sachsMedia - Cooperative Producing, Storage, Retrieval and Distribution of Audiovisual Media - Chemnitz (2007-2012)

Das InnoProfile-Vorhaben

Sachsen verfügt über eine einzigartige Fernsehlandschaft in Europa. Mit 60 Sendern sind 30% der bundesdeutschen Sender für Lokalfernsehen in Sachsen ansässig. Insbesondere der Regierungsbezirk Chemnitz ist hier sehr stark positioniert. Insgesamt sind die neuen Länder mit 165 Sendern deutlich dichter abgedeckt als die alten Bundesländer mit 37 Sendern.

Die Lokalsender übernehmen oftmals Aufgaben der Informationsversorgung, denen der öffentlich-rechtliche Rundfunk nur unzureichend nachkommen kann. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) beispielsweise deckt gleich drei Bundesländer - Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen - ab und stellt für Informationen aus Sachsen gerade eine halbe Stunde Sendezeit pro Tag zur Verfügung. Laut langjährigen Medienuntersuchungen hat sich das Lokalfernsehen im Wettbewerb um die lokalen und regionalen Inhalte den Platz hinter der Tageszeitung und noch vor den Lokalradios, Wochenblättern und lokalen Internetangeboten erkämpft. Nun steht das Lokalfernsehen an einer existentiellen Umbruchschwelle, wobei hier gleich mehrere Faktoren aufeinander treffen:

  • Die in den letzten Jahren in allen Medienbereichen eingebrochenen Werbeeinnahmen erfordern auch vom Lokalfernsehen Rationalisierungsmaßnahmen. Hierfür werden senderübergreifend kooperative Strukturen bei der Produktion von Sendungen sowie gut archivierte und leicht recherchierbare Sammlungen von Sendematerial benötigt.
  • Im Jahr 2010 wird die analoge Ausstrahlung von Fernsehprogrammen bundeseinheitlich eingestellt. Das momentan noch auf analoger Basis sendende Lokalfernsehen muss bis dahin den Umstieg auf Digitalfernsehen (DVB-C, DVB-T) geschafft haben.
  • Neben der Ausstrahlung als klassisches Fernsehen wächst die Bedeutung einer Ausstrahlung über das Internet und anderer, z.B. mobiler Medien (DVB-H, DMB). Inhalte müssen für Internet-Streaming, mobile Anwendungen und klassische TV-Geräte aufbereitet werden, was entsprechende medienspezifische Distributionsmethoden erfordert.

Diese Problematiken sind hier am Beispiel des Lokalfernsehens beschrieben, betreffen aber alle an der Erstellung und Distribution audiovisueller Medien Beteiligten, sei es Produzenten, Fernsehanstalten, Sendeanlagenbetreiber, Mobilfunkbetreiber oder Internetanbieter.

Die Ziele

Mit der Initiative sachsMedia - Storage, Retrieval and Distribution of Audiovisual Media nimmt sich die Professur Medieninformatik der TU Chemnitz zusammen mit verschiedenen in unterschiedlichen Medienbereichen operierenden Firmen der Thematik an. Das Projekt beschäftigt sich mit kritischen Forschungshürden, um zukunftsfähige Lösungen für die anstehenden Veränderungen im Medienbereich zu entwickeln. Es werden innovative und dringend benötigte Verfahren entwickelt. So sollen die Grundlagen geschaffen werden, um den regionalen Fernsehstationen und Firmen zukünftig einen Innovationsschub zu ermöglichen. Besonders der Schwelle des Digitalfernsehens wird innerhalb des Projekts große Bedeutung beigemessen.

Die thematischen Schwerpunkte

  • Annotation & Retrieval: Basis für eine kooperative Arbeit bildet eine Datenbank, in der die Datenbestände, also sowohl Rohmaterial als auch fertig produziertes Material, der Fernsehanbieter in einer Form vorgehalten werden, die möglichst umfassend inhaltlich beschrieben und leicht recherchierbar ist. Die Beschreibung bzw. Annotation des Materials erfolgt zum einen intellektuell nach Prinzipien des Informations- und Dokumentationswesens, zum anderen automatisch nach innovativen Verfahren des Video Retrievals. Diese bilderkennenden und bildinterpretierenden Verfahren sind in der Implementierung vergleichsweise aufwändig und bilden daher einen größeren Komplex innerhalb des Projekts.
  • Distribution: Hier werden die Möglichkeiten des Sendens bzw. Verteilens der Produktionen untersucht und weiterentwickelt. Jenseits der klassischen analogen Übertragung werden neue Wege der Distribution erforscht. Zum einen geschieht das durch TV-Life-Streaming und Video-on-Demand-Streaming über das Internet. Zum anderen wird die Bereitstellung des Materials und dazugehöriger Metadaten für die Übertragung via Digitalfernsehen und für entsprechende zugehörige Mediendienste (Bouquetbildung) ermöglicht. Dazu soll das Sendematerial in einer Form vorgehalten werden, die für unterschiedliche Vertriebswege geeignet ist. Das Material muss also an den jeweiligen Verbreitungsweg optimal angepasst werden. Um die hier erreichten Fortschritte evaluieren zu können, wird auf dem Gelände der TU Chemnitz  eine DVB-Sendeanlage sowie ein Messpark eingerichtet.

Die Partner

Als Kooperationspartner treten Firmen auf, die ihre innovativen Produkte bereits mindestens national, meist aber weltweit vertreiben:

  • ARiS – Arbeitsgemeinschaft Regionalfernsehveranstalter in Sachsen, Grünhain-Beierfeld
  • envia TEL GmbH, Markkleeberg
  • HMS oHG, Halle (Saale)
  • KabelJournal GmbH, Grünhain-Beierfeld
  • Mugler AG, Oberlungwitz

Kontakt

Dipl.-Inf. Jens Kürsten (Nachwuchsforschungsgruppenleiter)
Technische Universität Chemnitz
Fakultät für Informatik
Professur Medieninformatik
Straße der Nationen 62
09111 Chemnitz
Tel.: 0371 531-36764
E-Mail: jens.kuersten@informatik.tu-chemnitz.de 

Prof. Dr. Maximilian Eibl
Technische Universität Chemnitz
Fakultät für Informatik
Professur für Medieninformatik
Straße der Nationen 62
09111 Chemnitz
Tel.: 0371 531-31562
E-Mail: eibl[at]informatik.tu-chemnitz.de


Die InnoProfile-Initiative entwickelt ihr regionales Innovationsprofil mit der InnoProfile-Transfer-Stiftungsprofessur "localizeIT" weiter.