
"Haaatschi!" "Gesundheit!" "Danke!" Und dann das Taschentuch wegschmeißen? Auf keinen Fall, jedenfalls nicht, wenn es nach den Wünschen der Forscherinnen und Forscher des Brandenburger "Taschentuchlabors" geht!
Was stellen Sie sich denn unter einem "Taschentuchlabor" so vor? Halt, stopp, wir wollen es doch gar nicht so genau wissen, sondern erzählen lieber selbst, was das ist, bzw., was es werden soll. Noch ist es ja nicht ganz das, wovon man als Forscher so träumt, aber bald wird es sie geben:
Labore, die so groß sind wie eine Streichholzschachtel. Und die trotzdem chemische Analysen durchführen können, als wären sie ganz groß. Da sich aber grundsätzlich so ziemlich alles verbessern lässt, ist auch ein Labor von der Größe einer Streichholzschachtel noch kleiner und effektiver zu bekommen.
Der Traum lautet: Analysen durchführen direkt am Ort des Geschehens. Zum Beispiel in einem Taschentuch. Das bedeutet, eine molekular integrierte Analyse durchführen zu können, die, in einem Faden eingesponnen, direkt in Hygienetüchern oder Textilien von statten geht und Arzt und Patient umgehend darüber aufklärt, ob es sich hier um einen banalen Schnupfen oder eine ernsthafte Grippe handelt.
14 Partner aus Industrie und Wissenschaft, sowohl aus Brandenburg als auch aus anderen nationalen Forschungseinrichtungen, arbeiten deshalb an der Entwicklung von neuartigen Biosensoren, die Krankheitserreger sofort - in einem Taschentuch, so eklig das Nicht-Forschern auch vorkommen mag - erkennen können. In fünf Jahren will man in Potsdam-Golm marktreif sein, fünf Firmen interessieren sich schon dafür, das Taschentuch der Zukunft zu produzieren.
Das Statusseminar in Potsdam wurde mit einem Symposium über Sensor-Aktor-Moleküle verbunden und gab den Teilnehmern somit die Gelegenheit, tiefere Einblicke in die Nutzung von Mikrostrukturen für eine Pathogenerkennung zu erhalten. Professor Dr. Frank Bier, der Leiter des Verbundprojektes "Taschentuchlabor" am IMBT, eröffnete die Veranstaltung am Morgen, Vertreter aus den Ministerien für Wissenschaft, Forschung und Kultur (Brandenburg) sowie Hans-Peter Hiepe vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)waren anwesend und begrüßten die zahlreichen Gäste mit einleitenden Worten.
Prof. Dr. Frank Bier, Leiter des Projekts "Das Taschentuchlabor".
Dr. Katja Heilmann, Nachwuchsforschungsgruppenleiterin im InnoProfil "Antikörper-Technologien", erläutert, worum es an diesem Tag ging: "Wir sind mit der Nachwuchsforschungsgruppe in einem Teilprojekt vertreten, in dem wir uns um die Entwicklung der Antikörper gegen verschiedene Erreger widmen, die dann später als Bindemoleküle in dem Testsystem eingesetzt werden sollen. Das Statusseminar gab uns die Möglichkeit, unsere bisherigen Arbeiten vorzustellen."
Die Nachwuchsforschungsgruppe "Antikörper-Technologien" kümmert sich im Rahmen des "Taschentuchlabors" darum, monoklonale Antikörper gegen humanpathogene Erreger herzustellen, welche dann später in das Nachweissystem integriert werden sollen. Das Projekt läuft bis Ende 2013. Katja Heilmann sagt: "Für uns war es sehr spannend, die Komplexität des Verbundes und des gesamten Themas zu sehen. Da viele andere Teilprojekte auf den Erfolg unserer Arbeit aufbauen, ist das natürlich eine große Motivation. Aufgrund der vielen Partner und Interaktionen ist so ein Verbundprojekt eine ganz neue Erfahrung."
Ob man mit den Forschungsergebnissen dann auch etwas gegen die Sommergrippe anfangen kann? Es herrschten tropische Temperaturen in Berlin-Brandenburg - einen Schnupfen oder Schlimmeres kann man da ganz sicher nicht gebrauchen.
Weitere Informationen zur Spitzenforschung-und-Innovation-Initiative "Das Taschentuchlabor" finden Sie hier.
(URL: http://www.unternehmen-region.de/de/3916.php)