Mit intelligenten Navis durchs WWW

Das Berliner Forschungsprojekt „Corporate Smart Content“ hat Werkzeuge für die Erzeugung und intelligente Nutzung von Unternehmensinhalten entwickelt. Wer sich von ihnen durch den Daten-Dschungel leiten lässt, ist klar im Wettbewerbs-Vorteil.

Man könne ein Umdenken in der Unternehmenskultur feststellen, sagen Anika Stiem und Maya Biersack von der EsPresto AG – bezogen auf den Umgang mit dem Wissen, welches tagtäglich in einem Betrieb generiert wird. Der IT-Dienstleister unterstützt Betriebe bei der Einführung von Unternehmens-Wikis, die längst nicht mehr nur Nachschlagewerke, sondern ebenso wichtig sind für die Speicherung von Wissen, das sich in einem Unternehmen entwickelt und anhäuft. EsPresto ist einer der Partner des InnoProfile-Transfer-Verbundprojektes Corporate Smart Content, kurz CSC. Nach drei Jahren Förderung durch das Bundesforschungsministerium fand kürzlich das Abschlusstreffen im Fraunhofer Forum in Berlin statt.

Anika Stiem (l.) und Maya Biersack von der EsPresto AG demonstrieren Zusatzwerkzeuge, die sie innerhalb von CSC für Unternehmens-Wikis entwickelt haben. (Foto: PRpetuum GmbH)
Anika Stiem
l. und Maya Biersack von der EsPresto AG demonstrieren Zusatzwerkzeuge, die sie innerhalb von CSC für Unternehmens-Wikis entwickelt haben.
Foto: PRpetuum GmbH
In ihrer Anwendung müssen die neuen Werkzeuge leicht zu handhaben sein, weiß das EsPresto-Team nur zu gut. Ihre überzeugenden Argumente für ein Unternehmens-Wiki sind Erfolgserlebnisse. „Innerhalb des CSC-Projektes sind Prototypen von Werkzeugen entstanden, die die tägliche Arbeit mit dem Unternehmens-Wiki erleichtern“, sagt Anika Stiem und nennt als Beispiel Navigations-Lösungen für die Suche nach Begriffen, deren Inhalte oder Bezeichnungen sich mit der Zeit ändern können.

 

Aus Kreditkartenantrag wird Prozessmodell

„Wir haben Werkzeuge entwickelt, die Begriffe unter einem bestimmten Aspekt ordnen und darstellen. Die sollen den Unternehmen helfen, mit den großen Datenbeständen umzugehen“, so Adrian Paschke, CSC-Koordinator und Wissenschaftler am Institut für Informatik der Freien Universität Berlin (FU). Hier wurden die wissenschaftlichen Grundlagen für intelligente Navigationssysteme gelegt. Denn in einer Zeit, wo sich Wissen in rasendem Tempo verändert – veraltet, erneuert, erweitert... – ist die Beherrschung von Big Data eine große Herausforderung. An der FU wurde ein Programm entwickelt, das automatisch geführte Suchprotokolle mit Hintergrundwissen anreichert.

Auch Geschäftsprozesse enthalten wichtige Informationen, die im Arbeitsalltag zielgerichtet eingesetzt werden können. Der Microsoft-Partner Semtation hat zu diesem Zweck die Lösung für ein Web-Portal gefunden, das Prozessmodelle, beispielsweise für einen Kreditkartenantrag, erstellt.

Pokémon wird herausgefiltert

Die Neofonie GmbH hat einen Startup-Monitor entwickelt. Der Screenshot zeigt einen Assistenten für die Firmendaten-Extraktion. (Foto: Neofonie GmbH)
Die Neofonie GmbH hat einen Startup-Monitor entwickelt. Der Screenshot zeigt einen Assistenten für die Firmendaten-Extraktion.
Foto: Neofonie GmbH
„Schon mal was von Pokémon Go gehört?“ Doris Maassen von der Neofonie GmbH lacht und öffnet eine Seite mit einer langen Dokumentenliste, automatisch herausgefiltert aus 1200 Nachrichtenquellen. Alle Welt berichtet über das neue Handyspiel. Für Neofonie – die Internetagentur arbeitet für große Redaktionen – sind Verfahren zum Herausfiltern von Fakten direkt aus den Webseiten ein großes Thema. Zum einen, so Doris Maassen, dienen sie dem Erkennen von Trends. Zum anderen können intelligente Nutzer-Workflows die Redakteure oder Mitarbeiter eines Unternehmens bei der Erfassung von Metadaten unterstützen.

Den Bereich Recherche hat auch die Condat AG im Fokus. Der IT-Dienstleister entwickelte drei Prototypen, die entsprechend des „semantischen Fingerabdruckes“ des Nutzers zur effizienten Gewinnung von hochwertigen Metadaten eingesetzt werden.

Adrian Paschke ist optimistisch, dass die Forschung an intelligenten Navigationssystemen weitergeht. Der Bedarf sei groß wie auch das Interesse von potenziellen Partnern, die ein Wachstumskern-Bündnis eingehen wollen. Zudem hat Adrian Paschke selbst den Weg von der Forschung zur Anwendung gefunden. Aus der engen Kooperation von Corporate Smart Content mit dem Fraunhofer Fokus heraus wurde ihm die Leitung des Data Analytics Centers (DANA) übertragen.


Weitere Informationen zur InnoProfile-Transfer-Initiative CSC