.jpg)
Insgesamt sechs Mal trafen sich Doktoranden von Thüringer InnoProfile-Initiativen in Jena. Dr. Robert Möller, Sprecher des InnoProfils Jenaer BioChip-Initiative, hat die Workshop-Reihe gemeinsam mit der Agentur Clockwise Consulting auf die Beine gestellt. 17 Nachwuchsforscherinnen und -forscher der InnoProfile QUALIMESS (Ilmenau), nanoreplica (Jena) und von der Jenaer BioChip-Initiative waren dabei, viele von ihnen schon mit konkreten Ideen.
Einige der Workshopteilnehmer nach erfolgreicher Abschlusspräsentation mit Dr. Robert Möller, Sprecher der Jenaer BioChip-Initiative [2.v.l.] und Christian Wewezow, Clockwise Consulting [ganz vorn].
Wie können junge Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftler ihre innovativen Forschungsergebnisse erfolgreich vermarkten? Den meisten fehlt das Wissen um die Planung und das Management einer Ausgründung. Und selbst wenn die Forscher keine eigene Firma auf die Beine stellen wollen, können sie als Gruppenleiterin oder Gruppenleiter eines Tages vor der Aufgabe stehen, das eigene Budget und ein Team zu organisieren. Bei der Veranstaltungsreihe in Jena sollte deshalb das ökonomische Verständnis der Doktoranden geschult werden.
Die Workshops waren systematisch aufgebaut. Mit der Geschäftsidee und ihrem Produkt sollten die jungen Wissenschaftler zunächst ein Ziel aufstellen. Danach folgten betriebswirtschaftliche Informationen zur Unternehmensorganisation, zu Markt und Wettbewerb sowie Marketing und Vertrieb. Abschließendes Thema war die Finanzplanung. Ausgestattet mit diesem Wissen hatten die Doktoranden nun die Aufgabe, einen Businessplan aufzustellen.
Höhepunkt der Seminarreihe war die Präsentation der Geschäftsideen. Vier Teams stellten ihre Konzepte vor. Zwei Nachwuchswissenschaftler von nanoreplica (Jena) präsentierten "Array Optics", die Vermarktung kompakter Projektionssysteme. Dazu gehören beispielsweise Beamer. Die kleinen, robusten Baueinheiten sollen eine extrem hohe Tiefenschärfe bieten und als strukturierte Lichtquellen genutzt werden.
Drei Doktoranden von QUALIMESS aus Ilmenau stellten "M³Vision" vor. Das sind optische Sensoren, die in der Lage sind, nicht nur gerade Strecken, sondern auch Bewegungen zu messen. Durch Sensoren wird die Bewegung detektiert und dann auf einen Computer übertragen, der die Informationen verarbeitet. Damit könnte beispielsweise das klassische Messrad ersetzt werden, das bei der Bremsspurmessung von Unfällen zum Einsatz kommt. Die optischen Sensoren könnten aber auch am Auto eingesetzt werden, um Bremssysteme zu verbessern. Bisher setzt das ABS aus, sobald der Wagen aus der Spur rollt. Dies könnte künftig verhindert werden.
Michael Vogel von QUALIMESS Ilmenau präsentiert die Geschäftsidee "M³Vision".
Ein drittes Business-Konzept nennt sich "POC-Chip" und wurde von der Jenaer BioChip-Initiative präsentiert. POC steht für Point of Care, was soviel bedeutet wie Analyse vor Ort. Mit Hilfe eines Chips können direkt am Ort des Geschehens Proben genommen und sofort getestet werden. Den Chip können Laien bedienen und er liefert schon nach zwei bis drei Stunden ein valides Ergebnis. Damit würden Transportkosten zu Labors wegfallen und vor allem Zeit gespart werden. In dringenden Fällen ist Zeit ein wichtiger Faktor. So planen die Jenaer den Chip für die Analyse von Pflanzenschädlingen und Tierseuchen, insbesondere von der Maul- und Klauenseuche. Die virale Krankheit ist hoch ansteckend und überträgt sich innerhalb kurzer Zeit. Bei normalen Labortests können wertvolle Stunden verloren gehen und viele Tiere angesteckt werden. Der Chip soll allerdings keine Laboruntersuchungen ersetzen, sondern als erste Analysemöglichkeit vor Ort dienen. Die Entwicklung von "POC-Chip" ist bereits sehr ausgereift. Die Jenaer kooperieren dafür mit dem Friedrich-Löffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.
Eine weitere Ausgründungsidee kommt ebenfalls von der Jenaer BioChip-Initiative und nennt sich "SERS4Lab". SERS steht für Surface Enhanced Raman Spectroscopy, zu Deutsch oberflächenverstärkte Raman-Spektroskopie. Darunter versteht man die Untersuchung der inelastischen Streuung von Licht an Molekülen oder Festkörpern. Sie dient unter anderem der Untersuchung von Materialeigenschaften zum Beispiel von Halbleitern oder Pigmenten. Es handelt sich um einen hochspezifisch und hochsensitiv auslesenden Chip mit einer nanostrukturierten Metalloberfläche, für den die Jenaer ein neues SERS-Substrat entwickelt haben.
Es waren vier spannende Konzepte, die beim Finale des Workshops präsentiert wurden. Alle haben großes Pozential für eine Umsetzung. Die Doktoranden haben viel gelernt über die Chancen und Risiken einer Ausgründung. Einige von ihnen wissen nun, dass eine eigene Firma nichts für sie ist. Andere haben konkrete Ausgründungspläne für die nahe Zukunft und werden weiter an ihren Konzepten feilen. Die Organisatoren und Leiter der Seminarreihe sind zufrieden. "Die positive Resonanz der Teilnehmer auf das High Technology meets Business-Programm hat verdeutlicht, dass die Verknüpfung von Naturwissenschaften und Ökonomie ein zukunftsweisendes Modell für die deutsche Gründerlandschaft darstellen", resümiert Dr. Robert Möller von der Jenaer BioChip-Initiative. Für die Zukunft plant er weitere solcher Workshops.
Weitere Informationen zu den InnoProfilen BioChip, QUALIMESS und nanoreplica finden Sie hier, hier und hier.
(URL: http://www.unternehmen-region.de/de/1861.php)
(URL: http://www.unternehmen-region.de/de/2294.php)
(URL: http://www.unternehmen-region.de/de/1887.php)