Hoher Besuch in Jena

Immer mehr Keime sind Antibiotika-resistent. In Jena arbeiten Wissenschaftler aus ganz Deutschland und der Welt daran, neue Strategien gegen Infektionskrankheiten zu entwickeln. Das interessiert auch den Bundespräsidenten höchstpersönlich.

Als die schwarzen Limousinen anrollen, geraten die Sicherheitskräfte in Bewegung. Aus dem Wagen mit der Bundesadler-Flagge steigen Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt. Nach freundlichem Händeschütteln mit dem Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, seinem Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee, Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter und dem Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft Matthias Kleiner führt Institutsdirektor Axel Brakhage das Staatsoberhaupt und die Landespolitiker direkt ins Labor. Über die schwarzen Anzüge werden weiße Kittel gestreift, und Professor Brakhage erläutert die Forschungsarbeit des Instituts. Am Hans-Knöll-Institut (HKI) werden unter anderem Naturstoffe, die von Bakterien und Pilzen produziert werden, untersucht. Diese Stoffe haben oft großes Potenzial, zum Beispiel als Wirkstoffe für neue Antibiotika. Aufgrund zunehmender Antibiotika-Resistenzen sind solche neuen Wirkstoffe von großer Bedeutung. Im Zwanzig20-Konsortium „InfectControl 2020“, das vom HKI initiiert wurde, und vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, gehen Wissenschaftler aus ganz Deutschland das Problem der Infektionskrankheiten gemeinsam an.

Bundespräsident Joachim Gauck am HKI in Jena: Direktor Axel Brakhage (r.) informiert über die Forschung des Instituts. Mit dabei: Lebensgefährtin Daniela Schadt (l.) und Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter (2. v. r.). (Foto: PRpetuum GmbH)
Bundespräsident Joachim Gauck am HKI in Jena: Direktor Axel Brakhage (rechts) informiert über die Forschung des Instituts. Mit dabei: Lebensgefährtin Daniela Schadt (links) und Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter (2. v. r.).
Foto: PRpetuum GmbH

 

Gute Wissenschaft durch Internationalität

Zur herausragenden Forschung am Jenaer HKI gehört auch die Förderung junger internationaler Wissenschaftler. Davon konnte sich der Bundespräsident bei einer anschließenden Podiumsdiskussion überzeugen. Auf erfrischend natürliche Weise kam er mit den jungen Leuten aus Syrien, Italien, China, Kolumbien, den USA und Deutschland ins Gespräch. Gauck zeigt sich erfreut darüber, wie gut am Institut und in der Stadt Jena Nachwuchsforscher aus dem Ausland integriert werden. „Es muss uns vor allem hier im Osten Deutschlands noch besser gelingen, dass solche positiven Beispiele in die gesamte Gesellschaft ausstrahlen“, sagt er. Begleitet von großem Beifall verlässt der Bundespräsident den voll besetzten Vorlesungssaal.

Schneller erkennen, besser heilen

Seine zweite Station ist der Forschungscampus „InfectoGnostics“, der ebenfalls vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. In einer Diskussionsrunde am Leibniz-Institut für Photonische Technologien erläutern die Wissenschaftler, wie exaktere und schnellere Diagnosen den weltweit zunehmenden Antibiotika-Resistenzen entgegenwirken können. „Wir wollen die derzeit noch sehr teuren Diagnosegeräte leistungsfähiger und zugleich kleiner machen“, sagt Jürgen Popp, Institutsdirektor und Vorstand von „InfectoGnostics“. „Ziel ist eine günstige To-Go-Diagnostik, die von Ärzten, Pflegepersonal oder sogar vom Patienten selber eingesetzt werden kann.“ Durch enge Partnerschaften zwischen Wissenschaftlern und Unternehmern will „InfectoGnostics“ dieses Ziel erreichen. Joachim Gauck ist begeistert von einem derart zukunftsorientierten Denken – ein Geist, für den die Stadt Jena steht.

Am Forschungscampus „InfectoGnostics“ erläutert Jürgen Popp dem Bundespräsidenten neue Diagnoseverfahren und künftige Vorhaben des Verbundes. (Foto: PRpetuum GmbH)
Am Forschungscampus „InfectoGnostics“ erläutert Jürgen Popp dem Bundespräsidenten neue Diagnoseverfahren und künftige Vorhaben des Verbundes.
Foto: PRpetuum GmbH

Weitere Informationen zum Zwanzig20-Konsortium InfectControl 2020