Im Blickpunkt

Einparken, überholen, bremsen - alles voll automatisch?

Ja, das klingt nach Zukunftsmusik, doch an der Zukunft wird gebastelt. In diesem Fall an der Freien Universität (FU) Berlin von einer Gruppe, die sich "AutoNOMOS" nennt und die an dem Auto bastelt, das alles allein können soll.

Alle rätseln, was auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof so getrieben wird - denn es ist weder ein Golfplatz geworden, noch ein Filmstudio und schon gar nicht der Austragungsort für den Eurovision Song Contest. Dort fährt ab und zu aber ein Auto herum, David Haselhoffs "K.I.T.T" aus der Serie "Knight Rider" nicht unähnlich - zumindest ideell. Am 14. Oktober war es soweit, die fahrerlose Mobilität wurde der zahlreich angereisten Presse demonstriert und mit einigen "Ahs" und "Ohs" begleitet.

Zunächst einmal steht da ein ganz normaler VW Passat mit einer Kamera auf dem Dach, der über das ehemalige Rollfeld fährt. Am Steuer ein Mann, der seine Arme aus dem offenen Dach schwenkt, sie also nicht am Lenkrad hat. Leichtsinnig! Vor allem, da jetzt ein Fahrradfahrer die Fahrbahn kreuzt - und wie durch ein Wunder bleibt das Auto "Made in Germany" (MIG) stehen, denn es ist ein Auto, das sich ohne Fahrer durch den Straßenverkehr bewegen kann. Die Berliner Forscher um den Informatikprofessor Raul Rojas haben sich für die Präsentation einen Tag mit strahlend blauem Himmel ausgesucht.

Das Auto der Zukunft kann sich ohne Fahrer durch den Straßenverkehr bewegen - und dabei auch sicher auf nicht vorhersehbare Situationen reagieren.

Gefördert wird das ForMaT-Projekt AutoNOMOS vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Schön ist es noch nicht, das Auto der Zukunft, dafür ist es ausgestattet mit einer umfassenden Sensortechnologie und es ist in der Lage, selbstständig zu navigieren und zu reagieren. Für alle Gegebenheiten gerüstet ist es durch sechs Laserscanner mit je vier fixen Strahlen, einem rotierenden Laserscanner, sieben Radareinheiten für die Erkennung von vorausfahrenden und folgenden Autos, vier Videokameras und durch eine Wärmebildkamera zur Erkennung von Menschen und Tieren. In einem Radius von 70 Metern wird jedes Detail erfasst. Selbst Stoppschilder und umschaltende Ampeln erkennt das Fahrzeug.

Außerdem "weiß" es, wie Vorfahrtsregeln umzusetzen sind. Die Steuerung des fahrerlosen Wagens erfolgt über ein externes, handelsübliches iPad. Eine speziell entwickelte Software greift auf die Schaltzentrale des Wagens zu und dirigiert ihn an den gewünschten Standort. Abgesehen davon sind die Videokameras und das GPS-System die wichtigsten Komponenten der Konstruktion. Das auf 10 bis 20 Zentimeter genaue GPS unterscheidet sich von handelsüblichen Navigationssystemen durch die Fähigkeit, auch bei kurzen Unterbrechungen des Satellitenempfangs weiter steuern zu können. Den Kern des Systems bilden mehrere Prozessoren. Diese sollen die zu verarbeitenden Daten empfangen, verarbeiten und vorausschauend berechnen. So kann das Auto eigenständig auf unvorhersehbare Situationen wie einen auf die Fahrbahn springenden Ball reagieren.

Doch damit nicht genug: Die Vision, die die Wissenschaftler um Professor Rojas verfolgen, sieht fahrerlose Elektrofahrzeuge im Rahmen von Car-Sharing-Projekten auf den Straßen vor. Lange Reihen geparkter Autos an den Straßenrändern könnten dadurch langfristig aus dem Stadtbild verschwinden, erklärt Rojas. Vielleicht schon in 20 bis 30 Jahren könnte ein jeder über seine Mobilfunkeinheit auf den Service zugreifen. Mit einem Flatrate-Angebot der Hersteller für die speziellen Fahrzeugmodelle wäre das durchaus vorstellbar.

 Zwar haben moderne Fahrerassistenzsysteme bei Serienmodellen schon heute ein hohes Niveau erreicht. Im MIG sind sie sogar so weit ausgereift, dass man laut den Berliner Forschern theoretisch jetzt schon im normalen Straßenverkehr damit "chauffiert" werden könnte.

Die einzige Frage, die bleibt, ist eigentlich: "Wollen wir nicht mehr selbst Auto fahren?" Die Forscher sehen das so: "Autofahren wird immer gefährlicher, vernünftige Menschen werden sich dem Risiko in Zukunft kaum mehr aussetzen wollen. Es ist wie mit den Pferden: Früher beherrschten sie das Stadtbild, heute muss man sie auf dem Reiterhof besuchen und ausführen. So wird es eines Tages auch mit den Autos sein." Ein leichtes Lächeln huscht dem Professor dabei dann aber schon über's Gesicht .

 

Nähere Informationen zum ForMaT AutoNOMOS finden Sie hier.


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