Plasma geht in die Praxis

Dank der Greifswalder Forschungsarbeit beweist die Plasmamedizin heute europaweit ihr Potenzial bei der Wund-und Infektionsbehandlung. In Berlin gaben jetzt Ärzte des Nationalen Zentrums für Plasmamedizin e.V erste Einblicke in die Praxis der Plasmabehandlung.

Die Anwendungsmöglichkeiten in der Plasmamedizin werden immer vielfältiger. Seit Sommer 2013 ist das Plasmagerät kINPen MED auf dem Markt. Vorausgegangen waren jahrelange Forschungsarbeiten im ZIK „plasmatis“ und im CampusPlasmaMed am Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie Greifswald INP. Das gemeinsam mit der Universitätsmedizin Greifswald, der Charité Berlin und Industriepartnern entwickelte Medizinprodukt war damit der erste Plasmajet, der für die Behandlung von Patienten zugelassen wurde. Inzwischen wird der kINPen MED deutschlandweit und in Teilen Europas in Kliniken und Praxen zur Therapie chronischer Wunden und infektiöser Hauterkrankungen angewendet. Für ihre bahnbrechende Arbeit auf dem Gebiet der Plasmamedizin erhielten die Plasmaforscher vom INP, Direktor Klaus-Dieter Weltmann und Thomas von Woedtke, Anfang Juli sogar den Plasmaphysik Innovation Award 2016.

Der kINPen MED wird europaweit zur Therapie chronischer Wunden und infektiöser Hauterkrankungen angewendet. (Foto: plasmatis)
Der kINPen MED wird europaweit zur Therapie chronischer Wunden und infektiöser Hauterkrankungen angewendet.
Foto: plasmatis

 

Wundbehandlung der Zukunft?

Von sehr erfolgreichen Ergebnissen berichtet Birgit Schwetlick aus dem Klinikum Altenburger Land. Bei ihr suchen Patienten mit diabetischem Fuß und anderen chronischen Wunden Hilfe. In einem Zeitraum von eineinhalb Jahren hat die leitende Oberärztin bei 61 Patienten mit dem kINPen MED kaltes Plasma zur Wundheilung eingesetzt. Im Durchschnitt dreimal in der Woche und für je 30 bis 60 Sekunden behandelte die Ärztin kleine und größere Wunden mit kaltem Plasma.

Ihr Ergebnis: Alle chronisch therapieresistenten Wunden mit MRSA-Besiedlung heilten unter der Behandlung mit Plasma ab. „Der Keim wurde zu 100 Prozent entfernt und kam nicht wieder – und das ohne Antibiotika und in relativ kurzer Zeit“, berichtet Schwetlick. Doch es gibt noch viele Fragen rund um die Behandlung: Wie lange und wie oft sollte behandelt werden, um ein optimales Ergebnis zu bekommen? Wann ist der richtige Zeitpunkt um aufzuhören? Und welche Schutzvorkehrungen sind notwendig? „Was wir dringend brauchen, sind kontrollierte multizentrische Studien“, so die Internistin aus Thüringen.
 

Plasma und Krebszellen

Im Bereich der Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie berichtet Christian Seebauer von der Universitätsmedizin Greifswald von ersten Versuchen mit Tumorzellen. Behandelt wurden Tumorproben und gesundes Gewebe von 10 Patienten mit dem kINPen MED. Seebauer und sein Team konnten beobachten, dass Plasma in
Kopf-Hals-Tumoren Zellen absterben lässt, wobei gesundes Gewebe nahezu unbeeinflusst bleibt.

Auch Patienten mit Krankheiten mit hohem Entartungsrisiko, wie beispielsweise chronische Schleimhautveränderungen, hat er mit Plasma behandelt, um den Fragen nachzugehen, „Was passiert, wenn ich Vorstufen des Krebs behandle? Kommt die Krankheit vielleicht zum Stehen?“, so Seebauer. Die Ergebnisse waren positiv. Fazit: Die Symptome wurden weniger und die Schmerzen ließen nach. „Ich sehe klinische Effekte bei der Knötchenflechte. Der Patient hat eine Besserung erfahren. Vielleicht müsste man aber die Plasmabehandlung noch länger und öfter anwenden“, fasst Seebauer die ersten Beobachtungen zusammen.

Auch Herzchirurgen und Zahnmediziner berichten über positive Effekte der Plasmabehandlung. Das Nationale Zentrum für Plasmamedizin will künftig daran arbeiten, die Plasmamedizin weiter zu entwickeln und in der klinischen Praxis vollständig zu etablieren.

 

Weitere Informationen zum ZIK plasmatis