Digitale Perlentaucher

Altes und neues Wissen versammeln sich im Internet zur steigenden Datenflut. Wissensarbeiter fühlen sich längst von Big Data überrollt. Doch Rettung naht: Ein Berliner Forschungsbündnis entwickelt digitale Kuratierungstechnologien.

In der Entwicklung ist ein Redaktions-Workflow, das im Umfeld von Schlagwörtern die Suche auf ähnliche Begriffe erweitert. (Foto: PRpetuum GmbH)
In der Entwicklung ist ein Redaktions-Workflow, das im Umfeld von Schlagwörtern die Suche auf ähnliche Begriffe erweitert.
Foto: PRpetuum GmbH
„Wir liegen mit unserem Forschungsprojekt am Puls der Zeit“, sagt dessen Leiter Georg Rehm vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Berlin. Er demonstriert einen grafisch aufsteigend dargestellten Google-Trend. Seit 2013 entwickelt sich der Begriff „Kuratierung“ zu einem vielgenutzten Schlagwort, das in sich eine Vielzahl von Aktivitäten vereint: auswählen, übersetzen, einordnen, erklären, anreichern, kombinieren, visualisieren, zusammenfassen, internationalisieren – und dann unter einem bestimmten Fokus einen neuen Inhalt erzeugen...
 

Allein die Nachrichtenlage der zurückliegenden Wochen lässt ahnen, dass hochanspruchsvolle und eilige Kuratierungstätigkeiten die Köpfe in den Redaktionen zum Qualmen brachten. Ein Volltreffer also ist DKT – die WK-Potenzial-Initiative „Digitale Kuratierungstechnologien“. Sie wird seit einem Jahr vom Bundesforschungsministerium gefördert.

Smarte Assistenten für Redakteure

Das DKT-Forschungsprojekt will Redakteuren semiautomatische Verfahren zur Seite stellen, die qualitativ hochwertige Medieninhalte effizient verarbeiten, erstellen und verteilen. Die Gegenwart zeige, dass DKT exakt die Bedürfnisse der Medien- und Wissens-Arbeiter treffe, bestätigen die Projektpartner, die in entsprechenden Branchen ihre Kunden haben. Immer größer wird deren Aufwand, in Texten, Daten, Metadaten, Video-, Bild-, Tondokumenten und dazu noch in den sozialen Medien zu recherchieren. Unsere Schnelllebigkeit bedeutet in diesem Kontext: Die Zeit, die für Kuratierung zur Verfügung steht, wird immer kürzer; assistierende Technologien sind gefragt.

Das DKT-Projektziel ist eine digitale Kuratierungsplattform, die nahtlos in bestehende Software-Systeme integriert werden kann. Sie wird den Arbeitsalltag der Medien- und Wissensarbeiter erleichtern und effizienter gestalten. Verschiedene Prototypen mit typischen Anwendungsszenarien wurden kürzlich auf dem ersten Statustreffen in Berlin demonstriert.

Datenbanken erzählen Geschichten

Die Erich Mendelsohn Archive in Berlin nutzen ein smartes Redaktionssystem, um den Briefwechsel von Erich und Luise Mendelsohn mit Metadaten anzureichern. (Foto: PRpetuum GmbH)
Die Erich Mendelsohn Archive in Berlin nutzen ein smartes Redaktionssystem, um den Briefwechsel von Erich und Luise Mendelsohn mit Metadaten anzureichern.
Foto: PRpetuum GmbH
Die IT-Dienstleister im Projekt wissen: Auf dem Wunschzettel von Redakteuren – etwa bei den Fernsehsendern – steht das Auffinden von gutem Material, das nicht unbedingt auf dem elektronischen Datenberg ganz oben liegt und viel genutzt wird. „Perlentaucher“ ist der Name einer App, die in der Tiefe nach seltenem Material sucht. DKT entwickelt entsprechende Werkzeuge, um den „semantischen Fingerabdruck“ des Nutzers zu erstellen. Der wird zur effizienten Gewinnung von hochwertigen Metadaten eingesetzt. In der Entwicklung ist ebenso ein Redaktions-Workflow, der im Umfeld von Schlagwörtern die Suche auf ähnliche Begriffe erweitert und automatisch entsprechende Empfehlungen mit der dazugehörigen Erklärung abgibt.


Aus der bisherigen Forschungsarbeit heraus, so Projektleiter Rehm, habe sich ein neuer Ansatz ergeben: das Semantic Storytelling. Aus einer Dokumentensammlung wird automatisch ein elektronischer Text erstellt, der Metadaten enthält. Das öffnet unter anderem Archiven völlig neue Möglichkeiten. Daten können in Geschichten verpackt werden und sorgen so für emotionale Nutzererlebnisse.

DKT ist offensichtlich ein guter Nährboden für wachsende Ideen auf diesem Feld. Wen wundert es, dass die Projektpartner einen Wachstumskern ins forschende Auge fassen.


Weitere Informationen zum WK Potenzial DKT