Statusseminar der Initiative FIRM in Meuro

Am 28. September 2006 fand bei der Firmengruppe Drochow in Meuro das Statusseminar der Initiative FIRM statt. Die Innovationsoffensive des BMBF ermöglichte den Start dieses neuen regionalen Netzwerks in Brandenburg. Die eingesetzten Fördermittel legen die Basis für weltweit neue Technologien und Produkte im Bereich Kunststoffrecycling.

Mehr als 8 Millionen EUR wurden in den vergangenen 6 Jahren in insgesamt 16 einzelnen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben in der InnoRegio-Initiative FIRM investiert. Damit nutzte die Initiative mehr als 97 Prozent der für sie zur Verfügung stehenden Fördergelder des BMBF. Im Mittelpunkt dieser Arbeiten stand die immer wichtiger werdende Kreislaufführung von Kunststoffen und die Herstellung neuer Materialien. Durch die intensive Zusammenarbeit der beteiligten Unternehmen mit der Technischen Fachhochschule Wildau konnte in der Region eine außerordentlich große Kompetenz im Recycling von Abfällen der Kunststoffindustrie (Polyurethan-PUR + Polyethylen-PET) entwickelt werden. Die dabei gewonnen Kenntnisse sind besonders für die beteiligten Unternehmen Grundlage für ihre neuen Angebote von Verfahren und Produkten. Im Ergebnis der Forschungs- und Entwicklungsvorhaben wurden durch FIRM-Partner bisher 9 Patente angemeldet. 3 neue Unternehmen konnten gegründet werden.

Ein Beispiel dieser Neugründungen ist die Recyclit GmbH – eine Ausgründung der TFH Wildau. Unternehmenskern ist ein neues Verfahren, mit dem nicht genutzte Reste der Kunststoffindustrie, z.B. bei der Produktion von PUR und PET-Produkten, in einen flüssigen Rohstoff (Polyole) recycelt werden, dessen Qualität den klassischen Erdölrohstoffen mindestens entspricht. In Zeiten knapper werdender Erdölvorräte und steigender Preise eine fast revolutionäre Technologie. Aus Laborversuchen mit den erforderlichen Kleinanlagen sind heute industriell einsetzbare Größen entstanden. Voraussichtlich 3 Recyclinganlagen mit einer Produktionskapazität von 12.000 Tonnen sollen im kommenden Jahr weltweit entstehen – die ersten Referenzanlagen.

Versuchsanlage zum Recycling von Abfällen der Kunststoffindustrie in der TFH Wildau.

Bei der Fenotec GmbH trugen die Projektförderung des BMBF und natürlich auch die Eigenmittel des Unternehmens dazu bei, eine wichtige Entscheidung für die Firma zu treffen: sie bekommt neben der klassischen Kompetenz der Behandlung von Kunststoff-Oberflächen ein ganz neues unternehmerisches Standbein. Konkrete Informationen hierzu wird es nach der weltweiten Patentbestätigung (Kosten ca. 30.000 EUR) im kommenden Jahr geben.

Das FIRM-Netzwerk wird auch nach Ende der InnoRegio-Förderung weiterbestehen. Im Rahmen einer neuen NEMO-Förderung, aber vor allem bedingt durch die jetzt bevorstehende Markteinführung der zwischen 2001 und 2006 entwickelten Verfahren und Produkte, steht diesem regionalen Cluster jetzt die Reifeprüfung bevor.

Nach Informationen des KUBRA e.V. (Kunststoffe Brandenburg) ist die Chemie- und Kunststoffindustrie die drittwichtigste Branche in Brandenburg. Sie erwirtschaftet zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes Brandenburgs – mehr als die Automobil- oder Elektrobranche. 9.000 Mitarbeiter in 90 Unternehmen erwirtschaften jährlich gut 2,4 Milliarden EUR Umsatz in Brandenburg. Hauptproblem ist das verbreitete negative Image der Kunststoffindustrie. So fällt es schon heute schwer, Auszubildende und Hochschulabsolventen für diese Branche zu begeistern. Etwa 300 offene Stellen können in den kommenden Monaten kaum besetzt werden. Die Situation wird sich zuspitzen – in den kommenden beiden Jahren sinkt die Zahl der Brandenburger Schüler, die den 10. Klasse-Abschluss machen von 6.700 auf 2.600.

Nach Informationen der IHK Cottbus hat auch FIRM noch eine Marathonstrecke vor sich. Das neu entstandene Netzwerk ist gerade für die strukturschwache Region östlich und südlich von Berlin besonders wichtig. Mit kontinuierlicher Forschung und Entwicklung im industriellen Kunststoffrecycling besitzen alle Netzwerkpartner die Chance, ihre Kompetenz zum neuen Gütezeichen der Region zu machen.