Flugzeugbau 4.0

Wie kann sich die Energieeffizienz im Flugzeugbau durch Integration innovativer Mikroelektronik verbessern? Die Buchstaben EEAS stehen als Richtungsweiser an möglichen Wegen, die Luftfahrtindustrie und Mikrotechnologie gemeinsam gehen. 

Seit den 1960er-Jahren wird in Dresden Mikroelektronik erforscht, entwickelt und produziert. Inzwischen ist die Region Europas größter Mikro- und Nanoelektronikstandort. Über 300 Betriebe und Forschungseinrichtungen der Branche sind im Verein Silicon Saxony e.V. vernetzt. „Unsere hauptsächlich kleinen und mittelständischen Unternehmen stehen vor der großen Herausforderung, Trends auf dem Markt rechtzeitig zu erkennen und sie bedienen zu können“, sagt Stefan Uhlig. Er ist Projektmanager der Silicon Saxony Management GmbH. Das Tochterunternehmen des Vereins unterstützt den regionalen Mittelstand wie auch das Spitzencluster Cool Silicon e.V. beim Aufbau von Kooperationen zwischen Wirtschaft und Forschungseinrichtungen. Es hilft bei der Identifizierung von Förderprogrammen und begleitet die Akteure von der Antragstellung bis zum Projektmanagement.

Partnerschaftsvermittlung ...

Eines der Projekte ist innerhalb des Zwanzig20-Förderprogramms des Bundesforschungsministeriums angesiedelt. „Partnerschaft für Innovation“ – wie gemacht scheint das Förder-Motto für die Dresdener Networking-Experten. Seit zwei Jahren versammeln sie einschlägige Kompetenz unter dem Projektnamen „EEAS – Energy Efficient Aviation Solutions“. Die beteiligten Partner – die Luftfahrtcluster Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz und Hamburg Aviation, das Kompetenzzentrum für Luft- und Raumfahrttechnik Sachsen/Thüringen sowie das Zentrum für mikrotechnische Produktion der Technischen Universität Dresden – verdeutlichen, worin die Innovation besteht: in der „Verkupplung“ der Branchen Luftfahrt und Mikroelektronik.

Stefan Uhlig von der Silicon Saxony Management GmbH sowie Prof. Dr. Thomas Zerna und Dr. Michael Schaulin vom Zentrum für mikrotechnische Produktion an der TU Dresden

Stefan Uhlig von der Silicon Saxony Management GmbH sowie Thomas Zerna und Michael Schaulin vom Zentrum für mikrotechnische Produktion (v.l.n.r.) an der TU Dresden sind EEAS-Bündnispartner.

PRpetuum GmbH

Man sollte meinen, die sind schon längst verheiratet, aber Stefan Uhlig schüttelt den Kopf. Bislang, sagt er, habe die Luftfahrt ihre Elektronik selbst entwickelt, was höchst ineffizient ist. Darum sei jüngst zu beobachten, dass die Luftfahrt ihre Zuliefererstruktur ändert und zunehmend ganze Bauteile einkauft. „Wir wollen uns in diesen Lieferketten platzieren. Innerhalb des EEAS-Forums haben wir die Stärken unserer sächsischen Unternehmen herausgestellt und uns auf die Bildung von Wertschöpfungsketten orientiert“, sagt Koordinator Uhlig. Triebwerkstechnologien, Herstellungsverfahren für neue Materialien und Sensorsysteme, Technologien zur Einbettung von Elektronik und nicht zuletzt die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien bzw. die damit zusammenhängenden Sicherheitssysteme seien hier zu nennen. Das EEAS-Netzwerk hilft den KMU, ihre Kompetenzen zu bündeln, um eine gute Position einzunehmen, wenn auch die Flugzeugproduktion in das Industriezeitalter 4.0 startet.

... für Luftfahrt und Mikroelektronik

Die „intelligente Kabine“ ist in diesem Zusammenhang eine Vision. Der Direktor des Zentrums für mikrotechnische Produktion an der TU Dresden, Thomas Zerna, und sein Wissenschaftlerkollege Michael Schaulin präsentieren einen Demonstrator. Das „Multi Purpose Passenger Terminal“ haben sie gemeinsam mit der TU Hamburg-Harburg entwickelt. Das Vorführobjekt aus 3D-gedruckten Bauteilen soll zeigen, wie sich unter Einsatz bislang luftfahrtfremder Technologien etwa Platz und Gewicht einsparen und zudem Sicherheit und Komfort erhöhen lassen.

Demonstrator des „Multi Purpose Passenger Terminals“

Der Demonstrator des „Multi Purpose Passenger Terminals“ besteht unter anderem aus 3D-gedruckten Bauteilen.

PRpetuum GmbH

An der Rückenlehne des Vordersitzes angebracht hat jeder Passagier seinen eigenen Bordcomputer, der das Flugticket erkennt und registriert, der mit der Kabine des Flugpersonals kommuniziert, der alle sicherheitsrelevanten Komponenten überwacht – und jedem Passagier diverse Möglichkeiten des individuellen Zeitvertreibs anbietet.

Um die Digitalisierung der Luftfahrt voranzutreiben, hat jüngst das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ein Institut für angewandte Softwareforschung gegründet. Dass Dresden als Standort gewählt wurde, führt EEAS-Koordinator Uhlig auf die hier gut vernetzte leistungsstarke Branche zurück.

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