Türen ein. Und wenn man die Leute begeistern kann und deutlich machen kann, dass sie davon profitieren,  dann ist man ganz gut aufgestellt. Es war eine große Portion Glück dabei. Die richtigen Leute zur richtigen Zeit mit der richtigen Unterstützung zum richtigen Thema. Es hat sich alles ergeben. Wir waren die Ersten, wir haben losgelegt. Das ist wichtig. Man muss also mutig sein ranzugehen, zu fragen: Wo ist der Markt? Gibt es so etwas schon? Und wenn nicht: schnell sein. Ganz schnell. Man muss der Erste sein.

Wie geht es mit dem "Internet-basierten Fernsehen" weiter? Welche Schritte planen Sie als nächste?

Die kommenden Themen sind zunächst einmal die Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit und eine Konsolidierung des IPTV-Verbandes. Wir werden ein verbessertes Mitgliedermanagement einführen, wir haben ja mittlerweile mehr als 90 Mitglieder. In Hamburg und München werden sich eigene Sektionen bilden, um den lokalen Austausch zu fördern. Wir wollen uns auch europäisch aufstellen, wir planen mit der EU eine Veranstaltung in Brüssel, um zu zeigen, dass es sich lohnt, die Medienvielfalt zu unterstützen. Dann spielen wir mit dem Gedanken, eine eigene Messe aufzubauen, die speziell für die Belange der IPTV-Produktion und Software-Entwicklung gedacht ist. In Potsdam wird im Moment das Centrum für digitale Medientechnologie gebaut, und da wollen wir auf einer Etage eine Gründungsfabrik für neue IPTV-Sender unterbringen.

Und wie sehen Sie die Entwicklung der IPTV-Technologie in Zukunft?

IPTV wird das herkömmliche Fernsehen komplett ersetzen. Es ist nur eine Frage der Zeit. Jetzt kann man Wetten abschließen, ist es in fünf Jahren so weit oder in zehn, aber das ist müßig. Rundfunkfernsehen wird es so nicht mehr geben.

Was würden Sie einem potenziellen Initiator eines Innovationsforums raten?

Man muss begeistern können. Es geht nicht im Alleingang. Man muss Leute finden, die nicht überall nur Probleme sehen, sondern Mut zum Aufbruch haben. Dazu gehört also eine gute Menschenkenntnis, möglichst schnell zu erkennen, wo Hemmschuhe sind. Es macht keinen Sinn zu versuchen, jeden zu bekehren, das macht einen nur mürbe. Wenn man dann die richtigen Partner gefunden hat, muss man auch bereit sein, den Erfolg miteinander zu teilen. Weiter ist eine professionelle Medienarbeit und Organisation wichtig, das sollte man nicht vernachlässigen. Letztlich zählen aber vor allem das richtige Thema und die Leidenschaft, mit der man es angeht.

29. Oktober 2008

 

Nähere Informationen zum Innovationsforum "Internet-basiertes Fernsehen" finden Sie hier.


 


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