Frugale Maschinen, Anlagen und Geräte – Stuttgart

Das Innovationsfeld

Maschinen, Anlagen und Geräte »Made in Germany« werden weltweit mit höchster Qualität assoziiert, meist jedoch auch mit einem hohen Preis. Für die wachsende Mittelschicht in Entwicklungs- und Schwellenländern und für preissensitive Kunden der westlichen Märkte stellen hohe Anschaffungskosten oft eine unüberwindbare Hürde dar. Dies gefährdet langfristig die Marktposition des mittelständisch geprägten Maschinenbaus in Deutschland, der Schwierigkeiten hat, bedarfsgerechte Lösungen zu wettbewerbsfähigen Preisen für derartige Märkte zu entwickeln. Hinzu kommt, dass lokale Wettbewerber mit steigender Qualität und günstigeren Angeboten in diese Bereiche drängen. Um auf solchen Märkten präsent zu sein, genügt es nicht, komplexe Produkte „abzuspecken“: Frugale Innovationen sind notwendig. Diese sind von Grund auf neu durchdachte und strikt nach den jeweiligen lokalen Markt- und Kundenbedürfnissen entwickelte Produkte und Dienstleistungen. Die sechs Kerneigenschaften frugaler Innovationen sind:

Functional/funktional,
Robust/robust,
User-friendly/benutzerfreundlich,
Growing/für wachsende Märkte,
Affordable/erschwinglich und
Local/passend für lokale Gegebenheiten.

Das Potenzial frugaler Maschinen, Anlagen und Geräte beruht auf der Erkenntnis, dass signifikantes Wachstum in der Zukunft vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern zu finden sein wird. Studien gehen davon aus, dass im Jahr 2030 vier von fünf Konsumenten der Mittelschicht außerhalb Europas und der USA leben und dass die Bedürfnisse dieser „neuen globalen Mittelschicht“ die zukünftigen Markttreiber darstellen. Frugal stellt somit einen Ansatz zum Eintritt in Wachstumsmärkte dar. Dennoch sollen frugale Innovationen auch situativ auf den bereits entwickelten Märkten wie Europa oder Nordamerika angeboten werden können, deren Preis-/Leistungsbewusstsein stetig wächst.
Für frugale Innovationen sind teilweise neue Wege erforderlich, welche oftmals von kleinen und mittleren Unternehmen nicht eigenständig beschritten werden können. Es ist eine branchenübergreifende Vernetzung und nachhaltige Plattform zur gemeinsamen Diskussion nötig, welche das „Innovationsforum Frugale Maschinen, Anlagen und Geräte“ bieten soll. Folgende drei Innovationsebenen werden behandelt:

  • Geschäftsmodellinnovationen,
  • Produktinnovationen und
  • Produktionsinnovationen.

Das Innovationsforum dient weiter als Impulsgeber für kleine und mittlere Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau und als Plattform gemeinsamer Entwicklungen von Innovationen. Das Ziel des Forums besteht in der Etablierung eines zukunftsweisenden, branchenübergreifenden Innovationsnetzwerks, das die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen KMU und ihre technologische Führungsrolle auf dem globalen Markt auch für neue Kundengruppen langfristig entwickeln und sichern soll.

Die Akteure

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA bündelt im Innovationsforum Frugale Maschinen, Anlagen und Geräte die Kompetenzen verschiedener Akteure aus dem Bereich des Maschinen- und Anlagenbaus und übernimmt die Gestaltung und Organisation des Vorhabens. Das Projekt adressiert primär kleine und mittelständische Unternehmen (Hersteller und Anwender) aus dem süddeutschen Raum, die an einem interdisziplinären, überregionalen Austausch interessiert sind. Dies ist unabhängig davon, ob diese bereits mit dem Themengebiet der frugalen Innovationen in Berührung gekommen sind oder damit komplettes Neuland betreten. Darüber hinaus werden Verbände und weitere Forschungsstellen in das Netzwerk mit eingebunden. Für den Transfer werden Akteure anderer Branchen mit involviert, um Ansätze zu diskutieren und Ideen in gemeinsame neue erfolgreiche Innovationen umzusetzen.

Die Perspektiven

Lösungen
Das Innovationsforum Frugale Maschinen, Anlagen und Geräte hat zum Ziel, durch die Bündelung der regionalen und branchenübergreifenden Kompetenzen einen nachhaltig wirkenden Innovationsverbund aufzubauen. Dies beinhaltet eine branchenübergreifende Vernetzung von Herstellern, Anwendern und Multiplikatoren im Bereich des Maschinen-, Anlagen- und Gerätebaus. Es bietet eine Plattform zur Diskussion und soll praxisbezogene Forschung anstoßen, um den Ausbau frugaler Kompetenzen im Mittelstand zu unterstützen. Zur Vorbereitung des Innovationsforums dienen Gespräche mit Vertretern von Verbänden und Unternehmen zur Identifikation potenzieller Themenschwerpunkte und Bedarfe, die im Rahmen von Workshops mit den Teilnehmern ausgearbeitet werden. Die in den Workshops gewonnenen Ergebnisse und Erkenntnisse bilden die Grundlage für die weitere inhaltliche Ausgestaltung des Innovationsforums und die Bildung von Arbeitskreisen zu verschiedenen Themenstellungen. Auf einer zweitägigen Veranstaltung werden Ergebnisse präsentiert und diskutiert. Daneben werden ausgewiesene Experten aus Industrie und Forschung Vorträge halten, um die Kernthemen weiter zu fokussieren und fachlich anzureichern.
Potenziale für die Partner
Mitwirken heißt mitgestalten – nach diesem Grundsatz soll den Mitgliedern der Innovationspartnerschaft die Gelegenheit geboten werden, das Zukunftsfeld der frugalen Maschinen, Anlagen und Geräte aktiv mitzugestalten, eigene Thematiken zu positionieren und letztlich neue Märkte mit passgenauen Innovationen zu erschließen. Aus dem Forum heraus sollen Lösungsansätze gefunden und gemeinsame Projektideen entwickelt und umgesetzt werden. Dabei profitieren die Akteure von der branchen- und länderübergreifenden Gemeinschaft. KMU können hierbei von dem Fachwissen der Hochschulen und Forschungsinstitutionen sowie von konkreten, bereits umgesetzten Beispielen aus der Industrie profitieren. Unternehmen bietet sich ihrerseits die Möglichkeit, eigene Ideen in Innovationsprojekten umzusetzen oder passende Kooperationspartner zu finden.
Kompetenzprofil
In Baden-Württemberg und der Metropolregion Stuttgart konzentrieren sich mittelständische Maschinenbauunternehmen. Die global erfolgreichen „Hidden Champions“ sind in starkem Maße abhängig von Innovationen, die sich international vermarkten lassen. Sie besitzen hohe technologische Kompetenzen und sind daher als Zielgruppe des Innovationsforums besonders gut geeignet. Durch das Forum wird ein Entwicklungsschub rund um die interdisziplinären frugalen Innovationsfelder erwartet. Auf diese Weise soll ein Beitrag zur regionalen Profilbildung mit internationaler Ausstrahlung geleistet werden.

Kontakt

Dr.-Ing. Christoph Birenbaum
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA
Seidenstraße 36
70174 Stuttgart
Tel.: +49 711 970-1536
E-Mail: Christoph.Birenbaum[at]ipa.fraunhofer.de